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Medizin

Diarrhö: Vier tödliche Krankheitserreger im Kleinkindalter

Dienstag, 14. Mai 2013

Humane Rotaviren /wikipedia

Baltimore – Rotaviren, Cryptosporidium, Shigellen und enterotoxische E. coli sind für die meisten der schätzungsweise 800.000 Todesfälle verantwortlich, zu denen es jedes Jahr in ärmeren Ländern Asiens und Afrikas infolge von Durchfallerkrankungen in den ersten 5 Lebensjahren kommt. Dies ergab jetzt eine Fall-Kontroll-Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60844-2).

Für die „Global Enteric Multicenter Study“ GEMS hatten Ärzte zwischen Dezember 2007 und März 2011 zahlreiche Krankenhäuser oder Gesundheitszentren in Afrika (Kenia, Mali, Mozambique, Gambia) und Asien (Bangladesh, Indien, Pakistan) aufgesucht. Ausgewählt wurden Orte, in denen Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern besonders häufig sind. Die Mediziner untersuchten mehr als 60.000 Kinder im Alter von 0 bis 59 Monaten.

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Darunter waren 9.439 Kinder, die an einer akuten Diarrhö litten und bei denen eingesunkene Augen, ein Verlust des Hauttugors, die Notwendigkeit einer intravenösen Hydration einen mittelschweren bis schweren Verlauf anzeigten. Von allen Kindern wurden Stuhlproben entnommen und auf mögliche Krankheitskeime hin untersucht. Den Erkrankten wurden jeweils ein bis drei Kontrollen gegenübergestellt, bei denen ebenfalls Stuhluntersuchungen durchgeführt wurden.

Bei 81 Prozent der Durchfallpatienten (aber auch 69 Prozent der Kontrollen) wurden Krankheitserreger nachgewiesen. Insgesamt 41 Prozent der Durchfallpatienten (und 28 Prozent der Kontrollen) hatten zwei oder mehr Erreger im Darm. Wie erwartet, waren Rotaviren an allen Orten der häufigste Krankheitskeim.

Er war vor allem bei Kindern im ersten Lebensjahr für Durchfallerkrankungen verantwortlich, berichten Karen Kotloff von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter. Dies ist auch eine gute Nachricht, da es Impfstoffe gegen Rotaviren gibt und diese demnächst auch in Ländern mit dem höchsten Sterberisiko verfügbar gemacht werden sollen.

Der zweithäufigste Erreger war eine echte Überraschung: Cryptosporidium ist ein einzelliger Parasit, der zwar als Durchfallerreger bekannt ist. Die Erkrankungen verlaufen allerdings in der Regel milde und heilen von selbst aus. Bei Kindern in Entwicklungsländern, die oft unterernährt sind und über keine Reserven verfügen, kommt es aber offenbar doch häufig zu einer schweren Erkrankung. Shigellen, die vor allem im zweiten Lebensjahr auftreten, und enterotoxigene E. coli (insbesondere ST-ETEC) sind dagegen bekannte Durchfallerreger.

Zu den Stärken der von der von Bill & Melinda Gates Foundation gesponserten Studie gehört, dass sich die Untersucher bei der Prognose nicht auf die Angaben der Kliniken verließen, sondern alle Haushalte nach 60 Tagen aufsuchten, um die Kinder zu untersuchen. Sie mussten dann erfahren, dass auch nach der Entlassung aus der Klinik noch viele Kinder gestorben waren.

Die Sterberate war sehr unterschiedlich. In Kalkutta in Indien waren „nur“ 0,13 Prozent der Kinder verstorben, in Manhiça in Mosambik waren es dagegen 7,5 Prozent. Die durchschnittliche Sterberate betrug 2,0 Prozent. In allen sieben Regionen war die Sterberate signifikant höher als bei den Kontrollen. Kotloff ermittelt Odds Ratios zwischen 2,6 in Kalkutta und 12,4 in Manhiça (Gesamtdurchschnitt 8,5), was auf einen unterschiedlichen wirtschaftlichen Hintergrund und gesundheitlichen Versorgungsgrad in den Ländern zurückzuführen sein dürfte.

Denn Kinder mit Durchfallerkrankungen sterben in der Regel nicht an der Infektion und wohl auch nicht (nur) an den fehlenden Medikamenten. Entscheidend ist der Ernährungszustand der Kinder. In Europa oder Nordamerika wäre vermutlich keines der Kinder gestorben. © rme/aerzteblatt.de

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