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Medizin

Influenza: Universale Nanovakzine rückt näher

Donnerstag, 23. Mai 2013

Bethesda – US-Forscher haben den Grippe-Impfstoff miniaturisiert. Ihre „Nanovakzine“ erzielte in ersten tierexperimentellen Studien in Nature (2013; doi: 10.1038/nature­122022013) nicht nur eine deutlich stärkere Schutzwirkung als konventionelle Impfstoffe, es wurde auch ein breiteres Spektrum von Viren erfasst. Damit ist ein erster Schritt zu einem universelleren Impfstoff mit kürzeren Produktionszeiten gelungen.

Die heutigen Impfstoffe werden in befruchteten Hühnerembryonen oder im Fall von Optaflu in Zelllinien hergestellt. Es handelt sich um inaktivierte oder abgetötete „Spalt“-Viren, die neben den Hämagglutinin-Molekülen, die eine Immunantwort induzieren sollen, eine Vielzahl anderer für die Impfung unnötiger Bestandteile enthalten.

Der Impfstoff, den Masaru Kanekiyo vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda/Maryland in Kooperation mit dem Hersteller Sanofi entworfen hat, besteht lediglich aus einem Kern, in dem sich mehrere Ferritin-Moleküle zu einem Nanopartikel verbunden haben. Damit verknüpft sind exakt acht Hämagglutinin-Moleküle.

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Stärkere Immunantwort möglich
Der rein synthetische Impfstoff kann relativ schnell hergestellt werden. Es werden weder bebrütete Hühnereier noch Zelllinien benötigt. Da die Hämagglutinin-Moleküle nicht von anderen Bestandteilen des Impfstoffs verdeckt werden, ist eine stärkere Immunantwort möglich. Wie das Team jetzt berichtet, wurde bei Mäusen bereits nach einer Dosis eine 34-fach stärkere Immunantwort erzielt als nach der zweimaligen Gabe eines konven­tionellen Impfstoffs. Bei Frettchen war die Immunantwort zehnmal stärker. Dabei kommt die synthetische Vakzine ganz ohne Adjuvans aus.

Die gebildeten Antikörper erkannten zudem eine größere Bandbreite von Influenza-Viren. Kanekiyo führt dies auf die Konstruktion des synthetischen Virus zurück, die dem Immunsystem nicht nur die variablen Anteile an der Spitze des Hämagglutinin-Moleküls präsentiert.

Diese können von Jahr zu Jahr variieren und machen deshalb eine ständige Anpassung des Impfstoffs erforderlich. Durch die luftigere Platzierung der Hämagglutinin-Moleküle am Ferritin-Kern würde das Immunsystem weitere Antigene am Stamm und Kopf des Hämagglutinin-Moleküls erkennen. Darunter einige Superantigene, die als Ansatzpunkte für einen Impfstoff in der Diskussion sind.

Tatsächlich waren Frettchen nach der Impfung gegen aktuelle Grippeviren auch gegen einen Stamm des H1N1-Virus aus der Grippesaison 2007 gefeit, gegen den die aktuellen Impfstoffe keine Schutzwirkung induzieren. Der nächste Schritt besteht in klinischen Tests am Menschen. Der Erfolg der Vakzine dürfte auch davon abhängen, ob sie kosten­günstiger als die derzeitigen Impfstoffe hergestellt werden kann, deren Produktion zwar langwierig, aber billig ist. Im Prinzip könnten auch die Ferritin-Nanopartikel als Basis für Impfstoffe gegen andere Viruserkrankungen dienen. © rme/aerzteblatt.de

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