NewsMedizinCT-Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter steigern Krebsrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

CT-Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter steigern Krebsrisiko

Dienstag, 11. Juni 2013

dpa

Davis/Melbourne – Da die Körperzellen bei Kindern und Jugendlichen strahlensensibler reagieren als bei Erwachsenen, sollte die Indikation zu Röntgenuntersuchungen zurück­haltend gestellt werden. Zu den gefürchteten Strahlenfolgen zählt das Krebsrisiko, das jetzt in zwei Studien aus den USA und Australien berechnet wurde – mit verschiedenen Methoden, aber durchaus vergleichbaren Ergebnissen.

Dass Röntgenstrahlen Krebs erzeugen können, steht außer Zweifel. Dass die Strahlendosis bei der Computertomographie um ein Vielfaches (Faktor 100 bis 500) höher ist als beim konventionellen Röntgen, ist ebenfalls bekannt. Wie hoch das Krebsrisiko für die einzelnen Patienten ist, lässt sich zum einen mathematisch abschätzen. Grundlage sind dabei die bekannte Strahlendosis der einzelnen Untersuchungen und das empirische Krebsrisiko, das in der “Life Span Study“ unter den Überlebenden der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki ermittelt wurde.

Anzeige

Diana Miglioretti von der Universität von Kalifornien in Davis und Mitarbeiter kommen in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.311) zu dem Ergebnis, dass bei Mädchen (wo das Risiko höher war als bei Jungen) auf jede 300. bis 390. CT-Auf­nahme von Abdomen und Becken eine zusätzliche Krebserkrankung kommt. Bei Wirbelsäulen-Scans waren es, abhängig vom Alter, eine zusätzliche Krebserkrankung auf 270 bis 800 Untersuchungen.

Nach CT-Scans des Kopfes steigt vor allem das Leukämierisiko. Für Kinder unter 5 Jahre ermittelt Miglioretti 1,9 zusätzliche Erkrankungen auf 10.000 CTs. In den USA könnten die dort sehr häufigen Computertomographien jedes Jahr 4.870 Krebserkrankungen induzieren, die sich im Verlauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte manifestieren. Miglioretti rechnet vor, dass die Zahl um 43 Prozent gesenkt werden könnte, wenn CT-Untersuchungen mit den höchsten Strahlendosierungen vermieden würden.

Einen anderen, epidemiologischen Ansatz verfolgt John Mathews von der Universität Melbourne zusammen mit britischen Forschern im BMJ (2013; 346: f2360). Grundlage sind Abrechnungsdaten der staatlichen australischen Krankenversorgung Medicare aus den Jahren 1985 bis 2005: Unter den 10,9 Millionen Versicherten waren 680.211 Kinder und Jugendliche, bei denen im Alter von unter 20 Jahren eine CT-Untersuchung durchgeführt worden war.

Von diesen sind 3.150 während einer Nachbeobachtungszeit von 9,5 Jahren an Krebs erkrankt. In den meisten Fällen dürfte die Krebserkrankung andere Ursachen gehabt haben als die Strahlenbelastung beim CT. Doch insgesamt war die Krebsrate nach CT-Untersuchungen um 24 Prozent höher als unter den Versicherten, bei denen kein CT im Kindes- oder Jugendalter angefertigt wurde (Inzidenzrate IRR 1,24; 1,20-1,29). Das Risiko stieg mit jeder weiteren Untersuchung um 16 Prozent.

Mathews schätzt, dass auf 1.800 CT-Untersuchungen eine zusätzliche Krebserkrankung kommt. Bei den Schädel-CT war es ein zusätzlicher Hirnkrebs auf 4000 Scans. Mit einer längeren Nachbeobachtungszeit dürfte das Verhältnis mit der Zeit noch ungünstiger werden und sich den Zahlen annähern, die Miglioretti ermittelt hat.

Auch wenn die Zahl der zusätzlichen Krebserkrankungen bezogen auf die Gesamtbevölkerung gering ist – Mathews beziffert den Anstieg mit 9,3 pro 100.000 Personenjahre – scheint das Risiko doch real zu sein. Beide Arbeitsgruppen sprechen sich dafür aus, CT-Untersuchungen auf das notwendige Maß zu beschränken und mit der niedrigstmöglichen Strahlendosis durchzuführen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. März 2020
Oberschleissheim – Die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection – ICNIRP) hat neue Richtlinien für die
Neue Richtlinien zu elektromagnetischen Feldern sollen gesundheitlichen Schäden vorbeugen
12. Februar 2020
Freiburg – Forscher des Universitätsklinikums Freiburg um Nils Nicolay von der Klinik für Strahlenheilkunde untersuchen die Einflüsse kosmischer Strahlung auf blutbildende Stammzellen. Dies ist
Strahlenforschung für bemannte Weltraummissionen
10. Dezember 2019
Hamilton/Ontario – Eine beschleunigte Teilbrustbestrahlung, die die Radiotherapie von einem Monat auf eine Woche verkürzt, hat in einer randomisierten Studie nach einer brusterhaltenden Lumpektomie
Mammakarzinom: Akzelerierte Teilbrustbestrahlung in Studie langfristig mit schlechteren kosmetischen Ergebnissen
28. November 2019
Bremen – Das Bundesamt für Strahlenschutz finanziert eine Studie von Wissenschaftlern der Jacobs University Bremen zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen des neuen Mobilfunkstandards 5G. Das
Wissenschaftler untersuchen Auswirkungen von 5G auf Zellen
27. November 2019
Berlin – Handy, Kernkraft oder Radon: Viele Deutsche wissen nicht, was die wichtigsten Quellen für Strahlung im Alltag sind und was für sie gefährlich sein könnte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage,
Strahlenschutzamt: Deutsche beurteilen Strahlungsrisiken falsch
9. Oktober 2019
München – Mehr als drei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind einzelne Wildpilzarten in Bayern immer noch stark mit radioaktivem Cäsium belastet. Außergewöhnlich hoch belastete
Pilze sind 33 Jahre nach Tschernobyl immer noch radioaktiv belastet
12. September 2019
Kassel – Strahlenschäden durch Atomwaffentests der früheren Sowjetunion können bei Spätaussiedlern zu Versorgungsansprüchen in Deutschland führen. Dafür muss der Zusammenhang mit der radioaktiven
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER