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Ärzteschaft

Berlin macht sich für bessere Palliativversorgung stark

Donnerstag, 23. Mai 2013

Berlin – Berlin will die Versorgung schwerstkranker Menschen weiter verbessern und stärker vernetzen: Sozialsenator Mario Czaja (CDU), Ärztekammer-Präsident Günther Jonitz und Diakonievorstand Martin Matz unterzeichneten dazu heute die  „Charta zu Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“. Die Charta zielt darauf ab, palliative Versorgungsstrukturen zu stärken und Aus- und Weiterbildung sowie Forschung in der Hospiz- und Palliativversorgung zu fördern. Einen finanziellen Rahmen für den Versorgungsausbau steckt die Charta nicht.

„Das Maß der Humanität einer Gesellschaft bemisst sich auch daran, wie sie mit ihren Mitgliedern an deren Lebensende umgeht. Damit diese wichtige Aufgabe den Bedürfnissen der Schwerstkranken und Sterbenden gerecht werden kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, betonte Ärztekammerpräsident Günther Jonitz. Aus diesem Grund setze sich die Kammer seit jeher für den Ausbau flächendeckender palliativmedizinischer Strukturen und für größtmögliche Patientensouveränität ein.

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Auch Sozialsenator Mario Czaja verwies auf die in Berlin bestehenden guten Strukturen, Hilfsangebote und Netzwerke in der Hospiz- und Palliativversorgung. Weiteren Hand­lungs­bedarf sieht er beispielsweise im Bereich der vollstationären Pflege. Hier gelte es, die palliative Kompetenz weiter zu stärken, um die Zahl unnötiger Krankenhaus­einweisungen besonders am Lebensende zu reduzieren.

Die Charta ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes sowie der Bundes­ärzte­kammer. Seit ihrer Verabschiedung im Herbst 2010 haben sich ihr 620 Institutionen sowie 2.569 Personen angeschlossen. © hil/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Freitag, 24. Mai 2013, 06:27

Charta steht ausnahmslos für eine "Kultur des Lebens"

So sehr die Grundidee der Charta auch überzeugen mag, kann nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass mit ihr in Teilen das Selbstbestimmungsrecht der Schwersterkrankten und Sterbenden „zu Grabe getragen“ wird.

Es ist daran zu erinnern, dass mit dieser Selbstverpflichtung zugleich auch die Beihilfe zum frei verantwortlichen Suizid eines Schwersterkrankten strikt abgelehnt wird.

Auch wenn regelmäßig in entsprechenden Pressemitteilungen darauf hingewiesen wird, dass weitere Personen und Institutionen die Charta unterzeichnet haben, bleibt zuvörderst ein fader Beigeschmack bestehen: Mit einer Selbstverpflichtung wird dokumentiert, dass aus der Sicht der Unterzeichnenden die Beihilfe zum frei verantwortlichen Suizid keine Option ist, obgleich doch ausschließlich der freie Wille des Schwersterkrankten und Sterbenden zu respektieren ist.

Einen gesellschaftlichen Konsens mit dem Ziel, die Beihilfe zum Suizid ethisch und moralisch zu „brandmarken“, wird es nicht geben, da insoweit die große Mehrheit der Bevölkerung seit Jahren für eine Liberalisierung eintritt.

Ungeachtet dessen bleibt es freilich jedem Einzelnen überlassen, sich gegen eine Beihilfe zum frei verantwortlichen Suizid eines Schwersterkrankten auszusprechen. Problematisch wird es allerdings, wenn mit der Charta versucht wird, einen Konsens anzustreben, dem sich im Zweifel keiner zu entziehen getraut. Es scheint, als gehört es mittlerweile zum „guten Ton“, die Charta zu unterzeichnen, um sich rein vorsorglich nicht dem Verdacht auszusetzen, die Interessen der Schwersterkrankten und Sterbenden nicht gebührend zu vertreten. Dies mag lobenswert sein, nicht jedoch um den Preis der Aufgabe des Selbstbestimmungsrechts derjenigen Schwersterkrankten und Sterbenden, die ihrem höchst persönlichen Leid entfliehen wollen.

Die Charta bleibt ein Ausdruck für die vielgepriesene „Kultur des Lebens“, in der der Autonomie des Einzelnen keine hinreichende Bedeutung beigemessen wird, zumal in Kenntnis der Missionierungsversuche einiger Medizinethiker, die dem Verfügungsrecht über das eigene Leben Grenzen setzen wollen.

Die Charta zu unterzeichnen bedeutet zugleich auch, im Wege der Selbstverpflichtung die Schwersterkrankten und Sterbenden für die eigene Zwecke und deren Erfolg zu instrumentalisieren, spricht man/frau ihnen doch das Selbstbestimmungsrecht, über das eigene Leben verfügen zu können, ab.
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