Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesregierung lässt Arzneimittelversuche in der DDR untersuchen

Mittwoch, 5. Juni 2013

Christoph Bergner dpa

Berlin – Die umstrittenen Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen in DDR-Kli­niken werden an der Berliner Charité wissenschaftlich untersucht. Ein entsprechendes Forschungsvorhaben sei nun auf den Weg gebracht, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Charité und Bundesinnenministerium am Mittwoch. Das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt unter Leitung des Charité-Medizinhistorikers Volker Hess soll am 15. Juni starten.

„Aus Sicht der Bundesregierung besteht ein erhebliches Interesse an einer gründlichen und umfassenden Aufklärung des Sachverhalts“, betonte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner, am Mittwoch. Ziel sei es, zunächst alle in der DDR im Auftrag von Westfirmen durchgeführten Versuche zu erfassen und darüber hinaus auch ausgewählte Fallstudien zu sichten.

Das Bundesinnenministerium übernimmt rund 70 Prozent der Finanzierung. 30 Prozent steuern die Bundesstiftung Aufarbeitung, die Pharmaindustrie, die Bundes­ärzte­kammer und einige Lan­des­ärz­te­kam­mern bei. Über das Gesamtvolumen gab es keine Angaben.

Auch über die Details der weiteren Untersuchungen wollten sich die Beteiligten zunächst nicht äußern. Hess arbeitet jedoch schon seit längerem an der Aufarbeitung und hat bereits große Mengen Material gesammelt. Am Donnerstagabend lädt der Stasi-Bundesbeauftragte Roland Jahn zu einer Podiumsdiskussion zum Thema.

Nach ersten Schätzungen sind in mehr als 50 Kliniken 400 bis 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden. Mehr als 50.000 Patienten sollen nach derzeitigem Wissensstand daran teilgenommen haben – teils möglicherweise unwissentlich. Für die Testreihen haben westdeutsche Firmen Geldsummen in Höhe von vielen hunderttausend D-Mark gezahlt, wie aus Akten im Bundesarchiv hervorgeht. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.06.17
Charité zu DDR-Zeit von Stasi beeinflusst
Berlin – Die Arbeit der Berliner Universitätsklinik Charité ist zur DDR-Zeit maßgeblich vom damaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beeinflusst worden. „Das war auch das Ergebnis einer......
12.06.17
Leiden – Die schweren Hirnschädigungen, zu denen es im Januar 2016 in Frankreich bei ersten klinischen Tests eines vermeintlich harmlosen Fettsäureamid-Hydrolase-Inhibitors kam, sind möglicherweise......
17.05.17
Unerwünschte Arzneimittel­wirkungen auch von Erwartungen abhängig
London – Patienten, die nicht wissen, dass sie ein Statin einnehmen, zeigen weniger Nebenwirkungen als diejenigen, die sich der Wirkungen und Nebenwirkungen des Medikaments, das sie einnehmen, bewusst......
26.04.17
Schwerin – In Mecklenburg-Vorpommern wird mit rund 1.500 Psychiatrie-Geschädigten der DDR gerechnet, die Unterstützung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ erhalten können. Die Anlauf- und......
04.04.17
Basel – An der Psychiatrischen Klinik in Basel hat es in der Nachkriegszeit regelmäßig Medikamententests an Patienten gegeben. Es sollen deutlich mehr als 1.000 Menschen betroffen sein, hieß es in......
06.03.17
Dresden – An ihren Vornamen kann sich Helene Petersen* an diesem Vormittag erstmal nicht erinnern. Doch bei Fragen nach ihrem früheren Leben fallen der 95-Jährigen sogar Details ein. Beispielsweise......
16.12.16
Bundesrat beschließt zahlreiche Reformen
Berlin – Der Bundesrat hat heute zahlreiche Reformen rund um die Themen Gesundheit und Soziales gebilligt. Es geht unter anderem um Arzneimittel, Pflege sowie die Teilhabe von behinderten Menschen.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige