Politik

Pflegerat startet Kampagne „Ich will Pflege“

Dienstag, 7. Mai 2013

Berlin – Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat heute in Berlin die Kampagne „Ich will Pflege“ gestartet. Mit ihr sollen Pflegekräfte und Bürger dazu motiviert werden, Druck auf die Politik aufzubauen, dem Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen. „Der Pflege­notstand muss als drängendes gesamtgesellschaftliches Problem anerkannt werden, seine Lösung darf nicht länger von Legislaturperiode zu Legislaturperiode verschoben werden“, forderte DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus.

„Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis 2060 auf 4,5 Millionen nahezu verdoppeln“, sagte der Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung, Fritz Beske. Im selben Zeitraum werde die deutsche Bevölkerung um 17 Millionen Menschen abnehmen. „Ich glaube, die Situation ist sehr viel dramatischer, als viele von uns glauben“, warnte Beske.

Anzeige

Von der Politik fordert der Pflegerat neben der Reform der Pflegeausbildung und einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen eine angemessene Vergütung der Pflege­leistenden. „Analysen haben wir genug“, sagte Westerfellhaus. „Jetzt muss gehandelt werden.“

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September hat der DPR auch 13 Wahlprüfsteine erstellt. Darin fordert er eine Erhöhung der Ausbildungskapazitäten sowie eine auskömmliche Ausbildungsfinanzierung. Nur durch mehr und bessere Qualifizierung sei die Sicherung der Gesundheitsversorgung durch qualifizierte Pflegefachkräfte möglich. Zudem fordert der Pflegerat ein Pflegeberufegesetz, in dem die Aufgaben der professionellen Pflege festgeschrieben werden. Ein solches Gesetz wurde von der Bundesregierung bereits angekündigt – eine Umsetzung noch vor der Wahl gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Darüber hinaus fordert der DPR in seinen Prüfsteinen die gesetzliche Festlegung einer verbindlichen Personalausstattung für die Pflege sowie die Sicherstellung einer gesund­heits­schützenden und –fördernden Arbeitsumgebung für Pflegende.

Beske wies darauf hin, dass die Gewinnung junger Pflegekräfte auch dadurch erschwert werde, dass der Beruf in Konkurrenz zu anderen Berufen stehe, die ebenfalls einen Bedarf an Fachkräften hätten. „Und die Versorgung von inkontinenten, pflegebedürftigen Patienten wird für viele Schulabgänger nicht attraktiver sein als eine Ausbildung in Bank oder Hotel“, so Beske. Deshalb reiche es nicht, „ein bisschen was zu tun“, sondern die Situation müsse sich entscheidend verbessern.

Der Pflegeexperte der Union, Rolf Koschorrek, warnte allerdings davor, Pflegekräfte aus dem Ausland abzuziehen. Denn diese würden in ihren Heimatländern gebraucht. Zudem sei die Pflege ein zuwendungsintensiver Beruf, der eine gute Sprachkompetenz erfordere. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.03.17
Berlin – Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, hat heute die Pflegenden dazu aufgerufen, bei der Bundestagswahl den Parteien ihre Stimme zu geben, die sich für die Pflege......
20.03.17
Dresden – Sachsen will dem drohenden Pflegenotstand auch mit Altenpflegern aus Drittstaaten begegnen. Das bekräftigte Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) beim heutigen Besuch eines Pflegeheimes in......
08.03.17
Notfallversorgung: Krankenhaus­gesellschaft schlägt scharfe Töne an
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich mit deutlichen Forderungen für den Bundestagswahlkampf positioniert. Auf dem Frühjahrsempfang der Gesellschaft forderte DKG-Präsident......
24.02.17
Köln – In einem Diskussionspapier zum Thema „Helfen höhere Mindestlöhne in der Pflege?“ stellt das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln branchenspezifische Mindestlöhne in der......
24.02.17
Keine Personalreserven in der Altenpflege
München – Im Oktober 2016 gab es in ganz Bayern gerade einmal 199 arbeitslose Altenpflegefachkräfte. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Pflegeforschung (DIP), die jetzt beim......
23.02.17
Berlin – Das Thema „Pflege“ wird für den Bundstagswahlkampf relevant. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Danach sehen 43 Prozent......
21.02.17
Berlin – Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, hat ein Sofortprogramm für neue Pflegestellen in Krankenhäusern gefordert. „Damit Pflegekräfte......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige