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Medizin

QT-Verlängerungen häufig Zeichen eines nahenden Todes

Montag, 29. April 2013

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Rochester – QT-Verlängerungen im EKG sind ein unterschätztes Gesundheitsrisiko. Nach den Erfahrungen der Mayo Clinic, die ein elektronisches Warnsystem in die Kliniksoftware integriert hat, sind 2 Prozent der Patienten betroffen, von denen laut der Publikation in den Mayo Clinic Proceedings (2013; 88: 315-325) jeder fünfte innerhalb eines Jahres verstorben ist.

Eine Verlängerung der QT-Strecke zeigt im EKG eine Repolarisationsstörung an, die die Entwicklung von ventrikulären Arrhythmien begünstigt. Gefürchtet sind die Torsade de pointes, die in ein Kammerflimmern übergehen können. Zu QT-Verlängerungen kann es im Rahmen von genetischen Störungen wie dem Long-QT- Syndrom kommen. Immer häufiger sind Medikamente für die Störung verantwortlich.

Laut Michael Ackerman, einem Kinderkardiologen der Mayo Clinic in Rochester, gibt es mehr als hundert zugelassene Medikamente, die die QT-Zeit verlängern. Seine Klinik hat deshalb in die Kliniksoftware ein elektronisches Alarm-System integriert. Es benach­richtigt die Ärzte automatisch, wenn in einem EKG mit 12 Ableitungen eine Verlängerung der frequenzkontrollierten QT-Zeit auf 500 Millisekunden oder mehr aufgetreten ist.

Dies war keinesfalls selten der Fall. Der QT-Alarm wurde bei 1.145 von 52.579 Patienten oder etwa 2 Prozent ausgelöst, bei denen ein oder mehrere EKGs angefertigt worden waren. Bei 470 Patienten wurde ein Grund für die QT-Verlängerung gefunden. Dies konnte eine Erkrankung wie der Diabetes mellitus sein oder eine Elektrolytstörung wie ein Abfall von Kalium, Magnesium oder Kalzium. Zwei Drittel der Patienten hatten Medikamente mit einer bekannten QT-verlängernden Wirkung erhalten. Am häufigsten waren dies Antidepressiva, gefolgt von Antiarrhythmika und Antibiotika.

Nicht selten hatten die Patienten gleich mehrere Wirkstoffe erhalten, in einigen Fällen waren es sogar fünf Medikamente, berichtet Ackerman. Typisch sei der Fall eines Patienten, der bereits vor der Hospitalisierung ein Antidepressivum eingenommen hatte, und bei dem in der Klinik eine Infektion mit Antibiotika behandelt wurde und bei dem drittens eine Elektrolytstörung bestand.

Ackerman konnte die Patienten über ein Jahr nachbeobachten: In dieser Zeit starben 19 Prozent der Patienten mit einer QT-Verlängerung und damit viermal so viele wie in einer Kontrollgruppe ohne QT-Zeitverlängerung. Das Sterberisiko stieg mit der Zahl der Risikofaktoren, die Ackerman in einem „Pro-QTc-Score“ zählte: Bei einem Score von 4, etwa bei einem Patienten mit krankheitsbedingt verlängertem QT-Intervall und Elektrolytstörungen, der zwei QT-verlängernde Wirkstoffe erhielt, stieg das Sterberisiko auf 40 Prozent an. Unter den wenigen Patienten mit einem genetischen Long-QT-Syndrom kam es übrigens zu keinem Todesfall.

Wie viele der gestorbenen Patienten an einer kardialen Arrhythmie starben, konnte Ackermann nicht recherchieren. Vor allem nach der Entlassung aus der Klinik ist die Dokumentation häufig lückenhaft und die Todesbescheinigungen sind notorisch ungenau.

Diese gaben am häufigsten Krebs (26 Prozent), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (21 Prozent) und Infektionen (20 Prozent) als Todesursache an. Dies schließt in dem einen oder anderen Fall nicht aus, dass eine kardiale Arrhythmie unmittelbar zum Tod führte. Insgesamt dürfte die QT-Zeitverlängerung jedoch ein Marker für eine schwere Grunderkrankung gewesen sein.

 

© rme/aerzteblatt.de

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