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Medizin

Krebsprävention: ASS könnte DNA-Schäden vermindern

Mittwoch, 19. Juni 2013

San Francisco – In einer Beobachtungsreihe von Patienten mit Barrett-Ösophagus kam es in den Läsionen immer dann zu einer Zunahme von DNA-Schäden, wenn die Patienten keine Acetylsalicylsäure (ASS) einnahmen. Die Studie in PLOS Genetics (2013; 9: e1003553) könnte eine Erklärung für die krebspräventive Wirkung von ASS erklären.

Die krebspräventive Wirkung ist in verschiedenen Studien für ein breites Spektrum von soliden Tumoren beobachtet worden. Dabei senkte ASS das Sterberisiko um etwa 20 Prozent, wobei dieser Vorteil jedoch möglicherweise durch das Risiko von tödlichen gastrointestinalen Blutungen wieder aufgehoben wird. Worauf die präventive Wirkung beruht, ist nicht bekannt.

Der Krebsforscher Carlo Maley vom Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center in San Francisco vermutet die Ursache auf der Ebene der Gene. Denn nach einer gängigen Hypothese ist Krebs die Folge einer Anhäufung von Genfehlern, die irgendwann zur Bildung von Zellklonen führt, die sich ungehemmt vermehren und die zelluläre Grundlage für das Malignom bilden.

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Maley ist jetzt in einer Studie der Frage nachgegangen, ob ASS möglicherweise in diese Mechanismen eingreift. Er führte die Untersuchung an 13 Patienten mit einem Barrett-Ösophagus durch, die im Verlauf der letzten Jahre zeitweise ASS eingenommen hatten, zu anderen Zeiten aber nicht.

Das Barrett-Ösophagus ist eine bekannte Präkanzerose des Ösophaguskarzinoms. Einige Patienten entwickeln ein Karzinom, ohne dass vorhersehbar ist, welcher Patient betroffen sein wird. Eine Behandlungsstrategie besteht darin, die Patienten regelmäßig zu endoskopieren, um die Patienten bei einem Fortschreiten der Läsionen rechtzeitig operieren zu können.

Die 13 Patienten, die Maley in einer Kohorte aus Seattle fand, wurden über einen längeren Zeitraum mehrfach endoskopisch biopsiert. Den Krankenakten entnahm der Forscher, zu welcher Zeit die Patienten (aus welchem Grund auch immer) ASS eingenommen hatten und wann nicht. Das Erbgut der Zellen im Barrett-Ösophagus untersuchte Maley mit einem Genchip, der an etwa einer Million Stellen sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) erkennt. Sie lieferten Maley Hinweise auf das Ausmaß der genetischen Störungen (SGA, somatic genomic abnormalities) in den Zellen.

Wie der Forscher jetzt berichtet, kam es während der Zeiten, in denen die Patienten ASS eingenommen hatte, zehnmal seltener zu neuen Mutationen. Damit könnte ASS die Chance, dass es zur Bildung von malignen Zellklonen kommt, senken. Auf welche Weise ASS die Mutationsrate senkt, ist unklar. Maley vermutet, dass die antientzündliche Wirkung eine Rolle spielt. Bei Entzündungsreaktionen würden im Körper freie Radikale entstehen, die das Erbgut angreifen, berichtet er.

Eine Studie an gerade einmal 13 Patienten kann die Hypothese natürlich nicht belegen. Sie könnte aber mit der Genchip-Technologie leicht an einer größeren Gruppe von Patienten geprüft werden. Beim Barrett-Ösophagus könnte die genetische Untersuchung der Biopsate helfen, den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung  zu finden. Auch dies müsste allerdings zunächst in größeren klinischen Studien erprobt werden. © rme/aerzteblatt.de

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