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Medizin

Wer nach schwerem Schlaganfall von EntlastungsOPs profitiert

Montag, 27. Mai 2013

Düsseldorf – Öffnen Neurochirurgen bei Patienten mit Verschluss der mittleren Hirnarterie die Schädeldecke, um den lebensbedrohlichen Hirndruck zu senken, sinkt die Sterblichkeit der über 60-jährigen Patienten von 73 auf 33 Prozent. „Allerdings können schwere Behinderungen und Pflegebedürftigkeit die Folge sein“, erläutert Andreas Unterberg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg Ergebnisse aus der Multicenter-Studie DESTINY II. Die vollständigen Ergebnisse der Studie sollen ab morgen auf der European Stroke Conference in London vorgestellt werden.

Eine starke Hirnschwellung ist eine gefürchtete Folge eines schweren Infarktes. Deshalb nehmen Neurochirurgen seit einigen Jahren bei unter 60-Jährigen eine sogenannte Entlastungskraniektomie vor, die das Leben der meisten Patienten rettet. Bei dem Eingriff entfernen die Ärzte vorübergehend einen größeren Teil der Schädeldecke und öffnen die harte Hirnhaut über dem Schlaganfallgebiet mit einem Schnitt, damit die anschwellende Hirnmasse genügend Platz hat. „Zwar erleiden auch viele jüngere Patienten zunächst Lähmungen oder Sprachstörungen“, so Unterberg. Diese Einschränkungen bildeten sich aber durch Rehabilitation teilweise zurück.

Mindestens die Hälfte der Patienten, die einen schweren Media-Hirninfarkt erleiden, ist jedoch über 60 Jahre alt. Die DESTINY-II-Studie ging deshalb der Frage nach, ob dieser Eingriff auch bei den Älteren sinnvoll ist. Verglichen wurden zwei Gruppen, deren Altersdurchschnitt 70 Jahre betrug. Eine Entlastungskraniektomie erhielten 49 zufällig ausgewählte Schlaganfallpatienten. Die anderen 63 Patienten behandelten die Ärzte mit den üblichen intensivmedizinischen Maßnahmen, aber ohne Operation.

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Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass die Studie abgebrochen werden musste: Während 73 Prozent der nicht-operierten Patienten starben, waren es in der chirurgisch behandelten Gruppe nur 33 Prozent „Allerdings überlebten viele Patienten diesen Eingriff mit schweren, bleibenden Behinderungen“, betont Unterberg. Deshalb müssten Neurochirurgen, Neurologen, Angehörigen und – sofern möglich – auch der Patienten selbst entscheiden, ob der Eingriff erfolgen soll.

Die Aufgabe der Zukunft sei nun, Prognosefaktoren für den Erfolg einer Entlas­tungskraniektomie herauszuarbeiten. „Wir wollen auf wissenschaftlicher Basis herausfiltern, welche älteren Patienten von diesem Eingriff profitieren und mit guter Lebensqualität und wenig Behinderung überleben“, erläutert Unterberg. © hil/aerzteblatt.de

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