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Medizin

Schwangerschaft: Schon leichter Jodmangel senkt IQ der Kinder

Mittwoch, 22. Mai 2013

dpa

Guildford/England. Eine leichter Jodmangel, der in der Schwangerschaft keine Seltenheit ist, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60436-5) mit einem niedrigeren IQ der Kinder und schlechteren Leistungen in Lesetests im Grundschulalter verbunden.

Ein intrauteriner Jodmangel ist eine bekannte Ursache für neuropsychiatrische Entwicklungsstörungen. Der klassische Kretinismus ist zwar lange überwunden, ein relativer Jodmangel ist jedoch verbreitet. Die mediane Jodidausscheidung betrug in Deutschland in einer stichprobenartigen Studie aus dem Jahr 2005 132 µg/l. Sie liegt damit unter dem von der Welt­gesund­heits­organi­sation empfohlenen Optimum von 150 bis 249 µg/l. Schwangere sind häufiger unterversorgt, da der Jodbedarf infolge der vermehrten Produktion von Schilddrüsenhormonen erhöht ist.

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Die 1.040 Schwangeren, deren Urin das Team um Margaret Rayman von der University of Surrey in Guildford untersuchen ließ, hatten eine mediane Jodkonzentration von 91,1 µg/l im Urin, was einem Jod/Kreatininquotienten von 110 µg/g entsprach. Die Kinder der Schwangeren hatten im Rahmen der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) im Alter von 8 Jahren an einem Intelligenztest teilgenommen. Im Alter von 9 Jahren folgten Lesetests.

Die Testergebnisse der Kinder waren laut Rayman negativ mit der Jod-Versorgung der Schwangeren assoziiert: Die Kinder von Müttern mit einer Jodurie von weniger als 150 µg/l fanden sich zu 58 Prozent häufiger im Viertel der Kinder mit dem niedrigsten verbalen IQ. Ein schlechtes Ergebnis im Vorlesetest war zu 69 Prozent und ein schlech­tes Sprachverständnis zu 54 Prozent häufiger.

Alle Odds Ratios waren signifikant und dank den ausführlichen Untersuchungen im ALSPAC konnte das Team eine Vielzahl von anderen möglichen Erklärungen ausschließen. Das Team dokumentiert zudem eine Dosis-Wirkung-Beziehung, die eine mögliche Kausalität weiter unterstreicht – die sich allerdings in Beobachtungsstudien niemals zweifelsfrei nachweisen lässt.

In einer früheren Auswertung der ALSPAC-Daten hatten die Forscher bereits auf eine Korrelation der kognitiven Leistungen mit dem Verzehr von Seefischen der Mütter hingewiesen. Sie hatten zunächst eine protektive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren vermutet. Plausibler erscheint jetzt die hohe Konzentration von Jod in Seefischen.

Die British Dietetic Association rät Schwangeren anlässlich der Studie, auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten. Der Bedarf betrage während der Schwangerschaft und Stillzeit 250 µg/die, andere Erwachsene benötigen nur 150 µg/die. © rme/aerzteblatt.de

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