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Medizin

Typ-1-Diabetes: Impfstoff steigert Res­tinsulin-Produktion

Donnerstag, 27. Juni 2013

Stanford – Ein „reverser“ Impfstoff, der die Immunreaktion nicht anstacheln, sondern abschwächen soll, hat in einer Phase-2-Studie die Restinsulin-Produktion von Patienten mit Typ 1-Diabetes verbessert. Die in Science Translational Medicine (2013; 5: 191ra82) vorgestellte Technologie könnte im Prinzip auch auf andere Autoimmunerkrankungen angewendet werden.

Zu Autoimmunerkrankungen kommt es, wenn das Immunsystem körpereigene Strukturen attackiert. Beim Typ 1-Diabetes sind dies die Beta-Zellen, die im Pankreas das lebenswichtige Hormon Insulin produzieren. Die Angreifer sind T-Zellen. Zu deren Angriffsziel gehört Proinsulin, aus dem durch Abspaltung von C-Peptid Insulin entsteht. Aus einem nicht bekannten Grund wird Proinsulin, das außerhalb der Zellen nur in kleinen Mengen vorhanden ist, vom Immunsystem als „fremd“ angesehen.

Das Ziel des Impfstoffes BHT-3021, den Wissenschaftler der Stanford Universität in Kalifornien entwickelt haben, besteht darin, das Immunsystem von der Harmlosigkeit von Proinsulin zu überzeugen. Eine solche „Toleranz“ kann erzeugt werden, indem das Immunsystem regelmäßig mit größeren Mengen des Antigens konfrontiert wird.

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Die CD8-Zellen, die die Immunattacke orchestrieren, lernen dann Proinsulin als körpereigen zu akzeptieren. Das Team um Lawrence Steinman von der Stanford Universität versucht dies mit einem DNA-Impfstoff zu erreichen. Er enthält die Gene für die Bildung von Proinsulin, allerdings in einer leicht abgewandelten Form, was die Toleranzbildung erleichtern soll.

Die Wirkung wurde jetzt in einer Dosisfindungsstudie an 80 Patienten untersucht, deren Typ 1-Diabetes nicht länger als 5 Jahre zurücklag. In dieser ersten Phase der Erkrankung haben viele Patienten noch eine Resteigenproduktion von Insulin. Sie ist zwar in der Regel nicht ausreichend, um eine Hyperglykämie zu vermeiden.

Sie könnte jedoch helfen, so eine Hoffnung, die Bildung der Spätschäden an Augen, Nieren und peripheren Nerven zu vermeiden. Dies konnte allerdings in der kleinen Studie nicht untersucht werden. Es ging lediglich um die Frage, ob der Impfstoff die Insulinproduktion steigert und sicher ist. Sicherheitsprobleme sind laut Steinman nicht aufgetreten. Es kam auch nicht zu einer Verstärkung der Autoimmunreaktion.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Bildung des C-Peptids. Es bleibt übrig, wenn Insulin vom Proinsulin-Molekül abgespalten wird und ist deshalb ein Maßstab für die körpereigene Insulinproduktion. Um die Produktion des C-Peptids anzuregen, erhielten die Patienten wöchentlich intramuskuläre Injektionen mit dem Impfstoff BHT-3021 in vier unterschiedlichen Dosierungen von 0,3 bis 6 mg. Nach 12 Wochen wurde die Bildung von C-Peptid (und damit auch Insulin) tatsächlich gesteigert. Sie nahm in der zweit-niedrigsten Dosierung (1 mg) um 19,5 Prozent zu gegenüber einer Abnahme um 8,8 Prozent im Placebo-Arm der Studie.

Gleichzeitig kam es zu einem Rückgang der CD8-Zellen, der, wie Untersuchungen an der Universität Leiden zeigten, auf die Proinsulin-spezifischen CD8-Zellen beschränkt blieb. Diese spezifische Wirkung ist wichtig, da ungezielte immunsuppressive Effekte auf die Dauer mit erheblichen Nachteilen verbunden wären. Sie könnten für den Patienten schädlicher sein als die ständigen Insulininjektionen.

Die Wissenschaftler haben ihren Impfstoff patentieren lassen und eine Firma, Bayhill Therapeutics, gegründet. Diese ist inzwischen in die Firma Tolerion übergegangen, die jetzt Sponsoren für längerfristige Studien sucht. Das Team ist nicht das einzige, das den Typ 1-Diabetes durch eine Toleranzentwicklung stoppen will. Die Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München versucht das gleiche Ziel an Kindern mit einem erhöhten Diabetesrisiko. Die Toleranz soll dort durch die orale Gabe von Insulin erzielt werden. © rme/aerzteblatt.de

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