NewsMedizinTyp 1-Diabetes: Atemwegsinfektionen im Säuglingsalter erhöhen Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ 1-Diabetes: Atemwegsinfektionen im Säuglingsalter erhöhen Risiko

Dienstag, 2. Juli 2013

München – Infektionen in den ersten Lebensmonaten sind möglicherweise ein Trigger für die Entwicklung von Antikörpern, die in den Folgejahren die Beta-Zellen des Pankreas zerstören und einen Typ 1-Diabetes mellitus verursachen. Dies geht aus einer prospek­tiven Kohortenstudie in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013) hervor.

Der Typ 1-Diabetes manifestiert sich zwar meist im Kindes- und Jugendalter, die Erkrankung beginnt jedoch früher. Studien des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum in München haben in den letzten Jahren gezeigt, dass einige Kinder, die später am Typ 1-Diabetes erkranken, bereits in den ersten Lebensjahren Antikörper gegen Insulin oder (andere) Antigene auf Beta-Zellen entwickeln, die später den Autoimmmunangriff einleiten, der für die Erkrankung verantwortlich ist.

Die Autoantikörper treten häufig im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren erstmals auf. Was ihre Bildung veranlasst, ist unklar. Zu den Verdächtigen gehören seit Jahren Viren und andere Krankheitserreger. Sie könnten die Beta-Zellen schädigen und dadurch das Immunsystem auf die „Diabetes-Antigene“ aufmerksam machen oder auf andere Weise die Toleranz des Immunsystems gegenüber den Insulin-produzierenden Zellen aufheben.

Anzeige

Der Epidemiologe Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung ist der Frage jetzt anhand der Daten der BABYDIET-Studie nachgegangen. Die randomisierte Studie untersucht derzeit, ob eine glutenfreie Diät – Gluten ist ebenfalls als Auslöser des Typ 1-Diabetes im Gespräch – den Ausbruch des Diabetes bei Kindern mit einem erhöhten genetischen Risiko verhindern kann.

Die 150 Teilnehmer der Studie werden seit der Geburt engmaschig auf die Entwicklung von Autoantikörpern hin untersucht. Außerdem führen die Eltern ein Tagebuch, in dem sie unter anderem Infektionskrankheiten der Kinder notieren. Beyerlein kann jetzt zeigen, dass der Antikörperbildung häufig Atemwegsinfektionen vorausgehen. Alle Kinder, die später serokonvertierten, hatten im ersten Lebensjahr wenigstens zwei Infektionen durchgemacht, davon eine in den ersten sechs Monaten.

Zwar hatten nur die wenigsten Atemwegsinfektionen die Bildung von Diabetes zur Folge. Atemwegsinfektionen in den ersten sechs Lebensmonaten erhöhten jedoch die Wahr­scheinlichkeit einer Serokonversion um den Faktor 2,27 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,32-3,91). Dabei stieg das Risiko mit der Zahl der Infektionen. Für Atemwegsinfektionen im Alter von 6 bis 12 Monaten konnte Beyerlein noch eine Hazard Ratio von 1,32 (1,08-1,61) ermitteln. Danach hatten die Atemwegsinfektionen keinen Einfluss mehr auf das Serokonversionsrisiko.

Die Assoziation bestand ausschließlich mit oberen Atemwegserkrankungen. Beyerlein konnte jedoch keine einzelnen Erreger identifizieren, noch kann die Studie ausschließen, dass Faktoren, die mit den Infektionen assoziiert sind (auch die Therapie?), der eigentliche Auslöser sind.

Die Studie liefert auch keinen Beweis dafür, dass Impfungen das Diabetesrisiko senken könnten. Die Studie dürfte aber die Aufmerksamkeit der Forschung auf die immuno­logischen Vorgänge in den ersten Lebensmonaten richten, die offenbar für die Entwicklung des Typ 1-Diabetes von großer Bedeutung sind.

In einer weiteren Studie konnte das Institut für Diabetesforschung kürzlich zeigen, dass die Bildung der Autoantikörper fast immer mit der späteren Entwicklung eines Typ 1-Diabetes verbunden ist. Institutsleiterin Anette Ziegler hatte neben der BABYDIET-Studie auch die Daten der BABYDIAB-Studie, einer weiteren Initiative der Münchner Diabetesforscher, sowie zwei Kohorten aus Finnland und den USA ausgewertet.

Ergebnis: Fast alle Kinder, die serokonvertierten, erkrankten später an einem Typ 1-Diabetes. Die Latenz kann jedoch bis zu 20 Jahre betragen. Nach zehn Jahren waren 70 Prozent erkrankt, nach 15 Jahren stieg der Anteil auf 85  Prozent. Die Erkrankung entwickelte sich umso schneller, je früher im Verlauf des Lebens die Serokonversion erfolgt. Der HLA-Gentyp DR3/DR4-DQ8 war ebenfalls mit einer rascheren Diabetesmanifestation assoziiert (JAMA 2013; 309: 2473-2479).

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER