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Medizin

Polyomaviren: Krebsviren könnten von Affen auf Menschen springen

Freitag, 21. Juni 2013

Berlin – Ein internationales Forscherteam unter deutscher Beteiligung hat in Afrika bislang unbekannte Polyomaviren bei Menschenaffen entdeckt. Laut dem Bericht in PLoS Pathogens (2013; 9: e1003429) könnten die Viren auch beim Menschen verbreitet sein. Polyomaviren gehören zu den DNA-Viren, die bei Tieren krebserregend sind. Zu der Gattung gehören auch die BK- und JC-Viren, die bei Immunsupprimierten eine Nephropathie beziehungsweise eine progressive multifokale Leukenzephalopathie auslösen. Vor wenigen Jahren wurde dann auch beim Menschen ein Polyomavirus entdeckt, das einen Tumor auslöst, nämlich das Merkelzellkarzinom, einen sehr seltenen malignen Hauttumor.

Seither suchen die Forscher nach weiteren bisher unbekannten Polyomaviren. Das Team um Bernhard Ehlers und Fabian Leendertz vom RKI in Berlin konzentriert sich dabei auf Menschenaffen. Mit Erfolg: Bei wildlebenden Schimpansen von der Elfenbeinküste, aus Gabun und Uganda sowie bei Gorillas aus der Demokratischen Republik Kongo und Kamerun sowie bei wildlebenden und in Gefangenschaft gehaltenen Alt- und Neuweltaffen wurden nicht weniger als 20 neue Polyomaviren gefunden.

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Die Forscher vermuten, dass einzelne Polyomaviren von den Menschenaffen auf den Menschen übertragen werden können. Belegen können sie das nicht. Sie können aber zeigen, dass das menschliche Serum Antikörper gegen die Viren enthält. Die Tests fielen sowohl bei Menschen afrikanischer als auch europäischer Herkunft positiv aus.

Sofern die Antikörperreaktion spezifisch war (und es keine anderen Antigenquellen in der Natur gibt) bedeutet dies, dass die positiv getesteten Personen schon einmal Kontakt zu den Viren hatten. Wo und wie die Menschen sich infizieren können, ist unklar. In Afrika könnten die Viren über den Kontakt mit „bushmeat“ (Wildtiere, inklusive Affen, die gegessen werden) übertragen werden, vermuten die Forscher.

Bei den Europäern ist dies eher unwahrscheinlich. Die Forscher wollen jetzt mit verbesserten molekularbiologischen Nachweismethoden die Viren selbst beim Menschen aufspüren. Ihr langfristiges Ziel ist, die Bedeutung der Viren für die menschliche Gesundheit aufzuklären. © rme/aerzteblatt.de

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