Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gentherapie gegen Grippe vorgestellt

Donnerstag, 30. Mai 2013

Elektronenmikrospopische Aufnahme von AAV-Partikeln

Philadelphia – Der Grippeimpfstoff der Zukunft könnte ein Nasenspray und kein Impfstoff im eigentlichen Sinne sein. US-Forscher zeigen in Science Translational Medicine (2013; 5: 187ra72), dass es möglich ist, Zellen der Nasenschleimhaut per Gentherapie zur Produktion von Breitbandantikörpern zu veranlassen, die in ersten Versuchen Mäuse und Frettchen vor einer Influenza schützten, die Spanische Grippe von 1918 eingeschlossen.

Vor einigen Jahren wurden sogenannte Breitbandantikörper entdeckt, die Menschen vor einer Infektion mit einer Vielzahl von Grippe-Viren schützt. Die Entwicklung eines Impfstoffes, der die Bildung dieser Breitbandantikörper durch das Immunsystem anregt und die jährliche Anpassung vielleicht überflüssig machen würde, ist bislang nicht gelungen. Dies könnte daran liegen, dass Impfstoffe auf die Unterstützung des Immunsystems angewiesen sind, die nicht immer vorhersehbar ist.

Der Ansatz, den das Team um Anna Tretiakova von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia verfolgt, lässt die Antikörper nicht von den B-Zellen des Immunsystems produzieren. Die Forscher greifen auf ganz normale Epithelzellen zurück, die sie mittels einer Gentherapie in die Lage versetzen, die gewünschten Antikörper zu produzieren. Den genetischen Befehl erhielten sie von einem Virus, das als Genfähre die Erbinfor­mation zur Bildung der Breitbandantikörper in die Nasenschleimhautzellen integrierte.

Die Forscher verwendeten den Serotyp 9 eines adeno-assoziierten Virus (AAV9), das sich in anderen Bereichen in der Gentherapie bewährt hat. Von Vorteil war dabei, dass AAV9 als Verwandter der Schnupfen-Viren bereits physiologischerweise die Nasen­schleimhaut infiziert. Erste Experimente an Mäusen zeigten, dass die Schleimhaut der Tiere, Mäuse und dann Frettchen, tatsächlich den transferierten Breitbandantikörper produzierte. Die Menge war groß genug, um eine Influenza abzuwehren.

Die Mäuse waren gegen drei unterschiedliche Stämme der Vogelgrippe H5N1 und gegen zwei H1N1-Influenzaviren geschützt, darunter den Erreger der Spanischen Grippe von 1918. In der Kontrollgruppe starben alle Tiere. Auch die Experimente an Frettchen, die ein authentischeres Modell der humanen Influenza sind, verliefen erfolgreich. Die Forscher haben bereits Kontakt zu den Herstellern aufgenommen, um eine Gentherapie für den Menschen zu entwickeln.

Da die Viren ihre Genfracht in Epithelzellen ablagern, die nach einer kurzen Zeit ersetzt werden, könnte die Therapie frei von langfristigen Nebenwirkungen sein. Die Kurz­lebigkeit der Epithelzellen begrenzt aber auch die Wirkdauer der Gentherapie auf wenige Monate, während eine „echte“ Impfung oft eine lebenslange Immunität hinterlässt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.05.17
Gentherapie der AMD in erster klinischer Studie erfolgreich
Baltimore – Eine Gentherapie, die Retinazellen zu Produzenten eines Biologikums macht, hat in einer offenen Phase-1-Studie bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) vielversprechende......
12.05.17
Paris – Frankreich hat testweise Grippeimpfungen in Apotheken zugelassen. In zwei französischen Regionen müssen Patienten für die Impfung künftig nicht mehr zwingend zum Arzt, wie aus einem......
05.05.17
Neue multivalente Inhibitoren hemmen Influenzaviren im Tiermodell
Berlin – Bislang gibt es keine antivirale Therapie, die Influenzaviren hemmen könnte, wenn die Infektion schon ausgebrochen ist. Neue Wirkstoffe, die das Virus über verschiedene Oberflächenproteine......
03.04.17
Hannover – Seit Jahresbeginn haben 38 Prozent mehr Patienten mit Grippesymptomen die zentrale Notaufnahme der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aufgesucht als im gleichen Zeitraum des......
31.03.17
Hüppe gegen Verwendung menschlicher Embryonen für Forschung
Berlin – Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, ehemaliger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, hat sich strikt gegen eine Verwendung menschlicher Embryonen für medizinische......
29.03.17
Wissenschaftler fordern breite Diskussion zu CRISPR/Cas9
Berlin – Eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über ethische und rechtliche Fragen neuer molekularbiologischer Methoden, die gezielte Eingriffe in das menschliche Erbgut erlauben, fordern......
29.03.17
Berlin – In Deutschland neigt sich die Grippewelle dem Ende zu. Seit Mitte März werde nur noch eine geringe Grippeaktivität verzeichnet, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza heute mit. „Das Ende......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige