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Medizin

Erster Impfstoff gegen die Hand-Fuß-Mund-Krank­heit

Mittwoch, 29. Mai 2013

Nanjing – Chinesische Wissenschaftler haben erfolgreich einen ersten Impfstoff gegen das humane Enterovirus (EV) 71 getestet, der zu den Auslösern der Hand-Fuß-Mund-Krankheit gehört, an der in China jedes Jahr mehr als eine Million Menschen erkranken und einige hundert sterben. Nach den im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61049-1) publizierten Ergebnissen erzielt die Vakzine eine hohe Schutzwirkung, die allerdings auf die Minderheit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit beschränkt war, die durch EV71 ausgelöst wird.

Die hoch ansteckende Hand-Fuß-Mund-Krankheit kommt weltweit vor, doch in Ostasien scheint sie besonders häufig zu sein. China hat im Jahr 2008 eine Meldepflicht eingeführt. Im Jahr darauf wurden 1,1 Millionen Erkrankungen (2010: 1,8 Millionen) bekannt. 27.000 Patienten erlitten neurologische Komplikationen, zu denen eine aseptische Meningitis und eine Enzephalitis gehört, die vor allem bei den jüngsten Patienten tödlich enden können. Im Jahr 2009 wurden 353 Todesfälle, im Jahr darauf 905 Todesfälle dokumentiert.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit kann durch verschiedene Enteroviren (und auch durch Coxsackie-Viren) ausgelöst werden. Die von Vigoo Biological in Peking hergestellte Vakzine erfasst nur den (in China am meisten verbreiteten) Genotyp C4.

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In der randomisierten kontrollierten Studie wurde er an 5.120 Kleinkindern im Alter zwischen 6 und 35 Monaten getestet, die im Abstand von vier Wochen zwei intramuskuläre Injektionen erhielten. Eine gleich große Gruppe wurde mit Placebos geimpft.

Feng-Cai Zhu von den regionalen Centers for Disease Control and Prevention in Nanjing in der Küstenprovinz Jiangsu und Mitarbeiter ermittelten eine Schutzwirkung von 90,0 Prozent, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall 67,1–96,9 Prozent signifikant war. Die Zahl der Komplikationen wurde um 80,4 Prozent gesenkt mit einem relativ weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall von 58,2 bis 90,8 Prozent.

An der Effektivität des Impfstoffes ist angesichts der Ergebnisse nicht zu zweifeln. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird die Impfung in China jedoch nicht eliminieren. Von den 1.704 in der Studie klinisch diagnostizierten Erkrankungen waren nämlich nur 36 (2,1 Prozent) mit EV71 assoziiert. In 577 Fällen (33,9 Prozent) war Coxsackie A Virus 16 der Auslöser, 588 Kinder (34,5%) reagierten im Test positiv auf andere Enteroviren und weitere 503 Erkrankungen (29,5 Prozent) waren nicht mit Enteroviren assoziiert.

Die chinesischen Behörden müssen es sich angesichts dieser Zahlen gut überlegen, ob sie die Impfung empfehlen, zumal dort derzeit die Einführung anderer Impfungen gegen Pneumokokken, Rotaviren und humane Papillomaviren ansteht, wie Nigel Crawford von der Universität Melbourne in einem Kommentar schreibt.

Für die Eltern stellt sich die Frage, ob die in den meisten Fällen mild verlaufende Infektionskrankheit den Aufwand lohnt, zumal die Impfung bei 70 Prozent der Kinder mit Komplikationen verbunden war. Meistens handelte es sich allerdings um harmlose lokale Reaktionen am Injektionsort. Die Rate schwerer Komplikationen war nicht höher als im Placebo-Arm. Unklar ist, ob ein Einsatz auch in anderen Ländern sinnvoll wäre, da das Spektrum der auslösenden Viren von Land zu Land verschieden sein dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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