NewsPolitikWeiterer Schritt auf dem Weg zum nationalen Transplan­tationsregister
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Weiterer Schritt auf dem Weg zum nationalen Transplan­tationsregister

Freitag, 3. Mai 2013

Berlin/Münster – Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat das BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit beauftragt, ein Fachgutachten für ein nationales Trans­plantationsregister zu erstellen. Dabei soll das Institut die komplexe Thematik einer einheitlichen Datenerhebung und -erfassung unter medizinischen, organisatorischen und rechtlichen Aspekten untersuchen.

„Derzeit werden in Deutschland Daten zur Entnahme von Organen, deren Vermittlung, Transplantation und der Qualitätssicherung durch verschiedene Institutionen nach unterschiedlichen Vorgaben erfasst“, erklärte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP). Das Gutachten sei ein weiterer Schritt bei der Vorbereitung eines nationalen Transplantationsregisters.

„Ziel ist es, die Daten so zu nutzen, dass eine Auswertung von der Organentnahme bis hin zur Nachbetreuung nach einer Transplantation möglich wird“, so Bahr. Der Gesund­heitsminister erwartet, dass die gewonnenen Erkenntnisse helfen, die Qualität der Versorgung in der Transplantationsmedizin zu verbessern. Das BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit hat bis zum 20. Dezember Zeit, das Gutachten zu erstellen.

Anzeige

Kammer Westfalen Lippe gegen Bundesbehörde
Unterdessen hat sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) dagegen ausge­sprochen, eine Bundesbehörde zur Koordination und Überwachung der Transplan­tationsmedizin einzurichten. Nach Ansicht des ÄKWL-Präsidenten Theodor Windhorst sei dies „absoluter Unsinn“. In der Diskussion um die Zukunft der Transplantationsmedizin hatte unter anderem der Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika Deutschland, Rüdiger Strehl, eine neue Bundesbehörde gefordert, die ähnlich dem Robert Koch-Institut arbeiten soll.

„Ich gehe davon aus, dass die geäußerten Vorschläge Einzelmeinungen sind und auch bleiben“, sagte Windhorst. Es könne nicht davon gesprochen werden, dass die Ärzte­schaft solch eine Bundesbehörde will. Vielmehr sieht der ÄKWL-Präsident weiterhin die Ärzteschaft in einer zentralen Rolle bei der Transplantationsmedizin: „Wir brauchen hier ärztliche Kompetenz, keine Verwaltungsbeamten und Verwaltungsdenken, die über die Organspende und Organverteilung befinden.“ Die Bundes­ärzte­kammer komme ihrer Verantwortung bei der medizinischen Qualitätssicherung der Organspende mittels ihrer Kontrollgremien umfassend nach.

Dem Kammerpräsidenten zufolge könne nur ärztliches Wissen über die Ergebnisqualität bei der Organtransplantation entscheiden. Dies in die Befugnis von Nicht-Ärzten zu legen, sei der „komplett falsche Weg“, um auch das verloren gegangene Vertrauen in die Transplantationsmedizin wieder zurückzugewinnen.

„Wohin uns pures Verwaltungsdenken und der Blick auf ökonomische Aspekte und somit Fehlanreize gebracht haben, sehen wir bei den Skandalen in Regensburg und Göttingen – neues Vertrauen gewinnen wir nicht durch eine neue Bundesbehörde“, so Windhorst. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 3. Mai 2013, 18:48

Ach Herr Kollege Windhorst...

sind die Transplantationsskandale in Regensburg, Göttingen und anderswo (?) tatsächlich ausschließlich auf "pures Verwaltungsdenken" zurückzuführen? "Und der Blick auf ökonomische Aspekte und somit Fehlanreize" seien tatsächlich entscheidend gewesen? - Das glauben Sie doch selbst nicht, dass da keinerlei übersteigerter Ehrgeiz, kein falsches Konkurrenzdenken, keine Fehlentwicklung und keine Mauschelei im Spiel gewesen ist. Immerhin hat die Staatsanwaltschaft ermittelt und Maßnahmen ergriffen.

Die Maßnahme, die sie selbst ergreifen, nämlich Professor Rüdiger Siewert und Rüdiger Strehl als Autoren einer fundierten FAZ-online Veröffentlichung zu Organisation und Qualitätssicherung in der Transplantationsmedizin mundtot machen zu wollen, disqualifiziert Sie doch selbst am ehesten.

Wer sich selbst ein Bild machen will, vgl.:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/mehr-fuehrung-aufruf-fuer-ein-rudolf-pichlmayr-institut-fuer-transplantationsmedizin-12166613.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

26. Juni 2020
Regensburg – Eine Behandlung mit regulatorischen Zellen, die aus dem Blut der Patienten gefiltert und im Labor vermehrt werden, soll die Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen abschwächen.
Organtransplantation: Regulatorische Zelltherapie vermindert Bedarf an Immunsuppressiva
23. Juni 2020
Nanjing – Chinesischen Forschern ist es bei Mäusen gelungen, Leberzellen in der Milz anzusiedeln. Ihrem Bericht in Science Advances (2020: DOI: 10.1126/sciadv.aaz9974) zufolge hat die transformierte
Forscher wollen Leber durch Milz ersetzen
18. Juni 2020
Pittsburgh – US-Forscher haben die Zellen einer Rattenleber durch menschliche Zellen ersetzt, die sie im Labor aus reprogrammierten Stammzellen einer Hautprobe hergestellt hatten. Nach der
Menschliche Laborleber erfolgreich in Ratten transplantiert
12. Juni 2020
Chicago − Eine junge Frau, deren Lungen durch eine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 irreversibel geschädigt wurden, hat an einer US-Klinik ein doppeltes Lungentransplantat
USA: COVID-19-Patientin erhält Lungen­trans­plan­ta­tion
4. Juni 2020
Leipzig – Durch den Coronalockdown mussten in den vergangenen Wochen viele Gewebe- und insbesondere Augenhornhauttransplantationen verschoben werden. Laut der Deutschen Gesellschaft für
Hoher Bedarf an Gewebetransplantaten wie Augenhornhäuten
27. Mai 2020
Berlin – Scharfe Kritik an der Mindestmengenregelung in der Transplantationsmedizin üben die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), die
Transplantationsmedizin: Kritik an Rapid-Report zur Mindestmengenregelung
25. Mai 2020
Köln – In Zentren mit vielen Nierentransplantationen sind die Überlebenschancen der Patienten im ersten Jahr nach dem Eingriff höher als in Kliniken mit geringeren Fallzahlen. Zu diesem Ergebnis kommt
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER