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Medizin

Coronavirus: Hintergründe zur Mensch-zu-Mensch-Über­tragung

Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Einfahrt zum King Fahad Hospital in Riad /dpa

Riad/Lyon – Eine wenn auch seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragung des „Middle East respiratory syndrome coronavirus“ (MERS-CoV), wie das neuartige Coronavirus (nCoV) inzwischen bezeichnet wird, gilt inzwischen als gesichert. Im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1303729) wird jetzt ein Cluster in Saudi-Arabien und im Lancet (2013; doi: org/10.1016/ S0140-6736(13)60982-4) ein Cluster in Frankreich vorgestellt.

Bis zum 28. Mai zählte die Welt­gesund­heits­organi­sation 49 bestätigte MERS-CoV-Infektionen mit 26 Todesfällen. Die meisten Erkrankungen (37 Infektionen, darunter 21 Todesfälle) traten bisher in Saudi-Arabien auf. Dort hat es offenbar bereits im Oktober und November einen ersten Erkrankungs-Cluster gegeben, der nur durch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung erklärt werden kann.

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In einem Vorort der Hauptstadt Riad erkrankten vier Mitglieder einer erweiterten Familie (3 bestätigte Fälle, 1 Verdacht). Bei zwei der vier Patienten könnte es sich sogar um eine tertiäre Erkrankung gehandelt haben. Es wäre dann der erste Fall einer, wenn auch sehr kurzen Infektionskette. Merkwürdigerweise erkrankten nur Männer der Familie, obwohl es auch zahlreiche Frauen gab.

Ziad Memish von der Al-Faisal Universität und Mitarbeiter kennen die Ursache nicht. Sie vermuten aber, dass die Erkrankung erst nach einigen Tagen ansteckend ist. Alle vier Patienten waren nach ihrer Einweisung in die Universitätsklinik nur noch von männlichen Mitgliedern der Familie besucht worden. Vierundzwanzig andere Mitglieder blieben von einer Erkrankung verschont, ebenso 124 Personen des Klinikpersonals, die Kontakt zu den Patienten hatten, sich aber möglicherweise besser schützten als die Angehörigen.

Auch in Frankreich, wo es Ende April zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekommen war, erfolgte die Ansteckung erst, als der Index-Patient bereits mehrere Tage wegen einer schweren Pneumonie in der Klinik gelegen hatte. Räumliche Enge, die beiden Patienten teilten sich ein Zimmer (20 m2, Bettabstand 1,5 Meter), dürfte ebenso eine Rolle gespielt haben wie die Immunsuppression des zweiten Patienten, der wegen eines Angioödems systemisch mit Steroiden behandelt worden war.

Inkubationszeit 9 bis 12 Tage
Das Team um Benoit Guery vom Hopital Huriez in Lille hat aus den Daten der beiden Patienten eine Inkubationszeit von neun bis 12 Tagen errechnet. Sie wäre demnach länger als angenommen. Es ist vorstellbar, dass die Viren sich zunächst in den unteren Atemwegen festsetzen müssen, bevor es zum Ausbruch der Erkrankung kommt.

Das Robert Koch-Institut geht nach wie vor davon aus, dass das Übertragungsrisiko gering ist. Die Zahl der Erkrankungen dürfte dann gering bleiben. Ärzten wird allerdings geraten, bei Patienten mit schwerer Pneumonie und Atemnotsyndrom generell (auch unabhängig von einer Reiseanamnese) immer eine labordiagnostische Abklärung auf MERS-CoV durchzuführen – insbesondere wenn sich der Patient beziehungsweise die Patientin in den 10 Tagen (nach der aktuellen Studie vielleicht noch einige Tage länger) vor Erkrankungsbeginn in einem Land der arabischen Halbinsel aufgehalten hatte oder sogar einen Kontakt mit einem Patienten mit bestätigter MERS-CoV-Infektion hatte. © rme/aerzteblatt.de

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