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Medizin

Neurotransmitter des Juckreizes gefunden

Freitag, 24. Mai 2013

Bethesda – US-Forscher haben einen Neurotransmitter entdeckt, der bei Mäusen im Hinterhorn des Rückenmarks Juckreiz-Signale weiterleitet. Ihre Studie in Science (2013; 340: 968-971) unterstreicht, dass der Juckreiz nicht, wie lange angenommen, eine Variante des Schmerzreizes ist, sondern eine eigenständige Sinneswahrnehmung.

Eine Vielzahl von Substanzen (darunter auch Opioide und Chloroquin) können in der Haut einen quälenden Juckreiz auslösen. Auch Allergien, Infektionen und Infestationen (z.B. mit Läusen), internistische Erkrankungen (z.B. Urämie) und Dermatosen (z.B. Psoriasis) sind pruritogen. Wie diese unterschiedlichen Noxen in der Haut Nervensignale auslösen, ist unbekannt.

In den letzten Jahren wurde jedoch entdeckt, dass der Juckreiz nur über bestimmte Nervenfasern ans Gehirn übermittelt wird. Und wie bei allen sensorischen Nerven gibt es im Hinterhorn des Rückenmarks mehrere Umschaltstationen. Die Übertragung erfolgt dort durch Neurotransmitter, deren Kenntnis für die Entwicklung von juckreizstillenden Medikamenten nützlich sein könnte.

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Vor einigen Jahren hatten Forscher der Washington University in St. Louis/Missouri bereits einen Botenstoff des Juckreizes entdeckt: GRP (Gastrin-releasing peptide) wird im Hinterhorn von Neuronen freigesetzt und die Blockade seines Rezeptors unterbindet die Juckreizwahrnehmung.

Jetzt beschreiben Santosh Mishra und Mark Hoon vom National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR) in Bethesda/Maryland einen weiteren für die Juckreiz-Empfindung essenziellen Neurotransmitter. Es handelt sich um das natriuretische Polypeptid b oder Nppb. Gentechnische Mäusen, denen das Gen für Nppb fehlt, widerstanden auch der Injektion von Samen des gewöhnlichen Seifenkrauts, einem der kräftigeren Juckpulver in der Natur.

Der andere Neurotransmitter GRP wirkte nach einer Injektion noch pruritogen. Die Forscher folgern daraus, dass es im Rückenmark zwei Umschaltstationen gibt. Bei der ersten ist Nppb und bei der zweiten GRP der für die Signalweiterleitung zuständige Neurotransmitter.

Ob Nppb auch beim Menschen an der Weiterleitung von Juckreizsignalen beteiligt ist, wurde noch nicht erforscht. Wegen der Ähnlichkeit der Nervensysteme (auf Rückenmarksebene) zwischen den beiden Spezies dürfte dies der Fall sein. Substanzen, die die Signalwirkung von Nppb im Rückenmark stoppen, könnten ein effektives juckreizstillendes Mittel sein. Es wird dringend benötigt, da Antihistaminika bei vielen Pruritus-Patienten keine Wirkung erzielen.

© rme/aerzteblatt.de

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