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Medizin

Gingko: Krebserkrankungen in Tierstudien

Dienstag, 30. April 2013

Ginkgo biloba /dpa

Research Triangle Park – Ginkgo biloba-Extrakte, die trotz starker Zweifel von Wissen­schaftlern an der Wirksamkeit als Antidementivum in der Selbstmedikation beliebt sind, haben in einer tierexperimentellen Studie des US-National Toxicology Program Krebser­krankungen in der Leber und der Schilddrüse ausgelöst. Verbraucherverbände in den USA warnen vor dem Konsum, während die Hersteller die Studie kritisieren.

Ginkgo biloba ist als Naturheilmittel nicht nur in Deutschland beliebt, wo verschiedene Hersteller Extrakte aus den Blättern des letzten Vertreters der Samenpflanzen als Arznei­mittel zur Behandlung von hirnorganisch bedingten geistigen Leistungseinbußen anbieten (aber auch zur Behandlung von peripherer Verschlusskrankheit oder Schwindelgefühlen).

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Auch in den USA sind die Extrakte als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Sie sind damit nicht an die strengen Auflagen für Arzneimittel gebunden, deren Hersteller neben den klinischen Daten auch Belege zur toxikologischen Unbedenklichkeit vorlegen müssen. Für Ginkgo biloba fehlten nach Einschätzung des US-National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) wichtige Daten zur Toxizität und Karzinogenität. Das National Toxicology Program wurde deshalb mit einer Studie beauftragt, deren Ergebnisse jetzt für Aufsehen sorgten.

Cynthia Rider und Mitarbeiter aus den Labors in Research Triangle Park in North Carolina konnten nämlich die bisher angenommene Unbedenklichkeit von Ginkgo biloba nicht bestätigen. In allen Fütterungsexperimenten, die an verschiedenen Gruppen von Mäusen und Ratten durchgeführt wurden, kam es dem Bericht zufolge zu einer Häufung von verschiedenen Läsionen in Leber, Schilddrüse und Nase, bei den Mäusen wurden auch verschiedene Läsion im Vormagen gefunden.

Neben Hypertrophien und Hyperplasien, die nur eine gutartige Zellvermehrung anzeigen, fanden die Toxikologen bei einigen Tieren auch Krebserkrankungen in Leber und Schilddrüse, darunter ansonsten bei Nagern seltene Malignome, was für Rider den Verdacht nahelegt, dass Ginkgo biloba karzinogen sein könnte.

Die Versuche entsprachen dem üblichen Vorgehen in toxikologischen Tests, in denen Versuchstiere über eine längere Zeit – hier über bis zu 105 Wochen – mit Wirkstoffen in Mengen behandelt werden, die weit oberhalb der therapeutischen Dosierung liegen. Ratten wurden mit 100, 300 oder 1.000 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gefüttert. Bei Mäusen kamen bis zu 2.000 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zum Einsatz. Die in Deutschland verkauften Medikamente schlagen eine Tagesdosis von 409 bis 120 Milligramm für den gesamten Körper vor.

Die Studie wurde denn auch gleich in diesem Punkt angegriffen, auch von unabhängiger Seite. Der American Botanical Council, eine Non-Profit-Organisation bezweifelte, dass die Studie von klinischer Relevanz ist. Für Verbraucherschützer vom Center for Science in the Public Interest muss dagegen die Sicherheit von Ginkgo biloba zurückgestuft werden.

Die Pressemitteilung verweist auf die Abmahnungen, die die US-Arzneibehörde FDA jüngst an die Hersteller von „Energy drinks“ versandt hatte, die ihren Getränken Ginkgo zugefügt hatten. Der Hintergrund ist allerdings formeller Natur. Die FDA fordert lediglich, dass die Präparate als Nahrungsergänzungsmittel deklariert werden, wenn sie Ginkgo enthalten. Als Nahrungsmittel sind sie in den USA nicht erlaubt.

© rme/aerzteblatt.de

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