Ärzteschaft

Gesundheitskarte: Streit um Online-Datenabgleich in den Praxen

Montag, 27. Mai 2013

Köln/Hannover – In der für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zuständigen Projektgesellschaft Gematik gibt es erneut Streit zwischen den Gesell­schaftern über grundsätzliche Fragen zum Telematikprojekt. Anlass ist die Nutzung des Versichertenstammdatenmanagements – die erste nach dem Sozialgesetzbuch V vorge­schriebene Online-Anwendung der Karte. Kurz vor dem Deutschen Ärztetag in Hannover entzündeten sich daran Diskussionen innerhalb der Kassenärztlichen Bundesver­einigung (KBV) über den Verbleib in der Gematik.

Anzeige

Zum Hintergrund: Die KBV hatte in die Gesellschafterversammlung der Gematik im März dieses Jahres einen Antrag auf die Freiwilligkeit des quartalsweisen Online-Daten­abgleichs beim Online-Rollout durch die Leistungserbringer eingebracht. Zusätzlich hatte sie vorgeschlagen, hierfür Patientenkioske in den Geschäftsstellen der Krankenkassen aufzustellen, mit denen ein Datenabgleich außerhalb einer Arzt- oder Psychothera­peutenpraxis möglich ist.

Im Rahmen der Sitzung hatte die KBV jedoch den Beschlussvorschlag zur Freiwilligkeit des Online-Datenabgleichs zurückgezogen, weil die Gematik die gesetzlich vorge­schriebene Verpflichtung der Leistungserbringer nicht aufheben kann – dies würde ein Beschluss gegen geltendes Recht bedeuten. Auch mit ihrem Vorschlag zu den Patien­ten­kiosken konnte sich die KBV nicht durchsetzen. Die Mehrheit der Gesellschafter war der Auffassung, dass zunächst zu prüfen sei, ob diese Thematik überhaupt von der Projektgesellschaft entschieden werden kann.

Gegen eine kassenzentrierte Infrastruktur
Vor diesem Hintergrund hatte die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein Anfang Mai der KBV den Austritt aus der Gematik empfohlen. In einer nichtöffentlichen Sitzung kurz vor der öffentlichen KBV-Vertreterversammlung (KBV-VV) an diesem Montag hat sich die KBV mit dem Thema befasst und per Beschluss die Mitarbeit in der Gematik und in den Testregionen der eGK abgelehnt, wenn diese weiterhin nur an den Interessen der gesetzlichen Krankenkassen ausgerichtet sei. Notfalls solle die KBV auch die Auflösung der Gematik einfordern, beschlossen die Delegierten.

„Die ursprüngliche Intention des Gesetzgebers ist der elektronischen Gesundheitskarte schon lange nicht mehr anzusehen. Sie sollte die Kommunikation verbessern – zwischen Ärzten und Psychotherapeuten, zwischen Praxen und Krankenhäusern sowie mit den Versicherten. Aber das spielt kaum noch eine Rolle. Verflogen ist auch unsere Hoffnung auf einen Bürokratieabbau in den vertragsärztlichen Praxen. Entstanden ist vielmehr eine rein kassenzentrierte Telematikinfrastruktur für Verwaltungsaufgaben wie das Versichertenstammdatenmanagement“, begründete der KBV-Vorsitzende, Andreas Köhler, den Beschluss bei der VV in Hannover.

Die KBV werde sich weiterhin gegen ein verpflichtendes Versichertenstammdaten­management in den Arztpraxen einsetzen und fordere den Gesetzgeber auf, dieses abzuschaffen. „Die Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist und bleibt eine Verwaltungsaufgabe der gesetzlichen Krankenkassen“, sagte Köhler. 

BÄK-Präsident plädiert für aktive Rolle der Ärzte
Für eine aktive Rolle der Ärzte im Telematikprojekt und gegen einen Austritt der Bundes­ärztekammer aus der Gematik hatte sich im Vorfeld des Deutschen Ärztetages darüber hinaus der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, ausgesprochen. Es sei problematisch, wenn bald 70 Millionen Karten ausgegeben worden seien, die Ärzteschaft aber überhaupt nicht mitgestalten könne. Das helfe in der Sache nicht weiter, erklärte Montgomery. Der Verbleib der BÄK in der Gematik sei daher sinnvoll, zumal der Gesetzgeber dies ja auch vorgeschrieben habe. © KBr/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

21.02.17
Lübeck – Die Universität zu Lübeck und das US-amerikanische Internettechnologieunternehmen Cisco haben den gemeinsamen Aufbau des „Centers for Open Innovation in Connected Health“ vereinbart. Vor dem......
20.02.17
Würzburg – Die Unikliniken in Würzburg und Regensburg kooperieren künftig in der Erforschung, Diagnose und Therapie seltener Erkrankungen. Geplant seien insbesondere gemeinsame Videokonferenzen, in......
15.02.17
Dresden – Die Nachsorge von Schlaganfallpatienten in Ostsachsen mit Hilfe von Telemedizin wird ausgeweitet. Wie das sächsische Gesundheitsministerium heute mitteilte, wird das Projekt „Integration der......
15.02.17
Hamburg – Krebspatienten sollen in allen sieben Hamburger Asklepios-Kliniken künftig von einem virtuellen Tumorzentrum betreut werden. Zu dem Zentrum gehören mehr als 200 Chef- und Oberärzte der......
14.02.17
Hörtest-App: Verbesserter Klang über Kopfhörer soll Hörschäden vorbeugen
Berlin – Mit der Mimi-Hörtest-App können Nutzer ihr Hörvermögen auf dem Smartphone über Kopfhörer testen. Anschließend ermöglicht eine zweite App (Mimi Music), die schlecht vernommenen Frequenzen in......
10.02.17
„Softwareanbieter werden sich das wieder gut bezahlen lassen“
Köln – In einem offiziellen Schreiben an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, auf Mängel in der angestrebten......
07.02.17
Scheitert die Videosprechstunde am Honorar?
Berlin – Videosprechstunden sollen künftig als neues Element in die Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten eingebunden werden. Nun könnte die politische Initiative von Bundesgesundheitsminister......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige