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Medizin

Schnelle Tamiflu-Resistenzen der H7N9-Influenza

Dienstag, 28. Mai 2013

dpa

Shanghai/Hangzhou City – Der Neuraminidase-Inhibitor Oseltamivir (Tamiflu) erzielt in der Behandlung von schweren Verläufen der neuen H7N9-Influenza offenbar eine gute Wirkung. Bei zwei von 14 Patienten, die an einer Klinik in Shanghai behandelt wurden, kam es jedoch bereits nach kurzer Zeit zu einer Resistenz, die mit einem Anstieg der Viruskonzentration und einem schweren klinischen Verlauf verbunden war.

Von 131 Erkrankungen der avianen Influenza A(H7N9) beim Menschen, die die Welt­gesund­heits­organi­sation bis zum 17. Mai labormedizinisch bestätigt hat, wurden 14 am Shanghai Public Health Clinical Centre behandelt. Es handelt sich um besonders schwere Verlaufsformen. Alle Patienten entwickelten eine Pneumonie, sieben mussten mechanisch beatmet werden, bei drei von ihnen musste sogar eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingeleitet werden.

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Alle 14 Patienten wurden mit Oseltamivir behandelt, das bereits bei früheren Vogel­grippe-Epidemien eine gute Wirkung erzielt hatte. Dies war auch bei elf von 14 Patienten mit der neuen avianen Influenza A(H7N9) der Fall. Bei den drei anderen blieb die Viruskonzentration in den Rachenabstrichen jedoch erhöht (zwei der drei sind inzwischen verstorben).

Die Ärzte vermuteten eine Oseltamivir-Resistenz, und das Team um Zhenghong Yuang vom Shanghai Public Health Clinical Centre konnte tatsächlich bei zwei der drei Patienten eine bekannte Mutation im Neuraminidase-Gen der Viren nachweisen. An Position 292 hatte es einen Wechsel von Arginin nach Lysin gegeben. Bei einem der beiden Patienten konnten die Forscher die Mutation gewissermaßen „live“ beobachten.

Zwei Tage nach dem Start der Therapie fanden sie an Position 292 des Gens noch ein Arginin, neun Tage nach Beginn der Therapie hatten sich Viren mit Lysin an Position 292 durchgesetzt. Der Wechsel unter der Therapie mit Oseltamivir lässt für Yuang keinen Zweifel daran zu, dass die Mutation unter der Therapie entstanden ist. Eine andere Erklärung wäre kaum vorstellbar, da Oseltamivir nicht in Geflügelfarmen eingesetzt wird. Dort wird das Reservoir des Virus vermutet.

Die rasche Entwicklung einer Resistenz bei einem nicht geringen Anteil der Patienten ist für Yuang beunruhigend. Auffällig ist, dass die beiden Patienten mit nachgewiesener Resistenz auch mit Kortikosteroiden behandelt wurden. Vorstellbar ist, dass die immun­supprimierende Wirkung der Steroide das Abwehrsystem geschwächt, die Virämiephase verlängert und damit die Chance für eine Resistenzentwicklung erhöht haben könnte. Die Erfahrungen am Shanghai Public Health Clinical Centre dürften von anderen Kliniken in China mit Interesse registriert werden. Es sind allerdings in den letzten beiden Wochen keine neuen Fälle mehr aufgetreten, so dass im Moment kein Handlungsbedarf besteht.

Im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1305584) hatte kürzlich ein anderes Team die bisherigen Erfahrungen an 111 Patienten zusammengefasst. Wie das Team um Lan-Juan Li von der Zhejiang Universität in Hangzhou City berichtet, sind 30 Patienten gestorben. Die Case-Fatality-Rate läge demnach bei 27 Prozent, was sich allerdings nur auf die dokumentierten Erkrankungen bezieht.

Es bleibt möglich, dass eine größere Zahl von Menschen in der Gemeinschaft mit milderen Verläufen erkrankt ist, aber niemals medizinische Hilfe aufsuchte. Reihentests in der Bevölkerung sind bisher nicht durchgeführt worden. Interessant ist ein relativ hohes Durchschnittsalter von 61 Jahren, das deutlich höher ist als bei der neuen Influenza A(H1N1) oder auch der Vogelgrippe A(H5N1).

Li bringt dies mit dem hohen Alter von Käufern auf den traditionellen Geflügelmärkten in Verbindung. Laut Li wurden 108 der 111 Patienten mit Oseltamivir oder Peramivir (ebenfalls ein Neuraminidase-Inhibitor) behandelt. Mit möglichen Resistenzen beschäftigt sich die Arbeit nicht.

© rme/aerzteblatt.de

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