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Medizin

Brustimplantate könnten Prognose bei Brustkrebs verschlechtern

Freitag, 3. Mai 2013

dpa

Québec City – Kosmetische Brustimplantate können die Diagnose eines Mamma­karzinoms erschweren. Nach einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013;346:f2399) wird die Diagnose bei Implantatträgerinnen häufiger im fortgeschrittenen Stadium erstellt, und es sterben mehr Frauen an ihrem Brustkrebs.

Da bei der Brustvergrößerung die Brustdrüse erhalten bleibt, können Implantatträgerinnen wie andere Frauen auch an einem Mammakarzinom erkranken. Die Implantate könnten die Diagnose erschweren, da das Füllmaterial bei der Mammographie einen Strahlenschatten auf die Brustdrüse wirft. Dies ist besonders häufig bei subglandulär platzierten Implantaten der Fall.

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Die Implantate können auch die für die Untersuchung nötige Kompression der Brust erschweren. Kontrakturen, die sich bei einigen Frauen in der Umgebung des Implantats entwickeln, setzen die Sensitivität der Mammographie weiter herab. Andererseits könnten die Implantate den Tastbefund erleichtern, zumal sie mit einer Kompression und schließlich einer gewissen Atrophie des Drüsengewebes einhergehen.

Ob sich ein Implantat auf den Diagnosezeitpunkt auswirkt, hat Eric Lavigne von der Unité de recherche en santé des populations (URESP) in Québec City jetzt durch die Auswertung von 12 Beobachtungsstudien untersucht. Er ermittelte eine Odds Ratio von 1,26 für eine Diagnose des Mammakarzinoms in einem fortgeschrittenen Stadium. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte jedoch von 0,99 bis 1,60 und das Signifikanzniveau wurde damit verfehlt. Lavigne kann deshalb nicht ausschließen, dass es sich um einen Zufallsbefund handelt.

Statistisch signifikant waren dagegen die Ergebnisse einer zweiten Meta-Analyse. Sie beantwortete die – für die betroffenen Frauen - relevantere Frage, ob die Implantatträgerinnen häufiger an ihrem Brustkrebs sterben. Lavigne wertete zu dieser Frage fünf weitere Studien aus. Er ermittelte eine Hazard Ratio von 1,38, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,08 bis 1,75 signifikant ist. Im ungünstigsten Fall würde dies bedeuten, dass bei Implantatträgerinnen der Brustkrebs zu 75 Prozent häufiger zu spät diagnostiziert würde.

Meta-Analysen sind aber nur so zuverlässig, wie die Studien, die ihnen zugrunde liegen. Lavigne räumt ein, dass die Studien zum Einfluss auf die Sterblichkeit Schwächen aufweisen. Drei der fünf Studien hätten das Alter der Patientinnen und den Zeitpunkt der Diagnose nicht als mögliche Störfaktoren berücksichtigt. Keine der fünf Studien würde Angaben zum Body-Mass-Index, einem weiteren Risikofaktor für das Mammakarzinom enthalten. Die Ergebnisse der Analyse seien deshalb, so Lavigne mit Vorsicht zu interpretieren. Angesichts der Popularität von Brustimplantaten sieht der Epidemiologe hier weiteren Forschungsbedarf. © rme/aerzteblatt.de

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