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Medizin

Avandia: FDA soll Anwendungs­einschränkungen lockern

Freitag, 7. Juni 2013

dpa

Rockville – Externe Gutachter haben der US-Arzneibehörde FDA geraten, die Anwendungseinschränkungen für das orale Antidiabetikum Avandia (Wirkstoff Rosiglitazon) zu lockern. Grundlage ist eine Überprüfung der RECORD-Studie, die die Vermutungen von Kritikern nicht bestätigen konnte. Ob die FDA dem Ratschlag folgt, ist offen.

Rosiglitazon war 1999 (in Europa 2000) als Vertreter der Thiazolidinedione eingeführt worden. Der Insulinsensitizer wirkt der Insulinresistenz, die als Ursache des Typ 2-Diabetes gilt, entgegen. Avandia (und die Kombinationspräparate Avandamet und Avaglim) wurden sehr häufig verschrieben. Der Hersteller Glaxo soll zeitweise 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr mit dem Blockbuster umgesetzt haben.

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Die Wende kam 2007, als der US-Kardiologe Stephen Nissen von der Cleveland Clinic in einer Meta-Analyse Rosiglitazon mit einem um 42 Prozent erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung brachte. Der Hersteller konterte mit den Ergebnissen der Rosiglitazone Evaluated for Cardiovascular Outcomes and Regulation of Glycemia in Diabetes (RECORD), in der ein derartiges Risiko nicht erkennbar war.

Es folgte eine jahrelange Kontroverse, an deren Ende im September 2010 die Suspension der Zulassung in Europa stand. In den USA blieb Avandia auf dem Markt, die US-Arzneibehörde FDA verfügte allerdings eine strikte „Risk Evaluation and Mitigation Strategy“ (REMS), die die Verordnung auf zertifizierte Ärzte und die Abgabe über spezielle Apotheken beschränkte. Außerdem wurde Avandia auf ein Reservemedikament zurückgestuft.

Dies und sicherlich auch die öffentliche Diskussion über die Risiken führten dazu, dass am Schluss in den USA nur noch wenige tausend Patienten das Medikament erhielten. Da inzwischen auch der Patentschutz abgelaufen ist, dürfte das wirtschaftliche Interesse von Glaxo erlahmt sein. Der Generikahersteller Teva hat seine Ankündigung, in den USA ein Generikum auf den Markt zu bringen, bisher nicht umgesetzt.

Jetzt liegen die Ergebnisse einer Überprüfung der RECORD-Studie vor, zu der die FDA den Hersteller seinerzeit verpflichtet hatte. Dem Hersteller war seinerzeit vorgeworfen worden, die Rohdaten der nicht-geblindeten Studie mehr oder weniger bewusst manipuliert zu haben, um die Ergebnisse zu verzerren (was allerdings niemals belegt wurde).

Die Prüfung war – finanziert vom Hersteller – vom Duke Clinical Research Institute (DCRI) durchgeführt worden, das jetzt die ursprünglichen Ergebnisse der Record-Studie bestätigt, wonach Rosiglitazon das Herzinfarktrisiko nicht erhöht. Dies überzeugte jetzt die Mehrheit der 26 Gutachter, die die FDA zu einer Tagung eingeladen hatte. Sie sprachen sich dafür aus, die REMS entweder zu modifizieren (13 Gutachter) oder zu beenden (7 Gutachter). Nur 5 Gutachter waren dafür, die REMS beizubehalten.

Ein einziger forderte, das Medikament wie in Europa vom Markt zu nehmen. Die FDA ist nicht an das Votum gebunden, richtet sich allerdings in der Regel danach. Nissen hielt übrigens in einem Beitrag für das Wirtschaftsmagazin an seiner Kritik der RECORD-Studie fest. Beobachter rechnen nicht damit, dass Avandia als orales Antidiabetikum in den USA wieder eine große Rolle spielen wird. © rme/aerzteblatt.de

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