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Medizin

Rhein und Main als Barriere für infizierte Zecken

Dienstag, 25. Juni 2013

dpa

Frankfurt am Main – Eine Gruppe von Naturforschern hat herausgefunden, warum die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bislang auf die südlichen Bundesländer beschränkt ist. Rhein und Main sind für Zecken, die die FSME übertragen, offenbar schwer überwindbare Grenzen, berichten sie in Ticks and Tick-borne Diseases (2013; 4: 207–213).

Auf der Karte, die das Robert Koch-Institut jährlich zu den Risikogebieten der Früh­sommer-Meningoenzephalitis (FSME) veröffentlicht, fällt sofort die Rheingrenze ins Auge. Rheinland-Pfalz ist links des Rheins (bis auf den Landkreis Birkenfeld) frei von FSME. Auf der anderen Rheinseite gehört ganz Baden-Württemberg und Hessen bis hinaus nach Groß-Gerau zur Endemie-Region. Der Main bildet die nördliche Grenze des Landkreises Groß-Gerau und auch dieser Fluss scheint die Ausbreitung infizierter Zecken nach Norden zu begrenzen.

Auf der Karte des RKI ist dies nicht genau zu erkennen, doch die Behörde bestimmt die Grenzen nach administrativen Regionen und nicht nach der Geographie. Der Main bildet aber anders als der Rhein nur selten die Grenze zwischen den Landkreisen. Hinzu kommt, dass die RKI-Karte auf den Meldungen von Patienten beruht, die sich nicht unbedingt an ihrem Wohnort infiziert haben müssen.

Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und des Klinikums der Goethe-Universität Frankfurt haben deshalb den Befall bei den Zecken untersucht. Im Ballungsgebiet Rhein-Main haben sie das Freiland durchkämmt. 12.497 Exemplare der Species Ixodes ricinus, des Gemeinen Holzbocks, wurden auf eine Infektion mit FSME-Viren und Borrelien untersucht, dem zweiten für den Menschen relevanten von Zecken übertragenen Erreger.

Die FSME-Erreger wurden nur in vier von neun Untersuchungsgebieten gefunden. Sie deckten sich mit den Risiko-Gebieten für die FSME. Nur 0,08 Prozent der Zecken waren infiziert. Das maximale Infektionsrisiko bei einem Zeckenbiss ist demnach gering. Wesentlich häufiger, nämlich in 9,5 Prozent aller Zecken wurden Borrelien nach­gewiesen. Mit Abstand am häufigsten waren die Zecken mit Borrelia afzelii (81,3 Prozent) infiziert gefolgt von B. garinii mit 14,0 Prozent, während B. valaisiana, B. spielmanii und B. bavariensis nur von untergeordneter Bedeutung waren.

Auffällig war nun, dass südlich des Mains deutlich mehr Zecken positiv für Borrelia-Arten waren als nördlich davon. Autor Ulrich Kuch führt dies darauf zurück, dass der Main für die Zecke und damit auch für die Krankheitserreger eine natürliche Barriere darstellt. Eine Ausbreitung erfolgt in der Regel über die Wirtstiere, die – mit Ausnahme von Vögeln und Fledermäusen – den Fluss ebenfalls selten überwinden.

Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, welche Tiere die wichtigsten Reservoire für die Zecken sind. Sollten dies vor allem Bodentiere sein, könnte dies erklären, warum entgegen allen Befürchtungen der Epidemiologen die FSME sich bisher nicht flächendeckend in Deutschland ausbreiten konnte./rme

© rme/aerzteblatt.de

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