NewsÄrzteschaftDeutscher Ärztetag: Duales Kran­ken­ver­siche­rungs­system sichert die Versorgung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Deutscher Ärztetag: Duales Kran­ken­ver­siche­rungs­system sichert die Versorgung

Mittwoch, 29. Mai 2013

© Gebhardt

Hannover – Fünf Monate vor der Bundestagswahl hat der 116. Deutsche Ärztetag heute in Hannover mit großer Mehrheit die vom Bundesvorstand vorgelegte Reformskizze für eine umfassende Finanzreform des deutschen Gesundheitssystems beschlossen.

Grundlage des Konzepts ist das klare Bekenntnis zum Erhalt des Nebeneinanders von gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung. Es herrsche derzeit überhaupt keine Not, das System von den Füßen auf den Kopf zu stellen, hatte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, gestern bei der Eröffnung des Ärztetages betont: „Der gegenwärtige Zustand der Kran­ken­ver­siche­rung, gesetzlich und privat, ist eigentlich gut: Die Geldspeicher sind voll.“

Anzeige

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sei nur deshalb gut und umfassend, weil er im Wettbewerb mit der privaten Kran­ken­ver­siche­rung bestehen müsse. Montgomery: „Einheitssysteme wie eine Bürgerversicherung würden den Leistungskatalog einschränken.“

Weitere prägende Elemente der Reformskizze sind:

  • Finanzautonomie der Krankenkassen. Die Kassen sollen den Versichertenbeitrag wieder autonom erheben dürfen – als festen, und einkommensunabhängigen „Gesundheitsbeitrag“.
  • Belastungsgrenze. Eine Belastungsgrenze von maximal neun Prozent des gesamten Haushaltseinkommens wird als Schwelle zum Solidarausgleich definiert.
  • Solidarausgleich. Der solidarische Ausgleich erfolgt aus Mitteln des Gesundheitsfonds.
  • Arbeitgeberanteil. Der Arbeitgeberanteil wird zur Ermöglichung einer langfristigen Kalkulation der Lohnkosten für die Arbeitgeber auf 7,3 Prozent festgeschrieben.
  • Gesundheitsfonds. Der Gesundheitsfonds wird umstrukturiert. Gespeist werden soll er aus Arbeitgeberbeiträgen, analogen Mitteln aus der Rentenversicherung sowie aus Steuermittel für den Solidarausgleich. Mit den Mitteln des Gesundheitsfonds werden im BÄK-Modell der Sozialausgleich sowie die Kinder- und Familienmitversicherung finanziert.
  • Kinderkonto. Für jedes in Deutschland geborene Kind soll ein „Gesundheitssparkonto“ eingerichtet werden. Dieses Konto soll aus Steuermitteln gespeist werden und jedem dann jungen Erwachsenen zur Verfügung gestellt werden, wenn er eine sozial­ver­sicherungs­pflichtige Beschäftigung aufnimmt.

Platter Vorwurf

„Ärzte kämpfen an der Seite der Koalition“. Das verbreitete die Deutsche Presseagentur vom 116. Deutschen Ärztetag in Hannover. Ergreift die verfasste Ärzteschaft im Wahlkampf Partei für Schwarz-Gelb, weil sie die Bürgerversicherung mehrheitlich ablehnt? Das ist doch allzu platt.

Der 115. Deutsche Ärztetag hatte den Vorstand der Bundes­ärzte­kammer letztes Jahr in Nürnberg per Beschluss aufgefordert, gemeinsam mit Gesundheitsökonomen auf der Grundlage des Ulmer Papiers eine Konzeptskizze für die Fortentwicklung des Kranken­versicherungssystems in einer älter werdenden Gesellschaft mit zunehmenden medizinischen Chancen und Möglichkeiten zu erstellen – und dieses Papier auch in den politischen Meinungsbildungsprozess einzuspeisen.

Dem sei der Vorstand nun nachgekommen, sagte Montgomery: „Die Skizze orientiert sich an dem, was wir für richtig halten und nicht an etwaigen parteipolitischen Präferenzen.“

Die von der SPD und den Grünen geplante Einführung einer Bürgerversicherung lehnte der 116. Deutsche Ärztetag in einem separatem Beschluss ab: „Eine auf Vereinheitlichung angelegte Zwangsversicherung gefährde die Therapiefreiheit des Arztes und die Wahlfreiheit der Bürger“, heißt es in der Begründung. Eine Bürgerversicherung verhindere den Wettbewerb um die beste Versorgung und stehe der gebotenen Transparenz im Kosten- und Leistungsgeschehen entgegen. © JF/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #104249
Senbuddy
am Montag, 3. Juni 2013, 11:09

Hätte ich nicht gedacht...

