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Medizin

Coronaviren: Unterschiede zwischen MERS-CoV und SARS werden klarer

Montag, 17. Juni 2013

Coronavirus /Health Protection Agency

München – Das neue Coronavirus, das jetzt „Middle East Respiratory Syndrome Corona­virus (MERS-CoV)“ genannt wird, führt weiterhin nur sporadisch zu Erkrankungen bei Menschen, die zumeist an schweren Grunderkrankungen leiden. Die Analyse des „Münchner Patienten“ in Lancet Infectious Diseases (2013; doi: 10.1016/S1473-3099­(13)70154-3) zeigt jetzt, dass es wesentliche Unterschiede zum SARS-Virus gibt.

Ungeachtet einer zeitweise alarmistischen Einschätzung der Weltgesundheits­organi­sation (WHO) geht vom MERS-CoV bisher keine Gefährdung für die Bevölkerung aus. Anders als beim SARS-Virus, das sich Anfang 2003 von Hongkong ausgehend in 37 Länder ausbreitete mit mehr als 8.000 Erkrankungen und 774 Todesfällen innerhalb weniger Monate ist die Erkrankung mit MERS-CoV bisher weitgehend auf Einzelfälle beschränkt geblieben.

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Die WHO zählte in 9 Monaten erst 61 Patienten (darunter 34 Todesfälle). Die letzten drei Fälle wurden der WHO aus der Provinz Taif in Saudi-Arabien gemeldet. Zwei der drei Patienten litten unter schweren Grunderkrankungen, die eine Etablierung der Infektion gefördert haben dürften. Dies war auch bei dem 73 Jahre alten Patienten der Fall, der am 19. März von Abu Dhabi ins Klinikum Schwabing transportiert wurde, wo er sechs Tage später starb.

Bei dem „Münchner Patienten“ war im Jahr 2008 im Heimatland ein Plasmozytom diagnostiziert worden, das nach einer zwischenzeitig erfolgreichen hochdosierten Chemotherapie und einer autologen Stammzelltherapie im November 2012 rezidiviert war. Der Patient wurde mit Lenalidomid und Dexamethason behandelt, was die immuno­logischen Abwehrkräfte geschwächt haben dürfte.

Als der Patient am elften Tag der Erkrankung in München eintraf, war er bereits mit verschiedenen Antibiotika und Virustatika (darunter Aciclovir und Oseltamivir) vorbe­handelt. Wegen eines schweren Atemnotsyndroms wurde er beatmet. Wie das Team um Clemens-Martin Wendtner vom Klinikum Schwabing jetzt berichtet, verschlech­terte sich der Zustand des Patienten rasch: Die Ärzte diagnostizierten eine schwere Thrombo­zytopenie, am Tag 14 der Erkrankung kam es zum akuten Nierenversagen, am Tag 18 starb der Patient im septischen Schock mit Verbrauchskoagulopathie. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Viruskonzentration bereits abgenommen, wobei unklar blieb, ob dies der Therapie oder der Antikörperantwort zu verdanken war.

Infektion betraf weitgehend untere Atemwege
Wie bei früheren Patienten mit MERS-CoV war die Infektion weitgehend auf die unteren Atemwege beschränkt, die Viruskonzentration in oronasalen Abstrichen und im Stuhl waren gering. Dies dürfte die Übertragbarkeit mit Atemwegssekreten und über den Stuhl eingeschränkt haben – im Gegensatz zum SARS-Virus, das aerogen und vermutlich auch faecal-oral übertragen wurde.

In München wurden keine Mitarbeiter des Pflegeteams infiziert, während es bei der SARS-Epidemie öfter zu Infektionen des Personals gekommen war. Im Blut des MERS-Patienten wurden keine Viren nachgewiesen. Im Harn waren sie vor dem Nierenversagen in geringer Konzentration vorhanden. Ob die Viren die Nieren befallen haben, ist offen. Das Nierenversagen könnte auch Folge der Medikation sein. Der Patient hatte mehrere nephrotoxische Antibiotika und Chemotherapeutika erhalten.

Christian Drosten von der Universität Bonn und Mitarbeiter konnten das Genom des Virus sequenzieren. Der Vergleich mit den Gensequenzen des MERS-CoV bei vier anderen Patienten deutet darauf hin, dass das Virus wohl schon Mitte 2011 in der Endemie-Region im Nahen Osten verbreitet war. Die ersten Erkrankungen beim Menschen waren im September 2012 bekannt geworden. Auch dies spricht nicht für eine rasche Ausbreitung des Virus.

Solange das Reservoir nicht identifiziert ist, sind weitere Einzelfälle zu erwarten. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Riad berichtete am Montag über vier Todesfälle. Da die Provinz Taif nur 70 Kilometer von Mekka entfernt ist, dürfte die Sorge um eine drohende Epidemie spätestens im Oktober steigen, wenn die nächste Wallfahrt (Hadsch) zu den heiligen Stätten des Islam ansteht. © rme/aerzteblatt.de

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