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Medizin

Cochrane: Probiotika können Antibiotika-Diarrhöe vorbeugen

Montag, 3. Juni 2013

Toronto – Probiotika haben das Potenzial, einer Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) vorzubeugen, die zu den gefürchteten Komplikationen einer Antibiotikatherapie gehört. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in der Cochrane Library (2013; doi: 10.1002/14651858.CD006095.pub3).

Die meisten Patienten erholen sich von der Störung der Darmflora, zu der es unter einer Antibiotikatherapie kommt, und die manchmal mit weichem Stuhlgang oder einer milden Durchfallerkrankung einhergehen kann. Die Diarrhö kann persistieren, wenn C. difficile den Platz abgetöteter Darmkeime auf Dauer übernimmt. Als Gegenmaßnahme wird zur Einnahme von Probiotika geraten, die in Joghurts oder als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden. Die Wirksamkeit ist allerdings umstritten und für die einzelnen Präparate klinisch nicht ausreichend geprüft.

Bradley Johnston vom Hospital for Sick Children in Toronto und Kollegen haben jetzt die Ergebnisse aus 23 Einzelstudien mit 4.213 Erwachsenen und Kindern zusammengefasst. Dort erkrankten unter Probiotika 2 Prozent der Teilnehmer an einer CDAD, während es in den Placebo-Armen 6 Prozent waren. Johnston ermittelte ein relatives Risiko von 0,36 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,51. Demnach würden Probiotika das Risiko einer CDAD um nicht weniger als 64 Prozent senken.

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Die Autoren versehen dieses Ergebnis allerdings mit einem Fragezeichen. Sie stufen die Evidenz als mäßig („moderate“) ein, da es in den Studien relativ wenige Erkrankungen gegeben hatte. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, hätte etwa die doppelte Anzahl von Patienten untersucht werden müssen, schreibt Johnston.

In einer anderen Auswertung zur Inzidenz von C. difficile-Infektionen (die nicht notwendigerweise zur CDAD führen müssen), konnten die Autoren keine protektive Wirkung nachweisen: Nach Einnahme von Probiotika entwickelten 12,6 Prozent der Patienten eine Infektion, unter Placebo waren es mit 12,7 Prozent etwa genauso viele. Das relative Risiko betrug 0,89 und blieb bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,64 bis 1,24 ohne statistische Signifikanz.

Johnston hält es für möglich, dass die Probiotika eher die Symptome einer C. difficile-Infektion verhindern als der Infektion selber vorbeugen. Diese Frage sollte allerdings in weiteren Studien untersucht werden, meint er. Hinzu kommt, dass sich die einzelnen Probiotika in der Zusammensetzung unterscheiden und die protektive Wirkung von Präparat zu Präparat unterschiedlich sein könnte.

Sicherheitsprobleme gibt es nach der Meta-Analyse jedoch nicht. Unter den Probiotika kam es zu 20 Prozent seltener zu Nebenwirkungen als in den Placebo-Armen der Studie (relatives Risiko 0,80; 0,68 bis 0,95). Am häufigsten traten in den Studien abdominale Krämpfe, Nausea, Fieber, weiche Stühle, Flatulenz und Störungen der Geschmacks­empfindung auf. Hier lässt sich im Einzelfall sicher nicht trennen, ob es sich um Folgen der Probiotika-Behandlung oder doch eher um Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie gehandelt hat. © rme/aerzteblatt.de

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