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Ärzteschaft

Pro und Contra: Medizinstudienplätze im Ausland finanzieren

Montag, 3. Juni 2013

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen finanziert Studienplätze an der Universität Pécs in Ungarn. Die Studierenden verpflichten sich dafür, anschließend fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen zu arbeiten. Ist das ein sinnvoller Ansatz um den Ärztemangel zu bekämpfen? Ein Pro und Contra.

Klaus Heckemann: Modellprojekt bekämpft Ärztemangel

Die KV Sachsen hat das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ vor dem Hintergrund des Hausärztemangels initiiert. Derzeit gibt es im hausärztlichen Bereich 340 offene Stellen in Sachsen. Prognosen, wie sich die Zahl der Hausärzte entwickeln wird, sind schwierig, da es keine feste Altersgrenze gibt. Oft arbeiten Ärzte über das gesetzliche Rentenalter hinaus in ihrer Praxis. Um die geförderten Studenten frühzeitig an die hausärztliche Praxis heranzuführen, sollen sie während ihres Studiums jährlich zwölf Praxistage in einer Hausarztpraxis in Sachsen absolvieren. Sofern Teilnehmer aus dem Projekt aussteigen, sind sie dazu verpflichtet, die durch die KV Sachsen gezahlten Studiengebühren zuzüglich einer Verzinsung zurückzuzahlen.

Vorausgegangen war der Initiative ein 20 Punkte-Programm der Sächsischen Staats­regierung zur Bekämpfung des Ärztemangels aus dem Jahr 2011. Hier wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Erhöhung der Studienplatzkapazitäten für das Fach Human­medizin durch Einrichtung von 20 zusätzlichen Studienplätzen an den sächsischen Universitäten. Das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat beide Vorschläge geprüft und festgestellt, dass die Universitäten beide Maßnahmen aus rechtlichen Gründen nicht umsetzen können.

Daher hat sich die KV Sachsen dazu entschlossen, die Ausbildung zusätzlicher Medizin­studenten an einer europäischen Universität zu fördern. Die Wahl einer ungarischen Universität ergab sich aufgrund der langjährigen Erfahrungen der ungarischen Universi­täten mit der Ausbildung europäischer Studierender und aufgrund des Angebots eines deutschsprachigen Studiengangs Humanmedizin. Das Medizin­studium in Ungarn ist von hoher Qualität. Die Kooperation zwischen der KV Sachsen und der Universität Pécs wird seitens der ungarischen Botschaft begrüßt. Zudem stehen der Stellvertretende KV-Vor­stands­vorsitzende Heiner Porst und ich selbst in engem Kontakt zu der Universität.

Pascal Nohl-Deryk: Unrealistisches Modell

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) beschäftigt sich intensiv mit den Problemen der ärztlichen Versorgung in strukturschwachen Regionen. Schließlich liegt es im Interesse der Bevölkerung, die ärztliche Versorgung wohnortnah und zeitlich möglichst uneingeschränkt bereitzuhalten.
Wir als bvmd sehen uns mit der Unterversorgung einem multifaktoriellen Problem gegenübergestellt, welches einen vielschichtigen, kausalen Lösungsansatz benötigt.

Daher kann es weder politisch noch ärztlich gewollt sein, dieses Problem nur sympto­matisch zu behandeln und damit Gefahr zu laufen, die eigentlichen Gründe zu kaschieren. Eine Landarztquote durch die Hintertür birgt aber genau diese Gefahr! Dass angehende Studierende sich circa elf Jahre vor Aufnahme ihrer ärztlichen Tätigkeit verpflichten sollen, in einer bestimmten Fachrichtung zu praktizieren, erscheint mir unrealistisch.

Pascal Nohl-Deryk, Stellvertretener Bundeskoor-dinator  der AG Gesundheitspolitik der bvmd

Es schränkt auch die freie Entfaltung während des Studiums ein und kann Studierende daran hindern, ein bestimmtes Fach für sich zu entdecken. Das Fach der Allgemein­medizin ist zurzeit ein eher unattraktives Fach für Studierende. Es ist daher kontra­produktiv das Fach noch weiter in die Ecke zu stellen, in dem es den Beigeschmack bekommt, von denen praktiziert zu werden, die es nicht auf die „offenen Plätze“ des Studiums geschafft haben. Das hat die Allgemeinmedizin nicht verdient.

Die bvmd möchte konstruktiv an der Attraktivität der Primärversorgung in struktur­schwachen Gebieten arbeiten! © hil/aerzteblatt.de

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