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Medizin

Osteoarthritis: Meniskusriss erfordert keine Knieoperation

Freitag, 3. Mai 2013

Boston – Bei Patienten, die bereits an einer Osteoarthritis leiden, können Meniskusrisse konservativ behandelt werden. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2013; 368:1675-1684) war die arthroskopisch durchgeführte partielle Meniskektomie einer Physiotherapie nicht überlegen.

Bei einem Drittel aller Patienten über 50 Jahren mit Osteoarthritis werden bei der diagnostischen Abklärung auch Schäden am Meniskus festgestellt. Es ist häufig nicht einfach, die Beschwerden der Osteoarthritis von denen des Meniskusschadens zu trennen, doch wenn der Orthopäde den Eindruck hat, dass der Meniskusriss sympto­matisch ist, wird in der Regel zu einer arthroskopischen Operation geraten. Bei dieser Gelegenheit werden auch Knorpel- oder Knochenfragmente entfernt, die sich im Rahmen der Osteoarthritis gelöst haben, obwohl frühere Studien die Evidenz dieser Maßnahmen bezweifeln.

Die operative Behandlung von Meniskusrissen bei Arthrosepatienten wurde jetzt erstmals in einer größeren multizentrischen Studie mit einem konservativen Behandlungsansatz verglichen, bei denen die Patienten lediglich eine Physiotherapie erhalten, die Muskel­stärke und Mobilität des Knies fördern sollte. An sieben US-Zentren wurden 351 Patienten auf eine der beiden Therapien randomisiert.

Primärer Endpunkt war der Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), der die körperliche Funktion mit 0 bis 100 Punkten bewertet. Wie Jeffrey Katz vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter jetzt berichten, waren die funktionellen Ergebnisse nach 6 Monaten in beiden Studienarmen vergleichbar. Der WOMAC hatte sich nach der Operation um 20,9 Punkte gebessert gegenüber einem Plus von 18,5 Punkten im Physiotherapie-Arm. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. Auch nach 12 Monaten waren die Ergebnisse nach der Operation, die ja eine definitive Lösung anstrebt, nicht besser.

Eine konservative Therapie war allerdings nicht allen Studienteilnehmern auf Dauer vermittelbar. Dies bekamen Katz und Mitarbeiter bereits bei der Planung der Studie zu spüren. Sie konnten nur 26 Prozent der Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllten, für die Studie gewinnen. Die anderen wollten nicht das Los über ihre Therapie entscheiden lassen. Viele Patienten bevorzugen eine Operation. Auch im Verlauf der Studie entschieden sich 30 Prozent der Patienten, die konservativ behandelt werden sollten, dann doch noch für den arthroskopischen Eingriff.

Auf eine geplante Operation verzichteten dagegen nur 6 Prozent der Teilnehmer. Doch selbst wenn die Patienten, die das Studienprotokoll verletzt hatten, aus der Bewertung herausgenommen wurden, änderte sich das Ergebnis nicht. Der konservative Ansatz war einer Operation gleichwertig. Er ist deshalb auch für die Editorialistin Rachelle Buchbinder von der Monash University in Melbourne eine „vernünftige erste Therapiewahl“. © rme/aerzteblatt.de

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