Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Ethik­rats-Vorsitzende kritisiert Angelina Jolie

Mittwoch, 15. Mai 2013

Berlin – Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, beurteilt den öffentlichen Umgang der US-Schauspielerin Angelina Jolie mit ihrer präventiven Brustamputation skeptisch. Die „missionarische Absicht“ Jolies bezeichnete Woopen heute bei DeutschlandRadio Kultur als schwierig. Jolie hatte gestern publik gemacht, dass sie sich wegen eines erhöhten Krebsrisikos beide Brüste hatte abnehmen lassen.

„Ich halte nichts davon, es jedermann als die einzig richtige Lösung zu propagieren“, sagte Woopen. Der radikale Schritt Jolies sei nicht für jede Frau die richtige Wahl. Es gelte, zugleich auch auf die Rolle von regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam zu machen und Gentests, die ein erhöhtes Krebsrisiko diagnostizierten, richtig einzuordnen, mahnte die Medizinethikern. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass „alles, was in den Genen steht“, auch tatsächlich schon ein „festgeschriebenes Schicksal“ sei. Woopen warnte zugleich vor dem Glauben, nur ein gesundes Leben sei ein sinnvolles Leben.

Vorsorgliche bilaterale Mastektomie: Individuelle Entscheidung

Köln – Die US-Schauspielerin Angelina Jolie hat sich vorsorglich beide Brustdrüsen amputieren lassen, weil sie aufgrund einer genetischen Disposition ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Mamma- und/oder Ovarialkarzinoms hat. Damit gehört sie zu den Frauen, die Mutationen der hochpenetranten Gene BRCA1 und/oder BRCA2 aufweisen.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, wollte sich zu dem Fall der US-Schauspielerin nicht äußern. Er verwies aber vor Journalisten in Berlin allgemein darauf, dass das deutsche Gendiagnostikgesetz die Möglichkeit solcher Tests vorsehe. Wenn dann eindeutig ein Krebsrisiko vorhanden sei, liege es nach entsprechender Aufklärung durch den Arzt in der Entscheidung der Frau, sich für Vorsorgeuntersuchungen oder eine Operation zu entscheiden.

Jolies Chirurgin Kristi Funk äußerte die Hoffnung, dass „die Aufmerksamkeit, die sie rund um die Welt erregt, unzählige Leben retten wird“. „Jeden Tag sterben Frauen an Brust- und Eierstockkrebs“, schrieb die Gründerin der ausführenden Klinik in Los Angeles auf ihrer Webseite. Dabei könnten „Aufklärung und Handeln den vorzeitigen Verlust unserer Lieben verhindern“. Auch sie lobte Jolies Mut und Kraft: Wenige Tage nach der OP habe ihre Patienten schon wieder an ihrem nächsten Regieprojekt gearbeitet.  

Die Sprecherin der Krebsstiftung Livestrong, Katherine McLane, sagte, sie hoffe, Jolies Erfahrungen würden auch zu Diskussionen über „bezahlbare Gesundheitsfürsorge für alle Frauen“ führen. Beispielsweise kosten die Tests, mit denen die Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2 ausfindig gemacht werden können, mehr als 3.000 Dollar (2.300 Euro), weil das US-Labor ein umstrittenes Patent darauf hält.

Mehrere Spezialisten der Memorial Sloan Kettering Krebsklinik in New York fürchten, dass Jolies Offenheit andere Frauen ohne Defekt der Brustkrebsgene BRCA1 oder BRCA2 zur Brustamputation verleiten könnte. „Es ist wichtig zu sehen, dass BRCA-Mutationen eine Ausnahme mit hohem Risiko sind“, sagte die Chefin der Brustkrebsabteilung an dem Krankenhaus, Monica Morrow. Ihren Angaben nach haben nur wenige Frauen diese Erbanlage. Laut Morrows Kollegen Kenneth Offit, dem Leiter der Klinischen Genetik bei Memorial Sloan Kettering, entscheiden sich auch nur 30 Prozent der Betroffenen für die prophylaktische Brustamputation. © kna/dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.05.17
Brustkrebs: G-BA sieht bislang keinen Zusatznutzen von Palbociclib
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat auf der Grundlage der bisherigen Studienergebnisse für den Wirkstoff Palbociclib zur Behandlung von Frauen mit hormonsensiblem, metastasiertem......
12.05.17
Brustkrebs: Tai Chi lindert therapiebedingte Schlafstörungen
Los Angeles – Tai Chi, eine chinesische Variante der Gymnastik mit langsamen meditativen Bewegungen, hat in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Oncology (2017; doi:......
08.05.17
Barcelona – Ein Genfehler, der den Knochenstoffwechsel stört, erhöht das Risiko, unter einer Behandlung mit Bisphosphonaten eine atypische Femurfraktur zu erleiden. Dies zeigen die Ergebnisse einer......
26.04.17
Berlin – Wissenschaftler, Ärzte und Bürgerrechtsorganisationen protestieren gegen Pläne der Politik, erweiterte DNA-Analysen in der Forensik in Deutschland gesetzlich möglich zu machen. An dem Protest......
24.04.17
Kardiologie: Was Gentests leisten können
Mannheim/Münster – Genanalysen können bei seltenen kardiologischen Störungen neue Therapiemöglichkeiten eröffnen, berichten Experten auf der 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie......
21.04.17
Brustkrebs: Bundes­aus­schuss aktualisiert Disease-Manage­ment-Programm
Berlin – Der Gemeinsame Bundessausschuss (G-BA) hat das Disease-Management-Programm (DMP) zum Brustkrebs einstimmig aktualisiert. Dabei werden vor allem neuste medizinische Erkenntnisse für die......
04.04.17
Bedingungen für personalisierte Medizin verbesserungswürdig
Berlin – Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Forum Gesundheitsforschung empfiehlt eine deutschlandweite strategisch geplante Infrastruktur für die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige