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Medizin

Migräne: Neue Risiko-Gene entdeckt

Montag, 24. Juni 2013

Cambridge – Eine internationale Forschergruppe hat zwölf Risikogene für die Migräne entdeckt, die in die Kontrolle von Hirnschaltkreisen eingreifen oder an der Aufrecht­erhaltung der normalen Hirn- und Nervenzellfunktion beteiligt sind. Die Studie in Nature Genetics (2013; doi: 10.1038/ng.2676) wirft ein neues Licht auf die häufige neuro­logische Erkrankung, deren Ätiologie und Pathogenese noch weitgehend ungeklärt sind.

Etwa 14 Prozent aller Erwachsenen leiden unter Migräne. Jede dritte Frau und jeder zwölfte Mann können betroffen sein. Für viele sind die Kopfschmerzattacken mit einer schweren Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität verbunden. Die Global Burden of Disease Study hat die Migräne 2010 an die 7. Stelle in einer Rangliste der folgen­schwersten Erkrankungen der Menschheit gesetzt. Die Ursachen für die Kopfschmerz­attacken liegen noch immer im Dunkeln.

Ein Versuch, die Hintergründe zu erhellen, besteht in der Durchführung von genom-weiten Assoziationsstudien. Dabei wird das Erbgut einer möglichst großen Anzahl von Erkrankungen mit dem von Gesunden verglichen. Der Vergleich erfolgt stichprobenartig durch den Vergleich von sogenannten Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP). Tritt eine dieser Genvarianten bei den Erkrankten gehäuft auf, und befindet sich diese Variante auf einem bekannten Gen oder wenigstens in seiner Nähe, kann dies Hinweise auf die Pathogenese liefern.

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Diese Hoffnung verfolgt auch das International Headache Genetics Consortium, an dem sich mehrere deutsche Zentren (Essen, München, Bonn, Ulm, Kiel) beteiligen. Für die aktuelle Studie wurden die Daten aus 29 verschiedenen Studien zusammengefasst. Dabei konnten die Gene von 23.285 Migränepatienten mit 95.425 Kontrollen verglichen werden.

Das Team um Aarno Palotie vom Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge und Verneri Anttila vom Massachusetts General Hospital in Boston bestätigte sieben bekannte Risikogene und entdeckte fünf weitere, die eindeutig mit der Erkrankung assoziiert sind. Darüber hinaus wurden noch 134 weitere Loci gefunden, die mit der Erkrankung in Verbindung stehen könnten.

Von den zwölf wichtigsten Risikogenen sind zwei auch an der Entstehung kardio­vaskulärer Erkankungen beteiligt: Mutationen in TGFBR2 können ein Marfan-Syndrom verursachen oder in die Pathogenese des abdominalen Aortenaneurysmas eingreifen. PHACTR1 begünstigt einen Herzinfarkt im frühen Lebensalter.

Die Gene TRPM8, MEF2D, TGFBR2, PHACTR1, MMP16, ASTN2 und LRP1 sollen für  die Bildung und Funktion der Synapsen wichtig sein. PRDM16 wiederum wird mit einer oxidativen Stressantwort in Verbindung gebracht. AJAP1 soll für den Erhalt von Gewebegrenzen zuständig sein.

Ein schlüssiges Konzept der Migräne lässt sich aus diesen Entdeckungen noch nicht ableiten, und die Aufgabe der nächsten Jahre dürfte darin bestehen, die zugrunde­liegenden molekularen Mechanismen aufzuklären. Hinter jedem der Risikogene könnte sich jedoch ein Ansatz für eine neue Therapie verbergen. © hil/aerzteblatt.de

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