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Medizin

Tamoxifen und Co.: Meta-Analyse bestätigt Brust­krebs-Prävention

Mittwoch, 8. Mai 2013

dpa

London – Selektive Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) wie Tamoxifen oder Raloxifen können einem Brustkrebs vorbeugen. Eine von der britischen Stiftung Cancer Research UK beauftragte Meta-Analyse bestätigt die bekannte chemopräventive Wirkung, die einer Publikation im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60140-3) zufolge jedoch mit der Dauer der Therapie abnimmt. Eine Senkung der brustkrebs-spezifischen oder Gesamt­sterblichkeit war nicht nachweisbar. Das National Institute for Health and Care Excellence will die Chemoprävention Frauen mit familiärem Risiko nahelegen.

Die chemopräventive Wirkung von Tamoxifen wurde erstmals in den 1980er Jahren entdeckt, als Patienten in Studien zur adjuvanten Hormontherapie seltener an einem kontralateralen Mammakarzinom erkrankten, wenn sie das „Anti-Östrogen“ einge­nommen hatten. Die Wirkung ist biologisch plausibel und durch Studien belegt. Seit 1998 ist Tamoxifen bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko offiziell zur Chemo­prävention des Mammakarzinoms zugelassen, seit 2007 gilt dies auch für Raloxifen.

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In Großbritannien und Deutschland gibt es keine Zulassung. Die Anwendung von Tamoxifen ist auf die Hormonbehandlung beim Mammakarzinom beschränkt. Raloxifen wird zur Behandlung der Osteoporose angeboten. Lasofoxifen, das ebenfalls eine brustkrebspräventive Wirkung hat, war ebenfalls zur Osteoporose zugelassen, wurde aber vom Hersteller mangels wirtschaftlicher Chancen gar nicht erst eingeführt. Ein viertes SERM Arzoxifen befindet sich noch in der klinischen Prüfung.

Jack Cuzick vom Wolfson Institute of Preventive Medicine in London hat die Daten zu allen vier SERM in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Auf der Basis von 83.399 Frauen, die im Mittel über 65 Monate behandelt wurden, errechnet Cuzick eine Reduktion der Brustkrebsinzidenz um 38 Prozent (Hazard Ratio HR 0,62; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56–0,69).

In den ersten 5 Jahren wurde die Inzidenz sogar um 42 Prozent gesenkt (HR 0,58; 0,51–0,66), in den folgenden fünf Jahren betrug die Reduktion noch 25 Prozent (HR 0,75; 0,61–0,93). Einen Einfluss auf die Brustkrebs- oder Gesamtsterblichkeit konnte Cuzick nicht nachweisen, was mit den heute sehr guten Behandlungsergebnissen im Frühstadium des Mammakarzinom zusammenhängen könnte.

Die Chemotherapieprävention mit SERM ist sehr effektiv. Die Number Needed to Treat beträgt 42 Frauen, die ein SERM einnehmen müssten, um einer von ihnen im Zeitraum von 10 Jahren eine Brustkrebserkrankung zu ersparen. Damit wären SERM in der Brustkrebsvorbeugung doppelt so effektiv wie Statine in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der Editorialist Anthony Howell vom University Hospital of South Manchester anmerkt.

Sie hätten zudem einen Zusatznutzen, da sie der Entwicklung einer Osteoporose bei postmenopausalen Frauen entgegenwirken. Dass SERM dennoch selten zur Prävention eingesetzt werden, dürfte an den unangenehmen Nebenwirkungen (die Cuzick nicht thematisiert) und an den Komplikationen liegen.

Cuzick ermittelt für Tamoxifen einen Anstieg der thromboembolischen Komplikationen um 60 Prozent (OR 1,60; 1,21-2,12), unter Raloxifen stieg die Rate um 45 Prozent (OR 1,45; 1,18-1,76). Unter Arzoxifen (OR 2,55, 1,45-4,47) und Lasofoxifen (OR 2,38; 1,43-3,97) war das Risiko sogar noch höher.

Die Einnahme von Tamoxifen ging auch mit einer erhöhten Rate von Endome­trium­karzinomen einher (OR 2,18: 1,39-3,42), während Raloxifen hier unbedenklich zu sein scheint (OR 1,09; 0,74-1,62). Tamoxifen würde sich demnach für hysterektomierte Frauen anbieten, während Howell Raloxifen bei Frauen mit Uterus bevorzugen würde. Für die beiden anderen SERM ist die Datenlage zu dieser Frage noch unklar.

Während die Hersteller wenig Interesse zeigen, in Europa eine Zulassung für die Chemo­prävention zu erhalten (Tamoxifen ist längst ein Generikum), ist in England jüngst das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) initiativ geworden. Im März wurde der Entwurf einer Leitlinie vorgestellt, die post-menopausalen Frauen zur Einnahme von Tamoxifen oder Raloxifen über 5 Jahren rät, wenn ihr familiäres Brustkrebsrisiko erhöht ist und ihre Eigenanamnese keine thromboembolischen Erkrankungen oder ein Endometriumkarzinom aufweist. © rme/aerzteblatt.de

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