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Politik

Kliniken im Nordosten: Gemeinsames Projekt gegen MRSA

Dienstag, 21. Mai 2013

dpa

Schwerin/Greifswald – Der Methicilin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) bereitet in deutschen Krankenhäusern zunehmend Probleme. An der Ostseeküste wollen Kliniken und eine Krankenkasse jetzt gemeinsam gegen den Erreger vorgehen, der gegen viele oder alle Antibiotika resistent ist. Schätzungen zufolge infizieren sich im Jahr 400.000 bis 600.000 Menschen mit solchen Keimen, 10.000 bis 15.000 Menschen sterben daran. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Infektionen nicht vollständig meldepflichtig sind, wie Steffen Fleßa vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheits­management der Universität Greifswald bei einer Veranstaltung in Schwerin kritisierte.

MRSA-Keime lassen sich immer schwerer bekämpfen – eine Folge des zu häufigen Antibiotika-Einsatzes in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren, wie Alex W. Friedrich vom Universitätsklinikum Groningen meint. In den Niederlanden würden Antibiotika viel seltener verschrieben. „Die Infektionsrate mit multiresistenten Erregern ist zehn Mal niedriger als in Deutschland“, sagt Friedrich.

Deutsche sind in den Niederlanden Risikopatienten
MRSA-Keime lassen sich immer schwerer bekämpfen – eine Folge des zu häufigen Antibiotika-Einsatzes in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren, wie Alex W. Friedrich vom Universitätsklinikum Groningen meint. In den Niederlanden würden Antibiotika viel seltener verschrieben. „Die Infektionsrate mit multiresistenten Erregern ist zehn Mal niedriger als in Deutschland“, sagt Friedrich.

Risikopatienten in den Niederlanden – dazu gehören Deutsche – würden bei der Aufnahme in Krankenhäuser generell auf den Erreger MRSA untersucht – egal, aus welchem Grund sie eingeliefert werden.

Fällt der Test positiv aus, wird der Patient isoliert und behandelt, so dass der Keim aus dem Nasen- und Rachenraum nicht auf andere Menschen oder bei einer Operation in eigene Wunden übertragen werden kann. Anfällig für Infektionen sind vor allem alte und geschwächte Menschen. In Deutschland gibt es diese generelle Aufnahmeuntersuchung nicht.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich mehrere Krankenhäuser, darunter die Universitätskliniken Greifswald und Rostock, sowie die Techniker Krankenkasse (TK) zu einem Aktionsbündnis gegen den Erreger zusammengeschlossen. Innerhalb des Projektes Hicare (Health, Innovative Care and Regional Economy) startet Mitte des Jahres ein erster Versorgungsvertrag zur Bekämpfung multiresistenter Keime zwischen Krankenhäusern und der TK. Vorgesehen sind eine Aufnahmeuntersuchung von Risikopatienten, die Isolierung von Infizierten auf den Stationen und die Behandlung der Patienten.

Hygienepersonal fehlt
„Der zentrale Ansatzpunkt ist das Personal“, sagt Fleßa. Dem Leiter der TK in Mecklenburg-Vorpommern, Volker Möws, zufolge, ist im Land nur in drei von 32 Krankenhäusern der Bedarf an Hygienefachpersonal gedeckt. Während in den Niederlanden laut Friedrich jedes Krankenhaus einen oder mehrere Hygieneärzte beschäftigt, trifft das in Deutschland nur auf Häuser mit mindestens 400 Betten zu. „Das sind in Mecklenburg-Vorpommern nur sechs“, gibt Fleßa zu bedenken. Kleinere Häuser könnten sich etwa einen Hygienearzt teilen, schlug er vor. Es müssten aber auch dringend mehr Hygieneärzte und -fachkräfte ausgebildet werden.

Meldepflicht gefordert
Des Weiteren fordert Fleßa eine Meldepflicht für alle multiresistenten Erreger sowie die Finanzierung der Behandlung der Infektionen durch die Krankenkassen. Bisher könnten Krankenhäuser nicht unbedingt ein Interesse haben zu erfahren, ob ein Patient den Erreger in sich trägt. „Wenn ein Patient nicht operiert wird, ist der MRSA auch nicht ausschlaggebend“, erläutert er. Das Isolieren koste Geld, die Finanzierung sei für das Krankenhaus nicht immer geklärt. Auch die Finanzierung einer Nachbehandlung durch niedergelassene Ärzte sei in Deutschland nicht gesichert.

Die Aufnahmeuntersuchungen kosten ebenfalls, sie seien aber billiger als die Behandlung infizierter Patienten. Nach Fleßas Rechnung kostet die Behandlung eines Infizierten rund 17.000 Euro mehr als die eines Nichtinfizierten mit gleichem Krankheitsbild. „Vom persönlichen Leid ganz abgesehen – es könnten volkswirtschaftlich ungeheure Ressourcen eingespart werden, wenn man das Problem rechtzeitig erkennen würde“, sagt der Professor.

© dpa/aerzteblatt.de

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