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Medizin

ICD: Zweikammersysteme mit höherer Komplikationsrate

Mittwoch, 15. Mai 2013

Denver – Kardiologen bevorzugen bei der Implantation eines automatischen Defibrilla­tors immer häufiger sogenannte Zweikammer-ICDs auch dann, wenn dies nicht zwingend notwendig ist. Eine bessere Funktion der neuen Gerätegeneration war in einer Analyse eines US-Patienten-Registers im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 2025-2034) jedoch nicht erkennbar – wohl aber eine erhöhte Komplikationsrate nach der Implantation.

Die ersten implantierbaren Kardioverter/Defibrillatoren (ICD) waren Einkammersysteme. Dabei erfolgte sowohl die Detektion der ventrikulären Arrhythmie als auch die Applikation des rettenden Impulses über die gleiche Elektrode in der rechten Herzkammer. Später wurden Zweikammer-ICD eingeführt, bei denen eine zusätzliche Elektrode im rechten Vorhof platziert wird.

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Sinnvoll sind Zweikammer-ICDs, wenn neben der Defi- eine Schrittmacherfunktion erwünscht ist. Ansonsten sind die Vorteile einer besseren Detektion der Arrhythmien und einer geringen Rate von unangemessenen Aktionen spekulativer Natur. Die neuen Geräte wurden als Verbesserungen der Einkammersysteme eingeführt und deshalb keinen erneuten klinischen Studien unterzogen.

Patientenregister wie das National Cardiovascular Data Registry des American College of Cardiology bieten jedoch retrospektiv die Möglichkeit, die vermeintliche Innovation zu bewerten. Bei ihrer Analyse von 32.034 ICD-Implantationen kommen Pamela Peterson vom Denver Health Medical Center und Mitarbeiter jetzt zu dem Ergebnis, dass die neuen Geräte die Einjahressterblichkeit nicht signifikant (auf 9,77 Prozent gegenüber 9,85 Prozent bei Einkammersystemen) senken.

Die Zahl der Hospitalisierungen war im ersten Jahr mit 44,83 Prozent versus 44,86 Prozent gleich, und der Anteil der Patienten, die wegen einer Herzinsuffizienz im Krankenhaus behandelt werden mussten, war mit 15,38 versus 14,73 Prozent sogar tendenziell höher.

Hinzu kommt, dass die Implantation der neuen Zweikammersysteme, da sie schwieriger ist, häufiger mit Komplikationen verbunden ist. Peterson kann zeigen, dass es häufiger zum Pneumothorax, zu Hämatomen und Herztamponaden kommt. Auch Infektionen und mechanische Komplikationen, die eine Neueinstellung oder einen Austausch erforderlich machten, waren häufiger. Insgesamt steigerte die Entscheidung für ein (medizinisch nicht notwendiges) Zweikammersystem das Komplikationsrisiko signifikant von 3,51 auf 4,72 Prozent.

Da die Zweikammersysteme teurer sind und die Implantation in der Regel länger dauert, rät Peterson den Kardiologen die Entscheidung für diese Variante sorgfältig zu überlegen. © rme/aerzteblatt.de

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