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Medizin

Avastin enttäuscht bei Glioblastom

Montag, 3. Juni 2013

Houston – Der Angiogenesehemmer Bevacicumab (Avastin) hat in einer zentralen Studie zur Primärtherapie des Glioblastoms enttäuscht. Nach den jetzt auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellten Ergebnissen konnte Beva­cicumab weder das progressions­freie, noch das Gesamtüberleben signifikant verlängern.

Bevacicumab hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Therapie des Glioblas­toms entwickelt, dem häufigsten malignen Hirntumor. In den USA, wo das Medikament bei diesem Tumor zur Zweitlinientherapie bereits zugelassen ist, soll die Therapie dem Vernehmen nach fast allen Patienten (die es sich leisten können) angeboten werden. In Deutschland erfolgt die Therapie mangels Zulasssung in dieser Indikation „off-label“.

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Bevacicumab hemmt den endothelialen Wachstumfaktor VEGF-A, den Glioblastome bilden, um genügend Sauerstoff- und Nährstoffe für die Proliferation zu erhalten. In der vom US-National Cancer Institute geförderten Studie RTOG 0825 wurde Bevacicumab erstmals in einer größeren Studie zur Erstlinientherapie eingesetzt.

Nach der Resektion des Hirntumors (soweit möglich) erhielten die 637 Patienten der Studie Bevacicumab oder Placebo zusätzlich zur Standardtherapie, die beim Glioblastom aus einer hochdosierten Bestrahlung (60 Gray) plus Temozolomid besteht. Primäre Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamt­überleben.

Wie Studienleiter Mark Gilbert vom MD Anderson Cancer Center in Houston/Texas jetzt mitteilt, wurde keines der beiden Ziele erreicht. Das progressionsfreie Überleben wurde zwar von 7,3 auf 10,7 Monate verlängert. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Und das Gesamtüberleben war im Placebo-Arm, wenn auch nur tendenziell mit 16,1 versus 15,7 Monaten sogar länger.

Hinzu kommt, dass Bevacicumab mit einer höheren Rate von Toxizitäten verbunden war wie Hypertonie, Blutungen, tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien und gastro­intes­tinale Perforationen (diese Komplikationen könnten im Prinzip erklären, warum trotz eines längeren progressionsfreien Überlebens die Gesamtüberlebenszeit sinkt).

Als besonders enttäuschend bezeichnete Gilbert, dass trotz der genauen Stratifizierung der Patienten nach molekularen prognostischen Markern wie MGMT-Status oder einem 9-Gen-Assay keine Subgruppen gefunden wurden, in denen Bevacicumab eine Wirkung zeigen könnte. Damit fehlen Anregungen für weitere Studien. Eine Erweiterung der Zulassung auf die Primärtherapie des Tumors dürfte mit der Studie in weite Ferne gerückt sein. © rme/aerzteblatt.de

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