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Medizin

CT-Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter steigern Krebsrisiko

Dienstag, 11. Juni 2013

dpa

Davis/Melbourne – Da die Körperzellen bei Kindern und Jugendlichen strahlensensibler reagieren als bei Erwachsenen, sollte die Indikation zu Röntgenuntersuchungen zurück­haltend gestellt werden. Zu den gefürchteten Strahlenfolgen zählt das Krebsrisiko, das jetzt in zwei Studien aus den USA und Australien berechnet wurde – mit verschiedenen Methoden, aber durchaus vergleichbaren Ergebnissen.

Dass Röntgenstrahlen Krebs erzeugen können, steht außer Zweifel. Dass die Strahlendosis bei der Computertomographie um ein Vielfaches (Faktor 100 bis 500) höher ist als beim konventionellen Röntgen, ist ebenfalls bekannt. Wie hoch das Krebsrisiko für die einzelnen Patienten ist, lässt sich zum einen mathematisch abschätzen. Grundlage sind dabei die bekannte Strahlendosis der einzelnen Untersuchungen und das empirische Krebsrisiko, das in der “Life Span Study“ unter den Überlebenden der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki ermittelt wurde.

Diana Miglioretti von der Universität von Kalifornien in Davis und Mitarbeiter kommen in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.311) zu dem Ergebnis, dass bei Mädchen (wo das Risiko höher war als bei Jungen) auf jede 300. bis 390. CT-Auf­nahme von Abdomen und Becken eine zusätzliche Krebserkrankung kommt. Bei Wirbelsäulen-Scans waren es, abhängig vom Alter, eine zusätzliche Krebserkrankung auf 270 bis 800 Untersuchungen.

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Nach CT-Scans des Kopfes steigt vor allem das Leukämierisiko. Für Kinder unter 5 Jahre ermittelt Miglioretti 1,9 zusätzliche Erkrankungen auf 10.000 CTs. In den USA könnten die dort sehr häufigen Computertomographien jedes Jahr 4.870 Krebserkrankungen induzieren, die sich im Verlauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte manifestieren. Miglioretti rechnet vor, dass die Zahl um 43 Prozent gesenkt werden könnte, wenn CT-Untersuchungen mit den höchsten Strahlendosierungen vermieden würden.

Einen anderen, epidemiologischen Ansatz verfolgt John Mathews von der Universität Melbourne zusammen mit britischen Forschern im BMJ (2013; 346: f2360). Grundlage sind Abrechnungsdaten der staatlichen australischen Krankenversorgung Medicare aus den Jahren 1985 bis 2005: Unter den 10,9 Millionen Versicherten waren 680.211 Kinder und Jugendliche, bei denen im Alter von unter 20 Jahren eine CT-Untersuchung durchgeführt worden war.

Von diesen sind 3.150 während einer Nachbeobachtungszeit von 9,5 Jahren an Krebs erkrankt. In den meisten Fällen dürfte die Krebserkrankung andere Ursachen gehabt haben als die Strahlenbelastung beim CT. Doch insgesamt war die Krebsrate nach CT-Untersuchungen um 24 Prozent höher als unter den Versicherten, bei denen kein CT im Kindes- oder Jugendalter angefertigt wurde (Inzidenzrate IRR 1,24; 1,20-1,29). Das Risiko stieg mit jeder weiteren Untersuchung um 16 Prozent.

Mathews schätzt, dass auf 1.800 CT-Untersuchungen eine zusätzliche Krebserkrankung kommt. Bei den Schädel-CT war es ein zusätzlicher Hirnkrebs auf 4000 Scans. Mit einer längeren Nachbeobachtungszeit dürfte das Verhältnis mit der Zeit noch ungünstiger werden und sich den Zahlen annähern, die Miglioretti ermittelt hat.

Auch wenn die Zahl der zusätzlichen Krebserkrankungen bezogen auf die Gesamtbevölkerung gering ist – Mathews beziffert den Anstieg mit 9,3 pro 100.000 Personenjahre – scheint das Risiko doch real zu sein. Beide Arbeitsgruppen sprechen sich dafür aus, CT-Untersuchungen auf das notwendige Maß zu beschränken und mit der niedrigstmöglichen Strahlendosis durchzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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