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Medizin

Europa: Herz­infarkt-Sterberate seit den 80er Jahren halbiert

Mittwoch, 26. Juni 2013

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Oxford – Die Zahl der Herzinfarkttodesfälle hat sich in Europa seit den 1980er Jahren halbiert, und ein Ende des Trends ist nach einer Studie im European Heart Journal (2013; doi: 10.1093/eurheartj/eht159) nicht erkennbar. Allerdings gibt es starke Schwankungen unter den einzelnen Ländern.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den meisten europäischen Ländern die häufigste Todesursache, wobei der größte Anteil auf Schlaganfälle und Herzinfarkte entfällt. Nicht wenige Experten sagen für die nächsten Jahre einen Anstieg voraus, da die Zahl der adipösen Menschen zunimmt und immer mehr Menschen in immer früherem Alter am Typ 2-Diabetes erkranken.

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Die häufigste Todesursache von Diabetikern sind aber Herzinfarkte. Die British Heart Foundation hat deshalb von Epidemiologen der Universität Oxford untersuchen lassen, ob sich bereits eine Trendwende der seit Jahrzehnten fallenden Zahl der Herzinfarkttoten abzeichnet. Dies ist nicht der Fall, wie die jetzt von Melanie Nichols und Mitarbeitern vorgestellten Daten zeigen. Die Forscher haben sie aus den Statistiken der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) entnommen.

Zunächst fallen die enormen geografischen Unterschiede im Anteil der koronaren Herz­krankheit (KHK) an den Todesfällen auf. In Frankreich entfallen bei den Männern nur 8 Prozent und bei den Frauen sogar nur 6 Prozent aller Todesfälle auf die KHK, in Litauen sind es 29 beziehungsweise 40 Prozent. Es ist hier ein klares Nordost nach Südwest-Gefälle zu erkennen. Deutschland liegt mit 17 beziehungsweise 15 Prozent im Mittelfeld. Tschechien mit 22 beziehungsweise 26 Prozent schon weit darüber.

Deskriptive Studie
Die Studie von Nichols ist allerdings rein deskriptiv, eine Korrelation mit den Risiko­faktoren wie Hypertonie, Rauchen, Blutfette, Diabetes und Übergewicht wird nicht hergestellt. Die Studie kann deshalb auch nicht erklären, warum es in den letzten Jahrzehnten zu einem deutlichen Rückgang der Herzinfarkttodesfälle gekommen ist – auch wenn die zurückgehende Zahl von Rauchern immer wieder als wesentlicher Faktor genannt wird.

Der Rückgang der koronaren Todesfälle war in allen untersuchten Altersgruppen (unter 45 Jahre, 45-54 Jahre, 55-64 Jahre und 65 Jahre oder älter) vorhanden. Am deutlichsten war er in Dänemark, Malta, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien, wo die Zahl der Herzinfarkttodesfälle bei beiden Geschlechtern um mehr als 50 Prozent, teilweise sogar über 70 Prozent abnahm. Deutschland liegt mit minus 49 Prozent bei den Männern und minus 39 Prozent bei den Frauen im Mittelfeld.

Nicht-signifikant war der Rückgang bei den Männern in Ungarn, Polen und Litauen, in Rumänien gab es sogar einen, allerdings nicht-signifikanten Anstieg. Bei den Frauen waren die Veränderungen in Griechenland, Ungarn , Litauen, Polen, Rumänien und Slovakien nicht-signifikant.

Die von den Epidemiologen erwartete Trendwende war auch bei der Untersuchung der jüngsten Gruppe der unter 45-Jährigen nicht klar erkennbar. Nur in Italien, Lettland, Litauen und Großbritannien (beide Geschlechter) sowie Polen und Slovakien (nur Männer) und Tschechien und Frankreich (nur Frauen) zeichnet sich so etwas wie ein Plateau ab, das in einzelnen Ländern auch in der Altersgruppe der 45 bis 54-Jährigen erkennbar ist.

Einzig in Griechenland gab es laut Nichols bei den Frauen der 45 bis 54-Jährigen einen signifikanten Anstieg der Herzinfarkttodesfälle, der allerdings nicht mit der aktuellen Wirtschaftskrise in Verbindung steht, da der untersuchte Zeitraum 2009 endete.

© rme/aerzteblatt.de

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