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Frie­drich-Ebert-Stiftung: Einheitliches Kranken­versicherungs- und Honorarsystem notwendig

Donnerstag, 2. Mai 2013

dpa

Berlin – Für ein einheitliches Vergütungssystem im Gesundheitswesen, eine Stärkung der Primär- und hausärztlichen Versorgung sowie die Förderung von Selektivverträgen plädieren Fachleute aus Politik, Gewerkschaften, Wissenschaft, Krankenkassen und Ärzteverbänden in dem Positionspapier „Wettbewerb, Sicherstellung, Honorierung“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese stellte das Papier zur Neuordnung der Versorgung im deutschen Gesundheitswesen heute in Berlin vor und diskutierte, wie die Versorgungsstrukturen des deutschen Gesundheitswesens zu reformieren sind, um künftig eine flächendeckende Versorgung auch unter den Bedingungen des demografischen Wandels sicherzustellen.

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„Das deutsche Gesundheitswesen weist drei zentrale Schwachstellen auf, die eine Reform der Versorgung erforderlich machen“, analysierte Eckhard Fiedler von der Universität Köln. Zum einen sei  aus sozialer wie ökonomischer Perspektive die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung nicht mehr sinnvoll, da es dem Grundsatz der Gleichbehandlung widerspreche und falsche wirtschaftliche Anreize setze. Die Konkurrenz der ärztlichen Gebührenordnungen Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM)  und der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) habe  zu Fehlanreizen geführt.

Fiedler sprach sich für die Einführung einer neuen einheitlichen ambulanten ärztlichen Gebührenordnung aus, deren Basis morbiditätsbasierte Pauschalen, kombiniert mit Qualitätssicherungsmaßnahmen und qualitätsbezogenen Vergütungsanteilen (Pay for-Performance) sein sollten.  

Zweitens werde die Trennung zwischen ambulanter und stationärer sowie kurativer und rehabilitativer Versorgung dem medizinischen Fortschritt sowie der demografischen Entwicklung nicht mehr gerecht, kritisierte Fiedler stellvertretend für die Autoren des Positionspapiers.

Drittens existiere kein funktionierendes Wettbewerbskonzept. Besonders mangele es in der ambulanten Versorgung an einer flächendeckenden Sicherung der hausärztlichen Versorgung. „Wir brauchen eine einheitliche, moderne Gebührenordnung nach der Devise ,Gleicher Preis für gleiche Leistung‘“, betonte Fiedler. 

Integrierte und hausarztzentrierte Versorgung notwendig
Um „strukturell notwendige Reformen der gesundheitlichen Versorgung“ umzusetzen, sprechen sich die 20 Autoren des Papiers für eine Förderung integrierter Versor­gungsformen und einen Ausbau der hausarztzentrierten Versorgung aus. Die Selbst­verwaltung sei bisher nicht in der Lage gewesen, die aktuellen Versorgungs­disparitäten zu lösen. „Wir wollen nicht die Kassenärztlichen Vereinigungen abschaffen“, erklärte Franz Knieps, Mitautor des Papiers. „Aber die Versorgung sollte über eine Kombination von Kollektiv- und Selektivverträgen gewährleistet werden.“ Dabei sei der rechtliche Rahmen so auszugestalten, dass Kollektiv- und Selektivverträge gleichrangig nebeneinander stehen, heißt es im Positionspapier.

Selektivverträge sollen nach Ansicht der Autoren künftig konsequent als wettbewerbliche Versorgungsform ausgestaltet werden, aber auch verbindliche Vereinbarungen über Qualitätsstandards, Sanktionen bei deren Nichteinhaltung und deren Evaluierung enthalten. Entscheidend sei, die Bedarfsplanung der medizinischen Versorgung künftig sektorenübergreifend zu gestalten und an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten zu orientieren. Eine weitere Herausforderung stelle die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen dar.

„Das deutsche Gesundheitssystem ist zu stark auf Ärzte fixiert“, meinte Knieps. Dies sei vor allem in der Primärversorgung problematisch. Andere Gesundheitsfachberufe müssten gefördert  und zugleich die Position der Hausärztinnen und -ärzte als Lotsen im Gesundheitswesen  gestärkt werden. © ER/aerzteblatt.de

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