...dass sich der Ärztetag so eindeutig und klar positioniert und dabei nicht nur gegen eine Bürgerversicherung votiert, sondern auch noch zur angemenssenen Verbesserung des bestehenden dunalen Systemes diverse sinnvolle Vorschläge macht.

Nicht schlecht...
Viele Grüße
S.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 31. Mai 2013, 23:22

erfolgreich desinformiert...

Erstaunlich, welch Aberglaube mit der Privatversicherung verbunden wird,,,
In Wahrheit garantiert das duale System (das im stationären Bereich 30% der Patienten gern in Anspruch nehmen) das Fortbestehen der vielen verfassungswidrigen Elemente des SGB V - nur die Existenz der PKV und damit des Privatsektors als Niederlassungsalternative sichert den Bestand der sonderbaren Regelungen (befreiendes Gesamthonorar, Einschränkung der Koalitionsfreiheit, Bedarfsplanung uvm). Sobald mit einer Bürgerversicherung dieser Sektor aufgelöst wird, ist das SGB V in weiten Teilen nichtig, dann haben wir tatsächlichen Anspruch auf angemessenes Honorar, Einzelleistungsvergütung, Niederlassungsfreiheit etc pp.
Von mir aus also ganz klar: Schafft die PKV ab, und dann schaut euch um....
Avatar #89767
kosmo
am Freitag, 31. Mai 2013, 08:18

Duales Kran­ken­ver­siche­rungs­system sichert nur höhere Honorare von niedergelassenen Kollegen

Duales Kran­ken­ver­siche­rungs­system sichert nur höhere Honorare von niedergelassenen Kollegen, und zwar in überwiegend wohlhabenden Gegenden. Als Kassenpatient bist du dort ein armes Schwein und wirst dementsprechend behandelt.
Bürgenversicherung mit Zusatz von privater Kran­ken­ver­siche­rung wäre sinvoller in jeder Hinsicht...
LNS

Nachrichten zum Thema

1. Juli 2020
Berlin – Die Versicherten- und Arbeitgebervertreter bei den sechs Ersatzkassen sorgen sich um steigende Ausgaben und die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). „Der
GKV: Ersatzkassen sorgen sich um finanzielle Stabilität
30. Juni 2020
Berlin – 121 Krankenhäuser in ländlichen Regionen erhalten im kommenden Jahr einen Versorgungszuschlag von 400.000 Euro. Darauf haben sich GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)
121 Krankenhäuser erhalten Versorgungszuschlag
30. Juni 2020
Stuttgart – Ein Datenschutzverstoß der AOK Baden-Württemberg kommt der Krankenkasse teuer zu stehen. Sie muss 1,24 Millionen Euro Bußgeld bezahlen, weil sie Daten für ein Gewinnspiel datenschutzwidrig
AOK Baden-Württemberg muss Bußgeld wegen Datenmissbrauchs bezahlen
25. Juni 2020
Berlin – Die Grünen halten weiterhin am Konzept einer Bürgerversicherung für alle fest – statt des bisherigen Systems von gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Kran­ken­ver­siche­rung. Das geht aus dem
Grüne halten an Bürgerversicherung fest
24. Juni 2020
Berlin – Die Private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) leistet über ihre dauerhaften strukturellen Impulse hinaus beträchtliche zusätzliche Beiträge in der Coronakrise. Das betonte heute Ralf Kantak,
Private Kran­ken­ver­siche­rung betont Rolle bei Bewältigung der Coronakrise
18. Juni 2020
Berlin – Die Gremien des Verbandes der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) haben Ralf Kantak erneut zum Vorsitzenden gewählt. Damit wird der Vorstandsvorsitzende der Süddeutsche Kran­ken­ver­siche­rung dem
Ralf Kantak bleibt Chef des PKV-Verbandes
17. Juni 2020
Wiesbaden – Die Linksfraktion im hessischen Landtag macht sich für Menschen ohne Kran­ken­ver­siche­rung stark. In einem Gesetzentwurf schlägt sie den Aufbau spezieller Beratungsstellen vor, mit deren
LNS LNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER