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Medizin

Malaria: Warum Resistenzen in West-Kambodscha entstehen

Montag, 29. April 2013

Cambridge – Im Westen Kambodschas haben gleich drei verschiedene Populationen von Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria tropica, Resistenzen gegen Artemisinin erworben, dem derzeitigen Standardmittel der Tropenkrankheit. Genetiker suchen nach dem verantwortlichen Gen – bisher erfolglos. Doch ihre Studie in Nature Genetics (2013; doi: 10.1038/ng.2624) liefert einen Katalog an genetischen Varianten, der es den Wissenschaftlern ermöglichen könnte, die weitere Ausbreitung der Artemisinin-Resistenzen zu beobachten.

Niemand weiß, warum Resistenzen gegen Malaria-Medikamente immer in den gleichen abgelegenen Gegenden im Westen Kambodschas entstehen, bevor sie sich über den Globus ausbreiten. Von dort kamen Ende der 1950er Jahre die ersten Berichte über ein Therapieversagen von Chloroquin. Dort entstanden auch die Resistenzen gegen Pyrimethamin und gegen Sulfadoxin, und vor fünf Jahren wurden in der Grenzregion zu Thailand auch die ersten Patienten gesehen, die auf eine Therapie mit Artemisinin vermindert ansprachen.

Seither herrscht bei der Welt­gesund­heits­organi­sation eine Alarmstimmung, denn Artemisinin ist das derzeit letzte Medikament, das bei der Malaria tropica, die in Afrika und Südostasien endemisch ist, noch eine gute Wirkung zeigt. Dass die Sorge um eine Ausbreitung der Resistenz nicht unberechtigt ist, zeigt der Nachweis von resistenten Erregern in der Grenzregion zwischen Thailand und Myanmar (Burma) im Jahr 2012.

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Um die Ausbreitung der Resistenzen näher beobachten zu können, hat das Team um Dominic Kwiatkowski vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge in England die Genome von 825 verschiedenen P. falciparum-Isolaten aus Westafrika und Südostasien verglichen, wobei der Focus hier auf Kambodscha gelegt wurde.

Das Ziel, den Resistenzmechanismus zu ergründen, haben die Forscher nicht erreicht. Sie konnten jedoch eine Reihe von Einzelnukleotid-Polymorphismen beschreiben, an denen die resistenten Parasiten erkannt werden können. Sie schufen damit die Grundlage für einen Test, mit dem die zu befürchtende Ausbreitung des Erregers frühzeitig erkannt werden könnte.

Dank der Genanalysen konnten sie auch die Evolution der Resistenzen rekonstruieren: Interessanterweise fanden die Forscher nicht einen, sondern gleich drei unterschiedliche genetische Stammbäume, was die „Fruchtbarkeit“ der Urwaldregion für die Entstehung neuer Resistenzen unterstreicht. In den drei Stammbäumen wiesen die arteminisinresistenten Erreger nur geringe genetische Unterschiede auf. Die Ursprungsmutationen dürften deshalb noch nicht lange zurückliegen.

Warum ausgerechnet im Westen Kambodschas immer wieder neue Resistenzen entstehen, kann Kwiatkowski nicht erklären. Er vermutet, dass die Abgelegenheit der Region und die geringe Mobilität der Bevölkerung die „Inzucht“ der Malaria-Erreger gefördert haben könnte. Die Entwicklung der Artemisinin-Resistenz könnte sogar eine Nachwirkung des Khmer Rouge-Regimes sein, das die Mobilität einer dezimierten Bevölkerung stark einschränkte.

Letzte Reste der Khmer Rouge konnten sich bis Ende der 1990er Jahre im Westen Kambodschas halten. Diese Hypothese von Kwiatkowski ist allerdings sehr spekulativ. Letztlich bleibt es dabei, dass die Faktoren, die die Resistenzentwicklung in West-Kambodscha begünstigen, nicht bekannt sind. © rme/aerzteblatt.de

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