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Internationaler Protest gegen Logik des Impact Factors

Dienstag, 21. Mai 2013

San Francisco – Wissenschaftler, Redakteure und Herausgeber von wissenschaftlichen Journalen haben in einer Declaration on Research Assessment (DORA) gegen die Bedeutung des Journal Impact Factors (JIF) protestiert. Die Anwendung des JIF führe zu Verzerrungen der Art, wie Forschung durchgeführt, veröffentlicht und finanziell gefördert werde. Beurteiler sollten die Relevanz von Forschungsbeiträgen anhand der Inhalte jeweils selbstständig einschätzen und nicht anhand des JIF des veröffentlichenden Journals, meinen die Urheber und Unterzeichner der Deklaration.

Journal Impact Factor
Eugene Garfield entwickelte den JIF in den frühen 50er Jahren als bibliografisches Mittel, um auszuwählen, welche Journals für akademische Büchereien angeschafft werden sollen und nicht als Hilfsmittel zur Einschätzung der Relevanz wissenschaftlicher Forschung. Thomson Reuters berechnet den JIF jährlich anhand der Häufigkeit, mit der andere Wissenschaftler Artikel aus dem entsprechenden Journal zitiert haben.

Defizite des Impact Factors

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Die DORA zitiert Studien zu folgenden Defiziten des JIF:

  • Es gibt eine Schieflage zwischen vielfach zitierten und kaum zitierten Artikeln innerhalb eines Journals. Dennoch haben alle den gleichen JIF.
  • Die Eigenschaften des JIF sind fachgebietsabhängig. Beispielsweise wird in der Molekularbiologie viel mehr zitiert als in den Sozialwissenschaften.
  • In einem Journal findet sich eine Mischung von verschiedenen Typen von Artikeln, unter anderem Originalarbeiten und Reviews. Dabei werden Reviews üblicherweise häufiger zitiert.
  • Herausgeberpolitik kann den JIF manipulieren. Beispielsweise, weil Referenzen zu Editorials oder Letters im Zähler als Zitat gezählt werden, nicht aber im Nenner als Artikel. So haben Zeitschriften mit vielen Letters oder Conference Proceedings einen höheren Impact Faktor.
  • Die Daten, aus denen der JIF berechnet wird, sind weder transparent noch der Öffentlichkeit zugänglich.

„Do not use journal-based metrics, such as Journal Impact Factors, as a surrogate measure of the quality of individual research articles, to assess an individual scientist`s contributions, or in hiring, promotion, or funding decisions”, lautet die erste von 18 Empfehlungen der Deklaration. Sie richten sich an alle Beteiligten des Wissen­schafts­betriebes und rufen zu weitreichenden Veränderungen auf. Dieser Prozess habe bei vielen Institutionen und Forschern bereits begonnen.

Deklaration
Die Deklaration haben bisher mehr als 150 Wissenschaftler und 75 Wissenschafts­organisationen unterzeichnet, so die American Association for the Advancement of Science, die British Society for Cell Biology, der Wellcome Trust, das Howard Hughes Medical Institute, die EMBO, das European Molecular Biology Laboratory und andere.

Zeitgleich mit der DORA sind Editorials von Unterstützern in relevanten Journals weltweit zu dem Thema erschienen, so unter anderem in Science, Molecular Biology of the Cell, EMBO Journal, eLife, Journal of Cell Science und Traffic. © hil/aerzteblatt.de

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