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Medizin

Diabetes: Intelligente Insulinpumpe vermeidet nächtliche Hypoglykämien

Dienstag, 25. Juni 2013

MiniMed Veo-Pumpe

Minneapolis – Das künstliche Pankreas für Typ-1-Diabetiker rückt näher. Auf der Jahrestagung der American Diabetic Association in Chicago wurde jetzt die Studie zu einer Insulinpumpe vorgestellt, die sich nachts bei verminderten Blutzuckerwerten automatisch für eine gewisse Zeit abschaltet. Der Hersteller plant bereits eine Studie mit einer Pumpe, bei der ein konstanter Blutzucker angestrebt wird.

Die technischen Grundlagen für das künstliche Pankreas bestehen bereits. Die ersten Insulinpumpen wurden in den 1980er Jahren eingeführt. Seit Ende der 90er Jahre ist auch möglich, den Blutzucker kontinuierlich zu messen. Um ein künstliches Pankreas zu entwickeln, müssen beide Geräte nur noch durch eine Software gekoppelt werden. Sie müsste die für den angestrebten Blutzuckerwert notwendige Insulinmenge berechnen.

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Software-technisch ist das kein Problem, doch die Sorge, ein solches Gerät könnte bei einem Messfehler zu viel Insulin injizieren und dann eine lebensgefährliche Hypoglykämie auslösen, ist berechtigt. Ein „echtes“ künstliches Pankreas konnte bisher nicht zur Marktreife entwickelt werden.

Die Veo-Pumpen des Herstellers Medtronic sind aber ein erster Schritt in diese Richtung. Die Pumpe ist mit einem Sensor zum kontinuierlichen Glukosemonitoring kombiniert. Der Algorithmus ist noch relativ einfach. Bei einem Abfall des Blutzuckers kommt es lediglich zu einer „Hypo-Abschaltung“ der Insulinzufuhr.

In der jetzt im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1303576) veröffentlichten ASPIRE-Studie (Automation to Simulate Pancreatic Insulin Response) wurde das Gerät in einer Gruppe von 247 Typ-1-Diabetikern über einen Zeitraum von drei Monaten zuhause getestet. Alle hatten zuvor schon Erfahrungen mit konventionellen Insulinpumpen und bei allen war es in einer Run-In-Phase zu nächtlichen Blutzucker­abfällen auf unter 65 mg/dl gekommen.

Während der eigentlichen Studienphase trugen alle Patienten Pumpen, die die Blutzuckerspiegel kontinuierlich messen und die Werte zur späteren Auswertung speichern. Nur bei der Hälfte der Patienten war jedoch eine automatische Abschaltung vorgesehen. Die Studie wurde vom Hersteller gesponsert, der auch an der Auswertung der Daten beteiligt war.

Wie Richard Bergenstal vom International Diabetes Center in Minneapolis und Mitarbeiter jetzt mitteilen, senkte die intelligente Insulinpumpe das Integral der nächtlichen Blutzuckerwerte um 37,5 Prozent. Im gleichen Ausmaß wurde auch die Zahl der nächtlichen Hypoglykämien gesenkt: Bei den Trägern der Insulinpumpen mit „Hypo-Abschaltung“ betrug die Frequenz 1,5 pro Patient und Woche, in der Kontrollgruppe waren es 2,2 Hypoglykämien pro Patient und Woche.

Bei vier Patienten kam es im Verlauf der Studie zu schweren Hypoglykämien, bei denen die Blutzuckerwerte auf 56, 40, 76 und 40 mg/dl abgefallen waren. Alle Zwischenfälle traten in der Kontrollgruppe auf. In beiden Gruppen kam es zu keiner Veränderung der HbA1c-Werte, so dass die Hypo-Abschaltung die Qualität der Blutzuckereinstellung nicht beeinträchtigte. Diabetische Ketoazidosen, eine Folge eines Insulinmangels, traten in der Studie nicht auf.

Die günstigen Ergebnisse haben den Hersteller zu einer Nachfolgestudie ermuntert. Dort kommt ein Algorithmus zum Einsatz, der nicht nur Hypoglykämien vermeidet, sondern den nächtlichen Blutzuckerwert auf einen vorbestimmten Wert einstellen wird. Es wäre das erste Gerät, das man als künstlichen Pankreas bezeichnen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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