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Brüssel ermöglicht Verkürzung des Medizinstudiums auf fünf Jahre

Freitag, 21. Juni 2013

dpa

Brüssel – Unterhändler von Kommission, Ministerrat und Parlament der Europäischen Union (EU) haben sich darauf geeinigt, die Mindestausbildungszeit für das Medizinstudium zu reduzieren. Der Text der Richtlinie 2005/36/EC wird künftig vorsehen, dass die Mindestaus­bildungsdauer für das Medizinstudium nur noch fünf Jahre beträgt, innerhalb derer mindestens 5.500 Unterrichtsstunden zu absolvieren sind. Diese Richtlinie ist die Grundlage dafür, das Berufsabschlüsse europaweit gelten.

„Zwar heißt es in einem Nachsatz, dass das Ziel dieser Änderung nicht die Verkürzung der Ausbildungsdauer sei, doch wird damit die verkürzte Ausbildung legalisiert“, sagte Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). Er kritisierte, die Richtlinie lasse offen, was genau zu den Unterrichtsstunden zähle. Bereits heute variiert die Praxisphase der Ärzteausbildung zwischen vier Monaten und zwei Jahren. In man­chen Mitgliedsstaaten sei sie Teil des Studiums, in anderen schließe sie sich an das Studium an.

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Für das sechsjährige Medizinstudium haben sich neben dem EU-Ausschuss für öffentliche Gesundheit (ENVI) und dem Deutschen Ärztetag die maßgebenden Institutionen der Universitätsmedizin eingesetzt.

In Irland und Großbritannien war es schon bislang entgegen der geltenden Richtlinie möglich, das Medizinstudium in fünf Jahren abzuschließen. Auch eine private Hochschule aus Österreich folgte dem Beispiel, „um zahlungskräftige Studienbewerber zu gewinnen“, so der MFT. Während sich die Mehrheit der Staaten an die EU-Vorgaben gehalten habe, seien nun die Vertragsverletzer die Gewinner.

Anders als der MFT hatten die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutsch­land (bvmd) die Überarbeitung der Berufsanerkennungsrichtlinie in einem Positions­papier vom November 2012 begrüßt. „Die bvmd sieht nicht, dass sich durch die Direktive die Mindeststudiendauer als Regelstudiendauer durchsetzen wird“, bekräftigte der Verband im Februar 2013 seine Position.

Es gibt laut der bvmd derzeit keine Anzeichen, dass als Folge der Direktive eine Mehrheit von 24 Mitgliedstaaten in der EU sich entschließen werde, ihre Ausbildungsstruktur zu ändern. „Die bvmd weiß wie Sie, dass eine Verkürzung des Studiums bei gleichem Curriculum in der Tat zu einer Verdichtung und Belastung führen würde“, schreibt die Medizinstudierendenvertretung in einem offenen Brief im Februar an den MFT. © hil/aerzteblatt.de

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Gnaarz
am Freitag, 21. Juni 2013, 18:48

bvmd gegen Verkürzung des Studiums auf Kosten des PJ

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden hat nicht nur einen offenen Brief an den MFT verfasst. Sie bezieht sich damit auf ihre umfassende Position zur EU-Richtlinie, die sie im Oktober 2012 verabschiedet hat: http://bvmd.de/fileadmin/intern_alle/Positionspapiere/2012/2012-10-28_Stellungnahme_zur_EU_Richtlinie.pdf

Darin spricht sich die bvmd gegen eine vom MFT befürchtete Studiumskürzung auf PJ-Kosten aus:

"Ebenso wie der MFT befürchten die Medizinstudierenden, dass Teile ihres bisherigen Medizinstudiums, insbesondere das Praktische Jahr (PJ), aus Gründen politischer Partikularinteressen ausgegliedert und unter die Aufsicht nicht akademischer Institutionen gestellt werden könnten, was unter anderem zu einer Verdichtung der Lerninhalte in der verbleibenden Zeit führen könnte.
Eine Verkürzung des Medizinstudiums auf fünf Jahre auf Kosten des PJs ist deshalb aus Sicht der bvmd in jedem Fall abzulehnen."
LNS
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