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Ärzteschaft

Warnung vor der zunehmenden Ökonomisierung der Medizin

Dienstag, 28. Mai 2013

Giovanni Maio /Gebhardt

Hannover – Der 116. Deutsche Ärztetag hat sich auf seiner ersten Plenarsitzung am Dienstag mit der Kommerzialisierung der Medizin befasst. In einem Gastreferat stellte der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio die Folgen für die ärztliche Arbeit dar. Aus seiner Sicht laufen die Ärztinnen und Ärzte Gefahr, sich durch den wirtschaftlichen Druck zu verändern und „Zug um Zug die eigentlich fremde Logik der Ökonomie zu ihrer eigenen Logik zu machen“. Sie würden „umprogrammiert“.

Die Logik der Ökonomie widerspreche aber ärztlichen Idealen, zum Beispiel wenn Patienten mit einer aufwendigen Behandlung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unrentabel würden. „Eine Medizin, die Patienten meidet, kann sich aber nicht mehr Medizin nennen“, sagte Maio unter dem Beifall der rund 250 Delegierten. Es seien gerade die Schwachen und alten Patienten die in dem System zu kurz kämen.

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Maio stellte klar, es gehe nicht darum, wirtschaftliches Handeln und Effizienz zu verteu­feln. Je weniger es aber um Strukturen gehe und je mehr um die direkte Arzt-Patienten-Beziehung, desto gefährlicher sei die Entwicklung. Im Alltag fehle es an Zeit für Zuwen­dung und Gespräche. „So spart die Medizin nicht das Überflüssige ein, sondern sie spart am Kern ihrer Identität.“

Die Abstimmung über den Entschließungsantrag „Menschen statt Margen in der Medizin“ wurde auf Mittwoch vertagt, ebenso wie eine Entscheidung über das Konzept der Bundes­ärzte­kammer zur Weiterentwicklung des dualen Krankenversicherungssystems. © BH/aerzteblatt.de

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Henry I
am Mittwoch, 5. Juni 2013, 23:12

Brillanter Beitrag

Das hat Herr Giovanni Maio hervorragend auf den Punkt gebracht.
Weder kommunistische Lügenmedizin noch kapitalistische Ertragsmedizin nutzen den Menschen.

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