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Medizin

Melanom: Neue Immunmedikamente beeindrucken vor ASCO-Tagung

Donnerstag, 16. Mai 2013

Mikroskopische Aufnahme eines T-Zell-Areals eines Lymphknotens dpa

New York/New Haven – Die Krebstherapie setzt zunehmend auf die Mitarbeit des Immunsystems. Als viel versprechender neuer Angriffspunkt erweist sich der Rezeptor PD-1, dessen Ausschaltung die Tumorabwehr durch T-Zellen verstärkt. Die American Society of Clinical Oncology machte im Vorfeld der diesjährigen Tagung auf die Ergebnisse zu zwei neuen Wirkstoffen aufmerksam, die in Phase-I-Studien beachtliche Wirkungen erzielten.

Der Rezeptor PD-1 (für „Programmed cell death protein 1“) ist in die Immunregulation eingebunden. Die Stimulation durch die Liganden PD-L1 und L2 hemmt die Aktivität von T-Zellen. Das Ergebnis ist eine immunsuppressive Wirkung. Physiologischerweise könnte dies die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verhindern. Die PD-1-Blockade hemmt aber auch die körpereigene Krebsabwehr. PD-1 und seine Liganden sind deshalb Ansatzpunkte neuer Krebsmedikamente, die die „Immunbremse“ lösen sollen.

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Zu den am weitesten entwickelten Wirkstoffen gehört der monoklonale Antikörper Nivolumab (BMS 936558), der den PD-1-Rezeptor blockiert. Erste klinische Ergebnisse waren bereits im letzten Jahr auf der ASCO-Tagung in Chicago vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2012; 366:2443-2454 und 2455-2465) publiziert worden. Nivolumab erzielte bei einer Reihe von soliden Tumoren auch nach Versagen anderer Medikamente eine beachtliche Wirkung, darunter auch beim Melanom.

Bei diesem Hauttumor, der eine besonders ungünstige Prognose hat, wurde Nivolumab jetzt mit einem weiteren immunmodulatorischen Wirkstoff kombiniert. Ipilimumab, das seit 2011 als Yervoy zur Behandlung des metastasierten malignen Melanoms zugelassen ist, blockiert ebenfalls einen immunmodulatorischen Rezeptor (Cytotoxic T-Lymphocyte Antigen-4), weshalb sich eine Kombination anbot.

Die jetzt von der ASCO mitgeteilten Ergebnisse einer Phase-I-Studie zeigen eine deutliche synergistische Wirkung von Nivolumab und Ipilimumab. Obwohl alle Patienten bereits bis zu drei verschiedene Therapien erhalten hatten, wurde bei 14 von 37 Patienten eine Remission erzielt. Bei elf Patienten wurde die Tumorlast um mindestens 80 Prozent gesenkt, bei vier dieser Patienten waren mit bildgebenden Verfahren keine Tumorzellen mehr nachweisbar. Dies ist sicherlich nicht gleichbedeutend mit einer Heilung, es könnte aber die Überlebenszeiten bei einer der bösartigsten Krebsarten verlängern.

Überraschend war für Studienleiter Jedd Wolchok vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York der rasche Wirkungseintritt für eine Immuntherapie. Bei den meisten Patienten schrumpften die Tumoren innerhalb der ersten drei Monate, schneller als dies erfahrungsgemäß unter einer Monotherapie mit Ipilimumab der Fall ist.

Die Verträglichkeit der Kombination ist zwar nicht unproblematisch. Mehr als die Hälfte der Patienten entwickelte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4, darunter waren Uveitis/Choroiditis, Colitis und reversible Laborveränderungen (Lipaseanstieg). Wolchok hält die Nebenwirkungen aber für beherrschbar. Bristol-Myers Squibb, der Hersteller beider Wirkstoffe, kündigte noch für diesen Sommer den Beginn einer klinischen Phase-III-Studie an, die Voraussetzung für eine Zulassung ist.

Einen ähnlichen Wirkungsansatz wie Nivolumab hat MPDL3280A von Genentech/Roche. Der Antikörper neutralisiert den Liganden PD-L1, was ebenfalls eine Aktivierung des Rezeptors PD-1 verhindert. MPDL3280A wurde in einer Phase-I-Studie an 140 Patienten mit unterschiedlichen soliden Tumoren getestet.

Wie Roy Herbst von der Yale Universität in New Haven berichtet, kam es bei 29 Patienten (21 Prozent) zu einer signifikanten Reduktion der Tumormasse. Besonders gute Ergebnisse seien beim Lungenkrebs und beim Melanom erzielt worden. Auch Herbst berichtet über ein ungewöhnlich frühes Ansprechen. Wie bei Nivolumab scheint aber eine Monotherapie nicht auszureichen.

Ob sich aus den beiden Wirkstoffen neue therapeutische Perspektiven ergeben werden, lässt sich derzeit nicht vorhersagen, auch wenn die US-Börse auf die Veröffentlichung der Nivolumab positiv reagierte. Die Kurse schnellten bezeichnenderweise schon nach der Ankündigung einer Pressemitteilung nach oben, bevor die Börsianer den Inhalt kannten. © rme/aerzteblatt.de

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