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Ausland

„Ärzte ohne Grenzen“ fordert mehr Engagement für Syrien

Donnerstag, 6. Juni 2013

Die zerstörte Stadt Qusair in der provinz Homs /dpa

Berlin – Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat von der internationalen Staatengemeinschaft, aber auch von anderen Hilfsorganisationen mehr humanitäres Engagement für die Syrer gefordert. „Die Not der Menschen sei unvorstellbar groß“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion, Tankred Stöbe, heute in Berlin. Die derzeit geleistete Hilfe in Syrien selbst und in den Nachbarländern sei bei weitem nicht ausreichend. Nach seiner Einschätzung werden die Menschen im Land möglicherweise jahrelang auf Hilfe angewiesen sein. „Ärzte ohne Grenzen“ werde in diesem Jahr mindestens 31 Millionen Euro für die Syrienhilfe ausgeben. Morgen findet in Genf ein UN-Treffen zur Syrienhilfe statt. 

Die deutsche Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 57,3 Millionen Euro für Hilfsprojekte weltweit ausgegeben. Eingenommen wurden 71 Millionen Euro. Damit habe das Ergebnis über den Erwartungen gelegen. Mit 63,1 Millionen Euro stammten rund 90 Prozent der Einnahmen aus privaten Spenden und Zuwendungen. Die Hilfsorganisation wurde in Deutschland vor 20 Jahren gegründet.

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Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ wurde in Deutschland am 9. Juni 1993 in Bonn gegründet. International gibt es sie bereits seit 1971. In der Bundesrepublik wollte „Ärzte ohne Grenzen“ nach eigenen Angaben zunächst lediglich qualifizierte Mitarbeiter für laufende Projekte finden. Das änderte sich mit Beginn des Völkermords in Ruanda 1994. Hunderte Ärzte, Krankenschwestern und Logistiker hätten sich damals gemeldet und ihre Mitarbeit angeboten, berichtet „Ärzte ohne Grenzen“-Geschäftsführer Frank Dörner.

Seitdem ist die Organisation stark gewachsen. Von Bonn zog die Initiative vor 13 Jahren nach Berlin. Als große Krisen, bei denen die Organisation in den vergangenen Jahren helfen konnte, nennt sie die Ernährungskrise im heutigen Südsudan im Jahr 1998, den Tsunami an den Küsten des Indischen Ozeans Ende 2004 sowie das schwere Erdbeben und den Cholera-Ausbruch in Haiti im Jahr 2010.

Die Organisation richtet sich darüber hinaus immer wieder mit Appellen an Regierungen, Armeen und Rebellen, wenn Zivilisten leiden. Das internationale Netzwerk erhielt für sein Engagement 1999 den Friedensnobelpreis.

Derzeit ist „Ärzte ohne Grenzen“ in 19 Ländern tätig. Der Hauptsitz ist in Genf. Jährlich werden für Projekte der Organisation etwa 3.000 Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern, Hebammen und Logistiker herangezogen. Zu rund 90 Prozent finanziert sich „Ärzte ohne Grenzen“ aus Privatspenden. Das internationale Netzwerk verfügt über ein jährliches Budget von mehr als 600 Millionen Euro. Die deutsche Sektion nahm im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 71 Millionen Euro ein.

Die Stimmung in den Flüchtlingslagern der Nachbarländer Syriens sei sehr angespannt, so Stöbe weiter. Insgesamt suchten derzeit rund 1,5 Millionen Syrer Schutz jenseits der Grenzen. Allein im jordanischen Lager Zaatari bräuchten rund 100.000 syrische Flüchtlinge dringend mehr internationale Hilfe.

Ohne Unterstützung blieben der jordanischen Regierung nur zwei Möglichkeiten: den Zugang syrischer Flüchtlinge ins Land zu blockieren oder bereits jetzt nicht ausreichende Hilfsangebote weiter einzuschränken.

Stöbe forderte, dass unparteiische und unabhängige Hilfe auch über Grenz- und Konfliktlinien hinweg ermöglicht werde. Die Bundesregierung müsse ihren Einfluss geltend machen, damit die syrische Regierung sich mehr für unabhängige humanitäre Hilfe öffne.

Zudem müsse es denjenigen Syrern, die das Land verlassen wollen, möglich sein, ungehindert über die Grenzen zu kommen.kna

© hil/aerzteblatt.de

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