NewsVermischtesWas Patienten wichtig ist
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Was Patienten wichtig ist

Montag, 10. Juni 2013

dpa

Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) möchte Patienten bei Kosten-Nutzen-Bewertungen stärker. Dazu hat das Institut eine Methode namens Analytic Hierarchy Process (AHP) erprobt. Die Kölner Wissenschaftler wollten herausfinden, ob die Methode zeigen kann, welche Therapieziele Patienten wichtig sind.

Bei Kosten-Nutzen-Bewertungen arbeitet das IQWiG mit einer speziellen Methode, dem sogenannten Effizienzgrenzen-Konzept. Diese Grenzen lassen sich für ein einzelnes Zielkriterium wie Mortalität, Morbidität oder Lebensqualität bestimmen. Allerdings gibt es oft die Notwendigkeit, die Effizienzgrenzen für verschiedene patientenrelevante Endpunkte zu einer Gesamtbewertung zusammenzufassen. Dabei müssen die Wissenschaftler die Einzelergebnisse gewichten. „Dafür kann man beispielsweise die Präferenzen von Patienten heranziehen“, hieß es aus Köln.

Anzeige

Das IQWiG hat deshalb in zwei Pilotprojekten die beiden international am weitesten verbreiteten Methoden erprobt, mit denen sich Patientenpräferenzen ermitteln lassen: den AHP und die sogenannte Conjoint Analysis (CA). Für den AHP liegt der Bericht nun vor.

Für die Pilotstudie wählten die Wissenschaftler die medikamentöse Behandlung der Depression zum Gegenstand und führten strukturierte Interviews mit Patienten und Ärzten. Die Teilnehmer sollten dabei entscheiden, welches von jeweils zwei Kriterien ihnen wichtiger erscheint – ob es für sie beispielsweise wichtiger ist, dass ein Medikament Ängste oder Schmerzen verringert. Die Befragten konnten mit Hilfe einer von -9 bis +9 reichenden Skala festlegen, wie viel wichtiger ihnen ein Kriterium ist. Aus den Einzelergebnissen aller paarweisen Vergleiche errechnete das IQWiG dann für jedes Zielkriterium das Gewicht.

Depression: Unterschiedliche Präfenrenzen von Patienten und Ärzten
Dabei zeigte sich, dass an Depression erkrankte Patienten zum Teil deutlich andere Präferenzen haben als behandelnde Ärzte. Zwar identifizierten beide Gruppen von elf Zielkriterien dieselben sechs als die bedeutsamsten. Allerdings verteilten sie die Gewichte zwischen diesen sechs sehr unterschiedlich. So gewichteten Patienten das Ansprechen auf die Therapie am höchsten, wohingegen den Ärzten die Remission, also das Verschwinden depressionsbedingter Symptome, am wichtigsten war. Die Remission stand bei den Patienten erst an sechster Stelle.

Nach diesem Pilotprojekt mit einer kleinen Zahl von Teilnehmern beurteilt das IQWiG den AHP als grundsätzlich geeignete und handhabbare Methode. „Patienten kommen damit zurecht und das Verfahren liefert brauchbare Ergebnisse. Man könnte AHP also einsetzen, wenn es darum geht, Endpunkte zu gewichten“, sagte Andreas Gerber-Grote, Leiter des Ressorts Gesundheitsökonomie im IQWiG. Das gelte für Nutzenbewertungen ebenso wie für Kosten-Nutzen-Bewertungen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juli 2020
Berlin – Niedergelassene Ärzte erhalten voraussichtlich erst ab Oktober strukturierte Informationen zur frühen Nutzenbewertung in ihrer Arzneimittelverordnungssoftware. Darauf weist die
Arztinformationssystem: Frühe Nutzenbewertung erst ab Oktober
26. Februar 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) will die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften und die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) künftig im Vorfeld der frühen
Nutzenbewertung: G-BA bezieht medizinische Fachgesellschaften stärker ein
21. Februar 2020
Karlsruhe – Das Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG) hat einer Frau nach der Geburt ihres schwerbehinderten Kindes Schmerzensgeld zugesprochen, weil die behandelnden Ärzte die Mutter während der
Schmerzensgeld nach Geburt von schwerbehindertem Kind
19. Februar 2020
Köln – Wer das Internet nach Krankheitssymptomen durchsucht, steigert damit seine Sorgen über die eigene Gesundheit. Das konnte ein Team um Alexander Gerlach, Professor am Lehrstuhl für Klinische
Cyberchondriasis: Dr. Google schürt Sorgen
18. Februar 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) sollte die Register finanzieren, in denen anwendungsbegleitend Daten zum Zusatznutzen von neuen Arzneimitteln gesammelt und ausgewertet werden. Das hat
Arzneimittelnutzenbewertung: Gemeinsamer Bundes­aus­schuss sollte Register finanzieren
7. Februar 2020
Berlin – Zugelassene Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) – also für die Gen-, Zell-und Gewebetherapie – sollen künftig mit Ausnahme biotechnologisch bearbeiteter Gewebeprodukte automatisch die
Gen-, Zell- und Gewebetherapie sollen der Nutzenbewertung unterliegen
24. Januar 2020
Berlin – Auch Daten aus elektronischen Patientenakten und aus den Abrechnungen der Krankenkassen sollten in die Bewertung des Zusatznutzens neuer Arzneimittel einfließen. Dafür hat sich heute in
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER