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Medizin

BRAF-Gen beeinflusst Krebsprävention durch ASS

Mittwoch, 26. Juni 2013

Boston – Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) senkt das Darm­krebsrisiko. In zwei prospektiven Beobachtungsstudien war diese chemopräventive Wirkung auf Tumore mit dem Wildtyp des BRAF-Gens beschränkt. Die Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 2563-2571) erlaubt neue Einblicke in den Wirkmechanismus von ASS bei der Krebsprävention.

Die chemopräventive Wirkung von ASS, die in mehreren randomisierten Studien beobach­tet wurde, ist aus zwei Gründen umstritten. Zum einen fehlt der Nachweis, dass die Senkung der Krebsrate auch zu einem Rückgang der Sterblichkeit führt. Der Vorteil einer verminderten Krebssterblichkeit könnte durch eine erhöhte Rate von tödlichen gastrointestinalen Blutungen aufgehoben werden.

Zum anderen ist der Wirkmechanismus unklar. ASS hemmt die Prostaglandin-Endo­peroxid-Synthase 2 (PTGS2), auch als Cyclooxygenase 2 bekannt. Dies hat eine antientzündliche Wirkung zur Folge, nicht aber eine Antitumorwirkung. Die Antitumor­wirkung könnte darauf beruhen, dass PTGS2 auch in die KRAS-Signalkette einge­bunden ist. Diese vermittelt Signale des epidermalen Wachstumsfaktors in den Zellkern. Experimentelle Studien zeigen, dass auch PTGS2 in diese Signalkette eingebunden ist. Dies würde die leichte Antitumorwirkung von ASS erklären.

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Nun ist bekannt, dass bei 10 bis 15 Prozent der Kolorektalkarzinome eine Mutation im BRAF-Gen vorliegt. Dies führt zwar einerseits dazu, dass die Wachstumssignale für die Tumorzellen gesteigert werden. BRAF-positive kolorektale Karzinome haben eine schlechtere Prognose. Die Mutation könnte aber auch dazu führen, dass die PTGS2-Hemmung durch ASS nicht mehr greift und die chemopräventive Wirkung ausbleibt.

Genau dies zeigt jetzt die Auswertung der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study. Die Kohorten umfassten Beschäftigte des US-Gesundheitswesens, die über einen Zeitraum von 28 Jahren regelmäßig befragt wurden, unter anderem nach der Einnahe von ASS.

Das in den USA beliebte Mittel wurde von der Mehrheit der Teilnehmer eingenommen und die Einnahme war mit einem um 23 Prozent verminderten Darmkrebsrisiko assoziiert. Reiko Nishihara vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter können jetzt zeigen, dass die Schutzwirkung auf Teilnehmer beschränkt war, deren Tumor den Wildtyp (der nicht mutierten Variante) des BRAF-Gens trug.

An diesem Tumor erkrankten die ASS-Konsumenten zu 27 Prozent seltener (multivariate Hazard Ratio HR 0,73; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,64-0,83). Die Schutzwirkung nahm hier mit der Dauer der ASS-Einnahme zu. Teilnehmer, die länger als 14 Wochen ASS eingenommen hatten, erkrankten zu 53 Prozent seltener an dem Tumor (HR 0,43; 0,25-0,75). Bei den Tumoren mit BRAF-Mutanten war dagegen keine protektive Wirkung erkennbar (HR 1,03; 0,76-1,38), auch nicht bei längerer Einahme.

Laut den Studienergebnissen würde ASS vornehmlich Darmkrebserkrankungen mit einer günstigen Prognose verhindern. Dies könnte möglicherweise erklären, warum die chemopräventive Wirkung ohne Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit blieb, die sich aber auch bei anderen primärpräventiven Strategien nur schwer belegen lässt. © rme/aerzteblatt.de

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