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Medizin

Niederlande: Weniger schwere Komplikationen nach Hausgeburten

Freitag, 14. Juni 2013

dpa

Amsterdam – In den Niederlanden entscheiden sich zwei von drei Schwangere mit niedrigem Risiko für eine Hausgeburt. Das Komplikationsrisiko war in einer jetzt im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f3263) veröffentlichten Kohortenstudie sogar niedriger als bei einer geplanten Geburt in der Klinik.

Die Hebamme Ank de Jonge vom VU University Medical Center in Amsterdam stützt sich bei ihrer Analyse auf zwei Datenquellen. Die erste ist das landesweite Perinatalregister, an dem sich 95 bis 99 Prozent aller Hebammen des Landes beteiligen. Die zweite Quelle waren die Daten der LEMMoN-Studie, die über einen Zeitraum von 2 Jahren alle Komplikationen auf den 98 geburtshilflichen Stationen des Landes sammelte. Dort wurde auch registriert, ob es eine Klinik- oder Hausgeburt war.

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Die aktuelle Auswertung ist auf Schwangerschaften mit einem niedrigen Risiko beschränkt. Die Kriterien sind eine Einzelschwangerschaft, Schädellage des Kindes und dem Fehlen von medizinischen oder geburtshilflichen Komplikationen (etwa einem früheren Kaiserschnitt). Von 146.752 Frauen entschieden sich 92.333 (62,9 Prozent) für eine Hausgeburt, die anderen 54.419 (37,1 Prozent) zogen eine Entbindung in der Klinik vor.

Endpunkt der Studie waren schwere Komplikationen: Dazu zählten eine Überweisung der Mutter auf eine Intensivstation, die Diagnose einer Eklampsie, die Infusion von vier oder mehr Erythrozytenkonzentraten, eine postpartale Blutung und die Notwendigkeit einer manuellen Entfernung der Plazenta.

Geringe Komplikationsrate
Die Komplikationsrate war insgesamt gering. De Jonge gibt sie bei Nullipara nach einer geplanten Hausgeburt mit 2,3 auf 1000 Frauen und nach einer geplanten Klinik­entbindung mit 3,1 auf 1000 Frauen an. Die adjustierte Odds Ratio betrug 0,77 und war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,56 bis 1,06 nicht signifikant. Ein Vorteil der Hausgeburt ist demnach nicht sicher. Die Inzidenz einer postpartalen Hämorrhagie war gleich: Sie trat bei 43,1 von 1000 geplanten Hausgeburten und bei 43,3 von 1000 geplanten Klinikgeburten auf.

Anders war die Situation bei den Multipara, also den Frauen, für die es nicht die erste Geburt war. Hier kam es bei 1 von 1000 geplanten Hausgeburten zu schweren Komplikation gegenüber 2,3 auf 1000 geplante Klinikgeburten. Die adjustierte Odds Ratio betrug laut de Jonge 0,43 (0,29-0,63). Damit würde eine geplante Hausgeburt das Komplikationsrisiko mehr als halbieren. Auch die Rate der postpartalen Blutungen (Odds Ratio 0,50; 0,46-0,55) und der manuellen Entfernung der Plazenta (Odds Ratio 0,41; 0,36-0,47) war nur etwa halb so hoch.

De Jonge verzichtet auf die provokative These, dass eine geplante Hausgeburt die sichere Option für Frauen mit niedrigem Risiko ist. Dieser Schluss wäre in einer Kohortenstudie auch gewagt. Es lässt sich nicht ausschließen, dass sich Schwangere mit Risiko, die in den Angaben der Register nicht erfasst werden, für eine Klinikentbindung entschieden haben. Dies könnte beispielsweise ein ungünstiger Verlauf bei der ersten Entbindung gewesen sein.

Eine wichtige Lücke bei dem niederländischen Register ist die fehlende Angabe zum Body-Mass-Index. Eine Adipositas erhöht das Entbindungsrisiko. Hebammen könnten fettleibigen Frauen bevorzugt zu einer Klinikentbindung geraten haben. Andererseits bleibt es aber möglich, dass Frauen in der Klinik durch den erhöhten Einsatz technischer Hilfsmittel und einer häufigeren Schnittentbindung – oft unnötigerweise - den damit verbundenen Risiken ausgesetzt waren. Klären ließe sich dies nur durch eine randomisierte Studie, in der Frauen per Los auf eine Hausgeburt oder eine Klinikentbindung zugeteilt würden. Dass Schwangere dem zustimmen würden, erscheint fraglich.

Die Studie belegt allerdings, dass Hausgeburten eine sichere Option sind. Die speziellen Bedingungen in den Niederlanden mögen eine Rolle gespielt haben. Dazu gehört, dass die Hausgeburt eine lange Tradition hat und die Hebammen deshalb gut ausgebildet sind. Fehleinschätzungen sind relativ selten. Laut de Jonge kommt es bei einer geplanten Hausgeburt nur in 3,4 Prozent der Fälle zu einer dringlichen Überweisung in die Klinik. Die Wege zur nächsten Klinik sind in dem dicht-besiedelten Land zumeist kurz. Die Frauen erreichen die Klinik (nach einer anderen Untersuchung) im Durchschnitt nach 35 Minuten. Nur bei 18 Prozent dauerte es länger als 45 Minuten. © rme/aerzteblatt.de

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