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Medizin

Epilepsie: Hirnimplantat warnt vor drohendem Anfall

Donnerstag, 2. Mai 2013

dpa

Melbourne – Ein Hirnimplantat, das auf der Cortexoberfläche kontinuierlich EEG-Signale registriert, konnte in einer Pilotstudie in Lancet Neurology (2013; doi: 10.1016/S1474-4422(13)70075-9) Epilepsie-Patienten einigermaßen zuverlässig vor einem drohenden Anfall warnen.

Für Patienten, die unter einer antiepileptischen Medikation oder nach einer Operation nicht anfallsfrei werden, könnte ein Frühwarnsystem die Lebensqualität verbessern und manchmal die Berufsfähigkeit erhalten. Dies gilt vor allem für Patienten, bei denen es häufig zu Anfällen kommt, wie bei den 15 Teilnehmern der Studie, über die Mark Cook vom St. Vincent Hospital in Melbourne und Mitarbeiter berichten. Alle Teilnehmer erlitten trotz medikamentöser Anfallsprophylaxe pro Monat 2 bis 12 Anfälle einer fokalen Epilepsie. Sechs Patienten waren auch nach einer Operation nicht anfallsfrei geworden.

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Allen Patienten wurden in einer Operation zwei Elektrodenstreifen auf die Cortex-Oberfläche platziert. Sie fingen an insgesamt 16 Punkten EEG-Signale auf und leiteten sie über einen Draht an eine Telemetrie-Einheit weiter, die die Neurochirurgen unterhalb des Schlüsselbeins implantiert hatten. Von dort aus wurden die Signale drahtlos an ein Handgerät übermittelt, das die Patienten in den folgenden Monaten bei sich tragen sollten.

Auf dem Handgerät wurde die Wahrscheinlichkeit eines drohenden Anfalls mit drei Ampelfarben angezeigt. Bei einem Alarm konnten sich die Patienten „in Sicherheit“ bringen und den Anfall abwarten. Verhindern kann das Implantat die Anfälle nicht. Es kann nur Signale empfangen, aber nicht abgeben.

Wie Mark Cook von der Universität Melbourne berichtet, konnte das Gerät eines US-Herstellers (NeuroVista aus Seattle) zwar nicht alle Anfälle vorhersagen. Nach einer „Lernphase“, in der die EEG-Signale analysiert wurden, die den Anfällen vorausgingen, gelang es dem Gerät bei 11 Patienten, zwischen 65 und 100 Prozent der Anfälle vorherzusagen.

Die Editorialisten Christian Elger und Florian Mormann von der Universität Bonn sind von den Ergebnissen der Studie beeindruckt. Sie sprechen von einem Meilenstein in der Epileptologie, da es bisher mit keinem Mittel möglich war, epileptische Anfälle vorherzusagen. Nebenbei zeige die Studie, dass die bisher benutzten Anfallstagebücher die wirkliche Zahl der Anfälle häufig unterschätzen. Ein Patient, der elf Anfälle notierte, hatte den EEG-Aufzeichnungen des Implantats zufolge in Wirklichkeit 102 Anfälle erlitten.

© rme/aerzteblatt.de

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