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Politik

Bahr fordert Aufklärung über Medikamententests in der DDR

Dienstag, 14. Mai 2013

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) hat Aufklärung über Medika­mententests westdeutscher Pharmakonzerne an DDR-Bürgern gefordert. „Ich begrüße, dass das für die Aufarbeitung von DDR-Unrecht zuständige Bundesinnenminsterium die Aufklärung unterstützen will”, sagte er am Dienstag Spiegel Online. Wie diese Unter­stützung aussehen wird, steht dem Innenministerium zufolge allerdings noch nicht fest.

Das Innenressort prüfe derzeit eine finanzielle Beteiligung an einem Forschungsprojekt der Berliner Charité zu den Medikamententests an DDR-Patienten, sagte am Dienstag ein Ministeriumssprecher. „Wir haben ein Interesse daran, dass das aufgeklärt wird”, sagte er. Das Innenministerium werde allerdings aber nicht der zentrale Finanzierer des Forschungsprojekts sein können.

Bahr forderte, dass sich auch westdeutsche Pharmakonzerne an der Aufklärung beteiligten. „Ich fordere die Pharmaindustrie auf, diesen Prozess nach Kräften zu unterstützen und zur Transparenz beizutragen”, sagte der Minister. Sein Ministerium selbst besitze keine Daten über klinische Studien in der DDR.

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Die thüringische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Heike Taubert (SPD) rief dazu auf, nicht allein Arzneimittelhersteller unter die Lupe zu nehmen: Es sei mindestens genauso wichtig, zu untersuchen, was in den Patientenunterlagen stehe. Nur so könne man an Betroffene herankommen und herausbekommen, ob die Patienten von den Tests gewusst hätten. Sie sei daher froh, dass sich das Universitätsklinikum in Jena zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe bereiterklärt habe. „Das Verwerfliche an der Sache ist, dass die DDR die Leute verkauft hat, für Devisen“, sagte Taubert.   

Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, betonte, die Vorgänge zeigten, „wie die Verantwortlichen im Unrechtsstaat DDR hinterm Westgeld her waren und von daher keine moralischen Skrupel kannten“. Kapitalistische Unternehmen hätten das für ihre finanziellen Zwecke ausgenutzt, sagte Wagner der „Berliner Zeitung“ vom Dienstag. In eindeutigen Fällen müssten die Pharma-Firmen Betroffene entschädigen, „bis zu einem einmaligen Schmerzensgeld“.  

Nach einem Bericht des Spiegel wurden im Auftrag von Pharmaunternehmen aus dem Westen in mehr als 50 DDR-Kliniken Arzneimittel getestet - oft ohne Wissen der Betroffenen. Das Magazin beruft sich auf bislang unbekannte Akten etwa der Stasi und des DDR-Ge­sund­heits­mi­nis­teriums. West-Pharmahersteller gaben demnach mehr als 600 Arzneimittelversuche an Zehntausenden Patienten in Auftrag. Dabei kam es dem Bericht zufolge zu zahlreichen Todesfällen. Die Berliner Charité hatte gestern ein Forschungsprojekt angekündigt, um die Vorgänge aufzuklären. © dpa/aerzteblatt.de

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