NewsMedizinHerzinsuffizienz: Erfolge mit miniaturisierter Herzpumpe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzinsuffizienz: Erfolge mit miniaturisierter Herzpumpe

Montag, 27. Mai 2013

Löwen – Ein minimal-invasives Kreislauf­unterstützungssystem von der Größe einer Mignon-Batterie kann die Herz­leistung und Gehstrecke von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz verbessern. Dies zeigen die Ergebnisse einer offenen klinischen Studie, die auf der Fach­ta­gung Heart Failure 2013 in Lissabon vorgestellt wurden.

Anders als bisherige Linksherzunter­stützungssysteme (LVAD) erfordert das Synergy-System von CircuLite keine offene Herzoperation mit kardiopulmonalem Bypass. Die nach Auskunft des Herstellers weltweit kleinste Herzpumpe wird vergleichbar einem Herzschrittmacher unterhalb des Schlüssel­beins implantiert. Die Einlasskanüle (Inflow cannula) für die Pumpe wird in einer Minithorakotomie im linken Herzvorhof platziert. Der Ausfluss-Graft (Outflow graft) wird an der Arteria subclavia anastomisiert.

Anzeige

Die Energieversorgung der Impellerpumpe, die am Helmholtz Institut in Aachen entwickelt wurde, erfolgt über ein Kabel, das unter der Haut zu einer Öffnung im Bereich der Bauchhaut geführt wird. Es ist mit einem externen aufladbaren Doppelbatteriesystem und einem Controller verbunden, die zusammen etwa ein Kilogramm wiegen und an einem Halsband oder in einer Weste getragen werden können.

Das Synergy-System wurde im September 2012 CE-zertifiziert. Der Zulassung lag eine Studie an 63 Patienten zugrunde. Filip Rega von der Universitätsklinik in Löwen in Belgien stellte jetzt auf der Fachtagung nur die Ergebnisse der letzten 26 Patienten vor, denen eine überarbeitete Version der miniaturisierten Herzpumpe implantiert worden war. Alle Patienten im Durchschnittsalter von 53 Jahren litten unter schwerer symptomatischer Herzschwäche (INTERMACS-Score 4 oder höher). Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion war auf durchschnittlich 20 Prozent abgefallen.

Bei einer Untersuchung der Patienten drei Monate nach der Implantation hatte die Minipumpe die Herzleistung von 3,9 auf 4,9 Liter/Minute gesteigert. Der sogenannte Wedge-Druck (Pulmonalarteriendruck beim kurzeitigen Verschluss mit einem Katheter) hatte sich von 28 auf 18mm Hg verbessert (Normalwert 6 bis 12mm Hg). Ihre Gehstrecke hatten die Patienten von 292 auf 412 Meter gesteigert. Die maximale Sauerstoff­aufnahme (VO2max) war ebenfalls verbessert.

Bei einem Patienten, so Rega, konnte die künstliche Herzpumpe aufgrund einer klinischen Erholung sogar wieder explantiert werden. Dies dürfte allerdings eine Ausnahme bleiben, da die meisten Patienten, die für ein Kreislaufunterstützungssystem in Frage kommen, an einer irreversiblen Kardiomyopathie leiden.

Der Hersteller hat eine klinische Studie mit einem neuen Modell begonnen. Das Synergy IC System kann ohne Herzoperation implantiert werden. Die Einlasskanüle wird dabei über einen intravenösen Katheter in den rechten Vorhof vorgeschoben und von dort durch das Vorhofseptum in den linken Vorhof gestochen, um es in dieser Position mit zwei Flügelklammern am Septum zu fixieren. Klinische Ergebnisse zum Synergy IC System liegen noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

1. Juli 2020
Greifswald – Auch drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung erkranken in Ostdeutschland mehr Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz als in Westdeutschland. Die Unterschiede haben sich nach
Herzinsuffizienz: Krankheitslast steigt in Ostdeutschland stärker als im Westen
3. Mai 2020
Boston/Mailand/New York – Patienten, die mit ACE-Hemmern oder Sartanen behandelt werden, haben bei einer SARS-CoV-2-Infektion vermutlich kein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf einer
COVID-19: Weitere Studien entlasten ACE-Hemmer und Sartane
30. März 2020
Brescia − In den letzten Wochen hat es Berichte von Patienten gegeben, die im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion schwere Herzmuskelschäden erlitten. Der Fall einer 53-jährigen Patientin aus
COVID-19: Kardiologen finden Hinweise auf Myokarditis
23. Januar 2020
Berlin – Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Barmer haben einen integrierten Versorgungsvertrag für die telemedizinische Mitbetreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz
Charité und Barmer starten telemedizinische Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten
29. November 2019
Berlin – Das unabhängige Bewertungsportal Leitlinienwatch hat den Umgang mit möglichen Interessenkonflikten bei der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Herzinsuffizienz gelobt. Die NVL erhielt in
Nationale Versorgungsleitlinie für vorbildlichen Umgang mit Interessenkonflikten gelobt
6. November 2019
Boston – Warum im Alter täglich viele Medikamente einnehmen, wenn die gleiche Wirkung durch eine einmalige Injektion erreicht werden kann? US-Forscher haben mit einer kombinierten Gentherapie bei
Gentherapie lindert 4 altersbedingte Erkrankungen bei Mäusen
6. November 2019
Bad Neustadt – Die Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz über die Sektoren hinweg besser verzahnen und dafür ein regionales Vergütungsmodell entwickeln wollen verschiedene Partner unter
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER